Heinz Mandl

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Heinz Mandl (* 21. Mai 1937 in München) ist ein deutscher Psychologe und Pädagoge, emeritierter Professor für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur (1956) absolvierte er am Institut für Lehrerbildung München-Pasing die Ausbildung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen und arbeitete von 1961 bis 1967 als Lehrer an Volksschulen. Ab 1965 studierte er Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und erhielt 1967 eine Förderassistentenstelle bei Hans Schiefele an der Pädagogischen Hochschule Augsburg. 1971 erwarb er das Diplom, 1975 folgte die Promotion in Psychologie mit den Nebenfächern Erziehungswissenschaft und Soziologie an der LMU. 1978 erhielt er den Ruf an die Uni Tübingen auf die Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt empirische Forschung. Zugleich war er dort Leiter der Forschergruppe am Deutschen Institut für Fernstudien. 1990 nahm er den Ruf an die LMU auf den Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie und Empirische Pädagogik an.

Von 1995 bis 2000 war er Dekan der Fakultät für Psychologie und Pädagogik. Gastprofessuren nahm er wahr an den Universitäten Fribourg (Schweiz), Helsinki (Finnland), Linz (Österreich), Teheran (Iran), Zürich (Schweiz), Viseu (Portugal). Von 1989 bis 1991 leitete er als Präsident die European Association for Research on Learning and Instruction (EARLI). Für die EARLI organisierte er 1987 in Tübingen „The Second European Conference for Research on Learning and Instruction“. Nach seiner Emeritierung 2003 vertrat er den Lehrstuhl noch bis 2006. Bis heute ist er wissenschaftlich tätig.[1][2]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kognitive Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Institut für Unterrichtsforschung der Pädagogischen Hochschule Augsburg (1967–1978) untersuchte er in der Augsburger Längsschnittstudie im Rahmen seiner Assistentenstelle den Schereneffekt in der kognitiven Entwicklung von Grundschülern.[3] und die Förderung von Dimensionen kognitiver Komplexität im Unterricht[4]

Wissenserwerb mit Text, Bild und intelligenten tutoriellen Systemen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Annahme des Lehrstuhls in Tübingen1978 forschte er federführend im internationalen Kontext zum Erwerb und zur Förderung elaborativer, reduktiver und metakognitiver Prozesse des Wissenserwerbs mit Text und Bild.[5] Ausgehend von diesem Schwerpunkt wurde er 1985 Mitinitiator des interdisziplinären DFG-Forschungsschwerpunkts „Wissenspsychologie“ (1985–1991), in dem Forscher aus Informatik, Psychologie und Pädagogik beteiligt waren.[6] In diesem Kontext wurden erste Versuche unternommen, Wissenserwerb mit intelligenten tutoriellen Systemen in einer physikalischen Domäne in Kooperation mit dem LRDC Pittsburgh zu analysieren[7]

Wissen und Handeln – Wissensmanagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erkenntnisse aus diesem Schwerpunktprogramm waren ab 1990 die Grundlage für die Münchner Aktivitäten, in denen der Wissenserwerb unter konstruktivistischer Perspektive sowie das situierte und problemorientierte Lernen in den Mittelpunkt rückten.[8] Die Kluft zwischen Wissen und Handeln führte auch zur Initiierung der DFG-Forschergruppe „Wissen und Handeln“ (1995–2001). In diesem Zusammenhang war er 1996 Organisator des 40. Kongresses für Psychologie in München mit dem Schwerpunktthema „Wissen und Handeln“.[9] Die Ergebnisse des Forschungsprogramms fand seinen Niederschlag in der Veröffentlichung „Knowledge and action“.[10] Unter dem Anwendungsaspekt wurde das Thema Wissensmanagement unter individuellen und organisationalen Aspekten in verschiedenen Unternehmen untersucht[11]

Netzbasierte Wissenskommunikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Basierend auf den bisherigen Forschungen kam es zur Mitinitiierung des DFG-Schwerpunktprogramms „Netzbasierte Wissenskommunikation“ (2000–2006). Thema dieses interdisziplinären Forschungsprogramms ist die Analyse und Optimierung des computerbasierten Wissensaustauschs in Lern- und Arbeitskontexten.[12] Im Rahmen der Anwendung digitaler Lehr-Lernformen kam es zur Entwicklung virtueller Seminare mit der Virtuellen Hochschule Bayern (vhb).

Digitale Wertebildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In jüngster Zeit beschäftigt er sich mit Gamification.[13] und Wertebildung[14] Neben experimenteller Forschung war und ist für Heinz Mandl der Anwendungsaspekt, also die Nutzbarmachung von Forschungsergebnissen für die Praxis, von besonderer Bedeutung.

Kooperationspartner in angewandter Forschung waren u. a. Siemens (Knowledge Master), Telekom (Wissensmanagement), Anderson Consulting (Multimedia), BMW (Selbstreguliertes Lernen), Siemens Stiftung (Wertebildung), Landeshauptstadt München (Bildungscontrolling).[1]

Gutachter und Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gutachter war er tätig für Projekte der Science Foundations der Länder Schweiz, Österreich, Niederlande ferner für die VW Stiftung, Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft. Besonders hervorzuheben ist die Tätigkeit als gewählter Gutachter im Rahmen der DFG für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie (1987–1995).[1]

Den Preis für hervorragende Lehre 2000 vom Freistaat Bayern erhielt er für die Implementation virtueller Lernumgebungen an der LMU Im Kontext der virtuellen Hochschulen Bayern.

