Helmut Voigt

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Helmut Voigt (* 1942) ist ein ehemaliger Oberstleutnant des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR, der 1994 wegen seiner Beteiligung am Terroranschlag vom 25. August 1983 auf das Kulturzentrum Maison de France in West-Berlin zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen Beihilfe zum Mord verurteilt wurde.[1]

Tätigkeit bei der DDR-Staatssicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ingenieur Helmut Voigt arbeitete seit 1978 beim Ministerium für Staatssicherheit in Ost-Berlin, ab 1981 war er Leiter der Unterabteilung VIII „Bekämpfung des internationalen Terrorismus“ der Hauptabteilung XXII.[2] Sein Vergehen bestand in der Rückgabe eines 1982 bei der Einreise von Johannes Weinrich beschlagnahmten Koffers mit 24 kg Plastiksprengstoff, den er für den Zeitraum eines Jahres in einem Schrank in seiner Dienststelle in Berlin-Hohenschönhausen deponiert hatte.[2] Laut eigener Darstellung während des Gerichtsverfahrens 1994 tat er dies auf Anweisung seines direkten Vorgesetzten, des Obersten Harry Dahl.[3] Der Koffer mit dem Sprengstoff wurde danach von Weinrich in die syrische Botschaft in der Otto-Grotewohl-Straße verbracht, von wo er im August 1983 von weiteren Vertrauten des Drahtziehers des späteren Anschlages, Ilich Ramírez Sánchez, auch Carlos genannt, über die Grenze nach West-Berlin gebracht wurde.[2] Voigt, damals noch im Range eines Majors und somit dem mittleren leitenden Kader zugehörig, habe der Behauptung eines Carlos-Vertrauten von der geplanten Rückführung des Sprengstoffes nach Damaskus geglaubt.[3]

Flucht nach Griechenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. März 1991 setzte sich Voigt nach der Verbreitung der Nachricht im Rundfunk von der geplanten Festnahme einiger der Unterstützung von RAF-Terroristen verdächtigter MfS-Offiziere nach Griechenland ab.[4] Er lebte dort eine Zeit lang unter falscher Identität in der Hafenstadt Volos. Gefasst werden konnte er durch den Besuch seiner Ehefrau Carla im September 1992, die unwissentlich einen in ihrem Fluggepäck versteckten Peilsender mit sich trug, der die BKA-Fahnder direkt zum untergetauchten Voigt führte.[4] Verhaftet wurde er mit seiner Ehefrau im Hotel Balasca in Athen,[5] bis zu seiner Auslieferung 1993 saß er im Staatsgefängnis in Korydallos ein.[4]

Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 wurde er vom Landgericht Berlin zu vier Jahren Freiheitsstrafe wegen Beihilfe zum Mord verurteilt.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Dietl: Die BKA-Story. Droemer Knaur, 2000
  • Fritz Schmaldienst, Klaus-Dieter Matschke: Carlos-Komplize Weinrich: Die internationale Karriere eines deutschen Top-Terroristen. Eichborn Verlag, 1995
  • Peter Niggl, Hari Winz: Tod in Berlin: Kriminalfälle aus der Metropole 1945–1995. Verlag Das Neue Berlin, 1995
  • Oliver Schröm: Gefährliche Mission: die Geschichte des erfolgreichsten deutschen Terrorfahnders. Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2007
  • Oliver Schröm: Im Schatten des Schakals: Carlos und die Wegbereiter des internationalen Terrorismus. Ch. Links Verlag, 2002

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regine Igel: Offene Worte von Markus Wolf … heise.de, 17. Februar 2012, abgerufen am 29. Juni 2014.
  2. a b c Sigrid Averesch: Ein Pakt der Stasi mit den Terroristen? In: Berliner Zeitung, 11. Januar 1994
  3. a b Sigrid Averesch: Stasi-Offizier fühlt sich getäuscht. In: Berliner Zeitung, 25. Januar 1994
  4. a b c Wilhelm Dietl: Schulmeister des Terrors. focus.de, 5. April 1993, abgerufen am 29. Juni 2014.
  5. Die Spur der Pässe. In: Der Spiegel. Nr. 21, 1993 (online).
  6. Sigrid Averesch: Stasi und Carlos im „Kampf gegen den Klassenfeind“. In: berliner-zeitung.de. Berliner Verlag GmbH, 12. April 1994, abgerufen am 8. Dezember 2015.