Herbertstraße

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Blick in die Herbertstraße
Hinweisschild
Typischer Laden in der Hamburger Herbertstraße

Die Herbertstraße (bis 1922 Heinrichstraße) ist eine Straße in Hamburg, die seit Beginn der Bebauung im 19. Jahrhundert zur Prostitution (von heute rund 250 Frauen) genutzt wird. Sie liegt auf St. Pauli in der Nähe der Reeperbahn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herbertstraße ist etwa 100 Meter lang, in den Häusern sitzen die Prostituierten auf Hockern in Schaufenstern, präsentieren sich und warten auf Freier oder sprechen die männlichen Passanten bei geöffnetem Fenster an.

Zur Zeit des Nationalsozialismus herrschte ein Verbot von Striptease und Prostitution. Da jedoch ein Verbot des auf St. Pauli typischen Gewerbes nicht konsequent durchgesetzt werden konnte, wurden diese Tätigkeiten nur in einer Gasse geduldet – in der Herbertstraße. Damit niemand im Vorbeigehen sehen konnte, was eigentlich nicht sein durfte, ließ die Gauleitung 1933 Sichtblenden an beiden Enden der Straße errichten. An diesen Barrieren sind seit den 1970er Jahren Schilder angebracht, die Minderjährigen und Frauen den Zutritt zu verbieten versuchen. Diese Schilder wurden von der Polizei „zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ und auf Bitten der Prostituierten angebracht.[1] Juristisch ist die Herbertstraße allerdings ein öffentlicher Weg und darf de jure von jedermann betreten werden. Die Straße ist nicht nach einer speziellen Person benannt, sondern Teil eines Namenskonzeptes „männliche Vornamen mit alphabetisch fortschreitendem ersten Buchstaben“, genau wie die benachbarte Davidstraße, besonders bekannt durch die Davidwache.

1964 drehte der Hamburger Regisseur Jürgen Roland in der Herbertstraße Szenen mit Prostituierten für den Film Polizeirevier Davidswache über die Davidwache an der Reeperbahn.[2] Von 1972 bis 1990 arbeitete hier Domenica Niehoff als Prostituierte und Domina[3] In den 1980er Jahren war Niehoff durch zahlreiche Medienauftritte die prominenteste Prostituierte Deutschlands.

Der Radiosender Energy Hamburg erhielt im September 2005 einen Bußgeldbescheid über 10.000 Euro durch die Hamburgische Anstalt für neue Medien, da er im März die Sendung „Morning Live aus der Herbertstraße“ ausgestrahlt hatte, deren Inhalt aufgrund „der jugendbeeinträchtigenden Darstellung sexueller Praktiken und Angebote von Prostituierten“ beanstandet worden war. Während der Sendung hatte die Studio-Moderatorin mehrfach zu zwei Reportern und zwei Prostituierten in die Herbertstraße geschaltet, wobei die beiden Prostituierten ausführlich über ihre Dienste berichteten.

Im Dezember 2015 warnte die Hamburger Polizei mit Handzetteln vor vermehrten Betrugsdelikten im Rotlichtmilieu, u.a. auch in Häusern der Herbertstraße.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Mythos Herbertstraße: Sex ab 100 Euro“Hamburger Abendblatt vom 27. Juli 2007, abgerufen am 04. Juni 2017
  2. „Filmstadt Hamburg: Herbertstraße“Film- und Fernsehmuseum Hamburg, abgerufen am 04. Juni 2017
  3. Domenica Niehoff: Körper mit Seele. Mein Leben. Aufgezeichnet von Hans Eppendorfer, Droemer Knaur, München 1994, ISBN 3-426-75062-7.
  4. „Rotlicht: Polizei warnt vor Abzocke im Rotlichtmilieu“ St. Pauli News vom 23. Dezember 2015, abgerufen am 04. Juni 2017

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herbertstraße (Hamburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 32′ 53″ N, 9° 57′ 43″ O