Von der EARLI erhielt er 2003 den Œuvre Award for Outstanding Contributions to the Science of Learning and Instruction.[15] Heinz Mandl ist Fellow of the American Psychological Association and of the Educational Research Association. Eine Würdigung seiner Forschungstätigkeit erfolgte in der Zeitschrift Educational Psychological Review, 2018[16]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De Corte, E., Linn, M.C. Mandl, H., & Verschaffel, L. (Eds.) (1992). Computer-based learning environments and problem solving. Springer: Heidelberg.
  • Huber, G. L., Krapp, A., Mandl, H. (Hrsg.) (1984). Pädagogische Psychologie als Grundlage pädagogischen Handelns. München: Urban & Schwarzenberg.
  • Mandl, H. & Levin, J. R. (Eds.) (1989). Knowledge acquisition from text and pictures. Amsterdam: North Holland.
  • Mandl, H., De Corte, E., Bennett, S. N., & Friedrich H. F. (Eds.) (1990). Learning and instruction (Vol. 2.1). Social and cognitive aspects of learning and instruction. Oxford: Pergamon.
  • Mandl, H., De Corte, E., Bennett, S. N. & Friedrich, H. F. (Eds.) (1990). Analysis of complex skills and complex knowledge domains. Oxford: Pergamon.
  • Mandl, H. & Gerstenmaier, J. (Hrsg.) (2000). Die Kluft zwischen Wissen und Handeln. Göttingen: Hogrefe.
  • Mandl, H. & Friedrich H. F. (Hrsg.) (2006). Handbuch Lernstrategien. Göttingen: Hogrefe.
  • Oerter, R., Frey, D., Mandl, H., Rosenstiel, L. v., & Schneewind, K. (Hrsg.) (2012). Universitäre Bildung – Fachidiot oder Persönlichkeit. München: Rainer Hampp.
  • Reinmann-Rothmeier, G. & Mandl, H. (Hrsg.) (2001). Virtuelle Seminare in Hochschule und Weiterbildung. Bern: Huber.
  • Vosniadou, S., De Corte, E., Glaser, R. & Mandl, H. (Eds.) (1996). International perspectives on the design of technology supported learning environments. Mahawah: Erlbaum.
  • Zumbach, J. & Mandl, H. (Hrsg.) (2008). Pädagogische Psychologie in Theorie und Praxis. Göttingen: Hogrefe.
  • Weinert, F. E. & Mandl, H. (Hrsg.) (1997). Psychologie der Erwachsenenbildung. Enzyklopädie der Psychologie, Band 4: Pädagogische Psychologie. Göttingen: Hogrefe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Homepage Prof. Dr. Heinz Mandl https://www.psy.lmu.de/ffp/persons/emeriti/mandl-heinz/index.html
  2. Kopp, B. & Mandl, H. (2020). Zur Geschichte des Psychologischen Instituts an der Ludwig-Maximilians-Universität München seit dem späten 19. Jahrhundert. In A. Stock & W. Schneider (Hrsg.): Die ältesten Institute für Psychologie im deutschsprachigen Raum (S. 307–357). Göttingen: Hogrefe.
  3. Mandl, H. (1975). Kognitive Entwicklungsverläufe von Grundschülern. München: Oldenbourg.
  4. Mandl H. & Huber, G. L. (Hrsg.) (1978). Kognitive Komplexität. Göttingen: Hogrefe.
  5. Mandl, H., Stein, N. L., & Trabasso, T. (Eds.) (1984). Learning and comprehension of text. New Jersey: Lawrence Erlbaum.
  6. Mandl, H. & Spada, H. (Hrsg.) (1988). Wissenspsychologie. Weinheim: Beltz PVU
  7. Mandl, H. & Lesgold, A. (Eds.) (1988). Learning issues for Intelligent Tutoring Systems. New York: Springer.
  8. Gerstenmaier, J. & Mandl, H. (Hrsg.) (1994). Wissenserwerb unter konstruktivistischer Perspektive. Zeitschrift für Pädagogik, 41(6), 867–888.
  9. Mandl, H. (Hrsg.) (1997). Bericht über den 40. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie 1996. Schwerpunktthema: Wissen und Handeln. Göttingen: Hogrefe.
  10. Frey, D., Mandl, H. & Rosenstiel, L. v. (Hrsg.) (2006). Knowledge and action. Göttingen: Hogrefe.
  11. Reinmann, G. & Mandl, H. (Hrsg.) (2004). Psychologie des Wissensmanagements. Göttingen: Hogrefe.
  12. Fischer, F., Kollar, I., Mandl, H. & Haake, J. M. (Eds.) (2007). Scripting computer-supported collaborative learning. New York: Springer.
  13. Sailer, M., Hense, J. Mandl, H. & Klevers, (2017). Fostering development of work competencies and motivation via gamification. In M. Mulder & J. Winterton (Hrsg.): Competence-based vocational and professional education (pp. 795–818). Springer: Dordrecht.
  14. Mandl, H., Kopp, B., Niedermeier, S. & Meixner, M. (2015). Leitfaden „Naturwissenschaften, Technik und Werte.“ Methoden zur Implementierung des Werteaspekts in den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht mit Experimento |8+. München: Siemens Stiftung.
  15. EARLI Œuvre Award for Outstanding Contributions to the Science of Learning and Instruction. vhost0309.web04.level27.be>awards
  16. Flanigan, A. E., Kiewra, K. A. & Luo, L. (2018). Conversations with four highly productive German Educational Psychologists: Frank Fischer, Hans Gruber, Heinz Mandl, and Alexander Renkl. Educational Psychological Review, 30(1), 303–330.