Tracht (Kleidung)

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Festtags-Männertracht aus dem Raum Marburg

Der Begriff Tracht (von althochdt. draht(a), mittelniederdeutsch dracht: das, was getragen wird[1]) bezeichnet die gesamte Ausstattung, die aus modischen Gründen am Körper getragen wird. Dazu gehören Kleidung, Schmuck, Haartracht (Frisur), Schminke und Zubehör. Im engeren Sinne wird das Wort für traditionelle, historische oder regionaltypische Mode gebraucht. Die Tracht ist die traditionelle Kleiderordnung einer bestimmten Region, eines Standes oder der Angehörigen einzelner Bevölkerungsgruppen, z. B. Ethnien (Volksgruppe), Berufsgruppen oder Amtsinhaber.

Trachten sind das Ergebnis langwieriger Entwicklungen. In den vergangenen Jahrhunderten verhinderten strenge Kleiderordnungen eigene Entwicklungen der bäuerlichen Tracht.[2] Die Herrschenden wollten verhindern, dass sich die Untertanen durch Prunksucht verschuldeten.

So bestimmte der Reichserlass von 1530,

„… daß sich jeder, wes Würden oder Herkommen er sei, nach seinem Stand, Ehren und Vermögen trage, damit in jeglichem Stand unterschiedliche Erkäntnüs sein mög …“[3]

Die Berufstracht inklusive der Zunftkleidung (Kluft) und die Amtstracht (Ornat), welche die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe zum Ausdruck bringt, stammt aus dem handwerklichen und städtischen Umfeld. Die kennzeichnende Kleidung der Mitglieder von Ordensgemeinschaften nennt man Ordenstracht oder Habit. Die Volkstracht hat ihren Ursprung in ländlichen Gebieten und hat sich regional unterschiedlich entwickelt. Erste bäuerliche Trachten entstanden Ende des 15. Jahrhunderts.

Volkstracht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Belege für die Idee einer Volkstracht finden sich Ende des 18. Jahrhunderts. In den 1770er Jahren diskutierte man an verschiedenen Stellen in Europa über die Einführung einer Nationaltracht. Die zunächst nur in kleinen Kreisen diskutierte Idee wurde zur Zeit der deutschen Befreiungskriege von 1813–1815 erneut aufgegriffen. Eng verbunden mit dieser Entwicklung war die Idee des Volkstums. Für Friedrich Ludwig Jahn, der den Begriff „Volkstum“ prägte, besaß die Volkstracht eine ganz besondere Rolle für den Erhalt des eigenen Volkstums.

Nach seiner Vorstellung waren auch in Deutschland vor dem Dreißigjährigen Krieg eine volkstümliche Kleidung „und eigene Bekleidungsarten nach Ständen“ üblich. Ziersucht und Mode haben seiner Ansicht nach zum Untergang des deutschen Reiches beigetragen.[4] In seinem 1810 erschienenen Werk Deutsches Volksthum forderte Jahn „mit echtem Volkssinn und hohem Volksthumsgeist“[5] eine Volkstracht zu erfinden, die nur von Deutschen getragen werden dürfe. Unmittelbares Ergebnis dieser Entwicklung war die Erfindung der Altdeutschen Tracht, die sich in national gesinnten Kreisen großer Beliebtheit erfreute. Während des 19. Jahrhunderts wurde die Idee der Volkstracht weiter entwickelt. Besonders in der bäuerlichen Kleidung glaubte man, eine von der Moderne unberührte Volksüberlieferung fassen zu können.[6]

Tracht als Trend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Jahren hat in Deutschland und Österreich die Tracht bzw. damit zusammenhängend auch die Trachtenmode einen Aufschwung erlebt. Insbesondere die Globalisierung, die Wirtschaftskrise und die mit diesen Entwicklungen zusammenhängende oder ihnen entgegengesetzte Rückbesinnung auf traditionelle Werte und altes Kulturgut wird beispielsweise von der Neuen Zürcher Zeitung für diese Entwicklung als ursächlich angesehen.[7] Die Art und Weise, wie traditionelle Bekleidung zusehends von vielen Menschen in die heutige Lebenswelt integriert wird, kommentierte der Kulturjournalist Alfons Kaiser:

„So wie die Jeans, ebenfalls ursprünglich ein ländliches Kleidungsstück, als urbanes Gegenmittel zur Tradition eingesetzt wurde, so zeigen Dirndl und Lederhose eine Generation später, dass man in seiner metaphysischen Obdachlosigkeit die ländlich-sittlichen Werte auf vertrackte Weise doch vermisst. Wenn man sich Traditionsbestände auf den Leib legt, verklärt man natürlich romantisierend das eigentlich so schwere und teils brutale Leben auf dem Lande. Auch das ist zeittypisch. Vom Joghurt „Landliebe“ bis zur Zeitschrift „Landlust“ gibt man sich eben gerne der Illusion von den guten alten Zeiten hin, in denen die Butzenscheiben noch den kalten Wind der Globalisierung abhielten.[8]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Interesse an Trachten erwachte in vielen Regionen in Deutschland im späten 19. Jahrhundert, als man sich im Zuge der Heimatbewegung auf regionale Besonderheiten und die (in dieser Form sicher nie existent gewesene) ländliche Romantik besann.

