Helwan

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Helwan (Ägypten)
Helwan
Helwan
Geografische Lage von Helwan
Gefäßritzung auf einer Tonvase mit dem Namen des Königs Ni-Neith aus Helwan[1]

Helwan (arabisch حلوان, DMG Ḥulwān ‚süßer Brunnen‘), auch Heluan geschrieben, ist eine Industriestadt in Ägypten, ca. 25 km südlich von Kairo bzw. Maadi zwischen den Mokattam-Hügeln an den Ufern des Nils gelegen. Sie hat etwa 643.327 Einwohner (Stand 2006)[2] und war vom 18. April 2008 bis zum 14. April 2011 zeitweilig Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements. Sie kann noch als Vorort von Kairo gelten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein war Helwan ein Kurort mit Heilbädern, es gibt dort unter Anderem schwefelhaltige Thermalquellen. Heute prägen Schwerindustrien das Stadtbild, vor allem Eisen- und Stahlverhüttung und Textil- und Zementproduktion sowie ein großes Elektrizitätswerk. Aber auch der Automobilhersteller El Nasr Automotive Manufacturing Company, welcher eines der größten des Landes ist, hat hier seinen Sitz. Eine Eisenbahn- und Straßenbrücke über den Nil verbindet Helwan mit Sakkara. Die Stadt verfügt seit dem 26. Juli 1975 über die Helwan-Universität, die durch deutsche Entwicklungshilfe wesentlich gefördert wurde und deren Vorgänger die Operations School war, sowie über ein astronomisches Observatorium am National Research Institute of Astronomy and Geophysics.

Ausgrabungsstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um Helwan ist von archäologischem wie ägyptologischem Interesse. Unweit der Stadt wurden die ältesten Gräber Ägyptens gefunden, die insgesamt rund 10.000 Bestattungen stammen zum Großteil aus der vordynastischen Epoche und der Frühzeit (3300–2700 v. Chr.). In den Gräbern selbst wurden die frühesten Königsnamen sowie zahllose Gefäßritzungen entdeckt, die anonyme Serechs zeigen. Daneben wurden Mastabas aus der zweiten, dritten und vierten Dynastie ausgegraben, die verschiedene Weiterentwicklungen im Bauwesen erkennen lassen. Bemerkenswert sind die Hundebestattungen der Gräber 667.H5 und 680.H5.

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helwan
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
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3
 
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10
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Helwan
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 18,4 20,4 23,7 28,4 32,1 34,9 34,9 34,5 32,4 29,5 24,7 19,8 Ø 27,8
Min. Temperatur (°C) 8,1 9,1 11,1 14,2 17,4 19,9 20,8 21,2 20,2 17,9 14,1 9,8 Ø 15,3
Niederschlag (mm) 6 4 4 2 2 0 0 0 0 1 3 6 Σ 28
Sonnenstunden (h/d) 7,0 7,5 8,1 9,2 10,3 11,1 11,3 10,9 9,9 9,3 8,2 6,7 Ø 9,1
Regentage (d) 2 1 1 0 0 0 0 0 0 0 1 1 Σ 6
Luftfeuchtigkeit (%) 61 54 48 43 40 42 55 54 59 55 60 58 Ø 52,4
T
e
m
p
e
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a
t
u
r
18,4
8,1
20,4
9,1
23,7
11,1
28,4
14,2
32,1
17,4
34,9
19,9
34,9
20,8
34,5
21,2
32,4
20,2
29,5
17,9
24,7
14,1
19,8
9,8
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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Das Al-Aqrab-Gefängnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Helwan befindet sich das Al-Aqrab-Gefängnis, offizieller Name Tora Prison 992 Most-Security. Die als Foltergefängnis berüchtigte Institution, wo vor allem Regimegegner inhaftiert werden, wurde 1993 unter Innenminister Habib al-Adli errichtet. Das Gefängnis umfasst 320 Zellen, fünf davon werden zur „Disziplinierung“ genutzt.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Helck, Eberhard Otto, Rosemarie Drenkhahn: Kleines Lexikon der Ägyptologie. 4. Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0, S. 123.
  • Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit. (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 46). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4, S. 44. 121.
  • David Jeffreys: Helwan. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 367–68.
  • Michel Rauch: Ägypten. DuMont, Köln/Luxemburg 2010, ISBN 978-3-7701-7647-2, S. 21. 336.
  • Dan Richardson: Rough Guide to Egypt. Rough Guides, London 2003, ISBN 1-84353-050-3, S. 191.
  • Michael Rice: Egypt's Making: The Origins of Ancient Egypt 5000-2000 BC. Routledge, London 2003, ISBN 0-415-26875-3, S. 134–142.
  • Zaki Youssef Saad: The royal excavations at Saqqara and Helwan (1941–1945). In: Supplements aux Annales du Service des Antiquites de l'Égypte. 3. Kairo 1947.
  • Helwan I. Excavations in the Early Dynastic Cemetery. Season 1997/98. Studien zur Archäologie und Geschichte Altägyptens, Heidelberg 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edwin van den Brink, Christiane Köhler: Four Jars with Incised Serekh-Signs from Helwan Recently Retrieved from the Cairo Museum. In: Göttinger Miszellen. Beiträge zur ägyptologischen Diskussion 187, 2002, S. 57 Abb. 2.
  2. Einwohner- und Haushaltszählung 2006 durch die Central Agency for Public Mobilisation and Statistics Cairo (Memento des Originals vom 11. Dezember 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.msrintranet.capmas.gov.eg (englisch)
  3. al-aqrab-prison, the death camp of egypts dissidents abgerufen am 23. Dezember 2017