Herold

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Der Herold (spätmittelhochdeutsch heralt, heralde aus altfranzösisch héraut, haraut, hiraut, die möglicherweise auf ein unbelegtes germanisches Wort zurückgehen) war im Mittelalter ein Fachmann für Fragen des Zeremoniells, der auch als Bote fungierte und damit eine Vorform des Diplomaten war.[1]

Herolde in Windsor (2006)
Preußische Herolde (Hugo Gerard Ströhl: Heraldischer Atlas, 1899)
Bayerischer Herold (Jörg Rügen) um 1510
Wappenschau: Herolde und Damen diskutieren Helmzier von Turnierteilnehmern. Buchmalerei aus Grünenbergs Wappenbuch, Ende 15. Jh.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herolde sind in Nordwesteuropa ab dem späten 12. Jahrhundert nachweisbar. Die meisten frühen Belege stammen aus England, Nordfrankreich und den heutigen Benelux-Staaten; im Reich nördlich der Alpen und in Italien sind sie etwas später nachweisbar. Die meisten Herolde standen im Dienst von Fürsten, einige dienten einer Kommune, einer Adelsgenossenschaften oder einem Orden wie dem Hosenbandorden.[2][3] Besonders stark institutionalisiert war und ist das Heroldswesen in England.[4] Ab dem ausgehenden Mittelalter wurde ein Teil ihrer Aufgaben von Heroldsämtern wahrgenommen, die in der Frühen Neuzeit und im 19. Jahrhundert in fast allen europäischen Staaten die Annahme neuer Wappen, Rangfragen innerhalb des Adels und Standeserhöhungen kontrollierten. Im 20. Jahrhundert wurden sie vielerorts mit dem Ende der Monarchie abgeschafft, in einigen Königreichen bestehen sie aber weiterhin.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herolde waren Experten für Fragen des Zeremoniells im Zusammenhang mit Turnieren, höfischen Festen, Herrschertreffen, Empfängen und ähnlichen Ereignissen. Sie genossen im Krieg diplomatische Immunität und waren an einen eigenen Ehrenkodex gebunden, der das Tragen von Waffen oder das Ausspionieren gegnerischer Stellungen verbot. Herolde trugen als Heroldstracht einen besonderen, mit dem Wappen ihres Dienstherrn geschmückten Mantel, den Tappert. Dazu nahmen sie, wie auch die Wappenkönige und Persevanten, einen Amtsnamen an. Gewählt wurde der Name der Region oder des Stammsitzes seines Herrn. Beispiel ist der Amtsname Bairland des Persevanten Herzog Georgs von Bayern-Landshut (1479–1503)[5] und Romrich der Amtsname des ranghöchsten kaiserlichen Herolds.

Die Herolde waren u. a. verantwortlich für die Identifizierung der Ritter anhand ihrer Wappen im Turnier bzw. im Krieg. Zu diesem Zweck wurden Wappenrollen und Wappenbücher aufgezeichnet, die die Unterscheidung von Wappen erleichterten. Diese Verzeichnisse waren in einer besonderen Fachsprache abgefasst, die eine eindeutige Beschreibung, das Blasonieren (von französisch blason ‚Wappen‘), erleichterte. Der Gehilfe und die Vorstufe zum Herold ist der Unterherold, Persevant oder Persefant (von poursuivant‚ der (dem Herold) Nachfolgende (Wappenfolger), Amtsanwärter)[6].

Liste früherer Wappenkönige, Herolde und Persevanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brüninghausen (Brunshoffen), Hermann von, Wappenkönig der Herzoge von Jülich, Wappenkönig der Ruwieren, 1461–1500, Verfasser des Heroldbuchs der Jülicher Hubertusorden.
  • Burggraf, Hans, Persevant der Markgraf Friedrich II. von Brandenburg, um 1450.
  • Frankolin, Johann, ungarischer Herold von 1522 bis 1580.
  • Gymnich, Johann, Herold am Rhein, 16 Jh.
  • Heinenzn Claes, genannt Gelre, * um 1345, † 1414, Wappenkönig von Geldern, Herold beim Herzog Wilhelm VI, um 1380–90, Verfasser des Armorial Gelre, später genannt Beyeren, Wappenkönig der Ruwieren, unter Herzog Albrecht I. von Bayern.
  • Heessel, Heinrich von, † 1470, genannt Österreich, Wappenkönig der Ruwieren, Wappenkönig unter Kaiser Sigismund, Friedrich III., und Herzog Philipp der Gute von Burgund.
  • Holland, Johann, Herold in Bayern, um 1420.
  • Ingeram, Hans, Persevant der Turniergesellschaft zum Esel, 1459.
  • Königsberg, Johann, genannt Ungarlant, Herold und ab 1412 Wappenkönig in Ungarn, ernannt durch Dietrich II. von Moers.
  • Landsberger, Lorenz, genannt Theutschland, Herold (Augsburg), 1541.
  • Lutz, Hans, Herold des Feldhauptmanns Georg Truchseß von Waldburg, 1525.
  • Marburg, Wigand von, Herold des Hochmeisters des Deutschen Ordens.
  • O’Kelly d’A(u)ghrim of Cullagh and Ballynahown, Sir William († 1751), Reichsritter und Hofpfalzgraf (Comes palatinus), seit 1750 Adoptiv-Vater von Wilhelm Mac Neven O’Kelly ab Aghrim
  • Pesl, Paul, genannt Österreich, 'Ehrenhold' Ferdinand I., † 1526.
  • Rügen, Jörg, bayerischer Herold, 1492, identisch mit Georg Rüxner
  • Sturm, Caspar, genannt Teutschland, Reichsherold; * 1475, † 1552.
  • Jan van Steensel, Wappenkönig der Ruwieren, unter Albrecht I. von Bayern, Herzog von Bayern-Straubing sowie Graf von Holland, Seeland und Hennegau, 1362–1366.
  • Suchenwirt, Peter, österreichischer Herold, 1356–1396.

Amtierende Wappenkönige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

England und Nordirland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schottland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nils Bock: Die Herolde im römisch-deutschen Reich. Studie zur adligen Kommunikation im späten Mittelalter (= Mittelalter-Forschungen 49), Jan Thorbecke, Ostfildern 2015. (Digitalisat)
  • Holger Kruse: Herolde. In: Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe. Hg. von Werner Paravicini, bearb. von Jan Hirschbiegel und Jörg Wettlaufer. Residenzenforschung 15 II, Teilbd. 1+2, Thorbecke Verlag, Ostfildern 2005.
  • E. Frhr. v. Berchem, D.L. Galbreath, Otto Hupp: Chronologisches Verzeichnis von Herolden bis 1668. In: Beiträge zur Geschichte der Heraldik, Neustadt a/d Aisch 1972, S. 222–223.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Abbildungen von Herolden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Herold – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25. aktualisierte und erweiterte Auflage bearbeitet durch Elmar Seebold. de Gruyter, Berlin/New York 2012, ISBN 978-3-11-022365-1 (kostenpflichtig Kluge Online beim Verlag Walter de Gruyter).
  2. Christopher Kleinhenz (Hrsg.): Medieval Italy: An Encyclopedia, vol. 1. Routledge, New York 2004, ISBN 0-203-50275-2, S. 495–497.
  3. Franck Viltart, Henri Simonneau: City Heralds in the Burgundian Low Countries. In: Katie Stevenson (Hrsg.): The Herald in Late Medieval Europe. Woodbridge, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84615-734-9, S. 93–110.
  4. Anthony Richard Wagner: Heralds and heraldry in the Middle Ages : an inquiry into the growth of the armorial function of heralds. 2. Auflage. Oxford University Press, London 1956.
  5. Lexikon der Heraldik, Gert Oswald, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1984
  6. Bernkopfs Lied