„Als Tracht wird die Kleidung der ländlichen Bevölkerung bezeichnet, deren Verbreitung regional, zeitlich und konfessionell begrenzt ist. Sie wechselt in den ihr vorgeschriebenen Grenzen nach Anlass und Trauerstufe und spiegelt den sozialen Status wider.“ (Definition aus den Richtlinien des Landestrachtenverband Niedersachsen)

Diese Definition der Tracht erklärt in kurzer Form ihre Wesenszüge und grenzt die Kleidungsform von der bürgerlichen Kleidung und den Berufstrachten ab, die regional und konfessionell nicht oder nur wenig gebunden sind.

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Die Tracht ist Ausdruck einer meist dörflichen Gemeinschaft und eines gemeinsamen Lebens in dieser Ordnung. Im Mittelpunkt steht nicht die Trägerin oder der Träger, sondern die Kleidung dient zur Präsentation von Besitz und Wohlstand. Je mehr Stoff in der Tracht Verwendung fand, je mehr Knöpfe auf den Westen saßen, desto reicher war der Träger oder die Trägerin der Tracht. In manchen Regionen wurden daher die Westenknöpfe so eng nebeneinander gesetzt, dass sie kaum Platz hatten; die Röcke so tief in Falten gelegt, dass sie eine nahezu unzumutbare Schwere erreichten. Die Ausprägung der Tracht hatte natürlich finanzielle Grenzen, die die soziale Schichtung der Bevölkerung deutlich machte. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass man die Grenzen der einzelnen dörflichen Gesellschaftsschichten nicht übertreten durfte, selbst wenn die finanzielle Basis gegeben war, sich eine aufwendige Tracht anzuschaffen.

Die Kleidung lieferte dem kundigen Betrachter eine Vielzahl von Informationen. Sie zeigte deutlich an:

  • aus welcher Region die Tracht stammt
  • aus welchem Dorf der Träger/die Trägerin stammt
  • die augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse
  • die soziale Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft
  • den Personenstand (ledig, verheiratet, verwitwet, verwitwet und heiratswillig), vor allem bei Frauen in der Art wie die Schürze mit der Schleife gebunden wurde (links – ungebunden und ledig, rechts – gebunden und verheiratet, mittig – Zeichen der Jungfräulichkeit, hinten gebunden – verwitwet), sowie die Farben der Trachtenteile/Zutaten/Stickereien an: Schürze, Kopfbedeckung, Strumpfbänder, Brustuch, Mieder, Ärmel (Rot > Mädchen, unverheiratet; Grün > verheiratet, junge Frauen; Violet > verheiratet, ältere Frauen; Schwarz > Trauer, Witwen)
  • die Trauerstufe (Voll-, Halb-, Vierteltrauer, Freudenzeit)
  • den Anlass (Abendmahl, sonntäglicher Kirchgang, gewöhnlicher Sonntag, Hochzeit, Kommunion, Konfirmation etc.) entsprechend gekleidete Frauen

Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, dass es sich bei der Tracht um ein recht kompliziertes Thema handelt. Die Verwirrung wird sich nicht aufklären, wenn man bedenkt, dass die Tracht keine Uniform mit unverrückbaren Strukturen war. Sie folgte ihren eigenen Modegesetzen. Es gab also zu jeder Zeit „unfine“ Trachtenstücke, die man nicht mehr tragen konnte, ohne in den Ruf einer finanziellen Schwäche zu kommen.

Aus heutiger Sicht erscheinen diese modischen Vorlieben oftmals sehr uneinsichtig, denn es war kein Einzelfall, dass man in der modischen Fortentwicklung der Tracht billigen, weniger wertvollen Materialien den Vorzug gab, die kostbaren alten Stücke als untragbar in den Schrank legte oder an Personen verkaufte, denen es aufgrund ihrer sozialen Stellung recht gelegen kam, auf diese Weise in den Besitz z. B. einer Kappe oder Mütze einer reichen Bäuerin zu kommen.

Diese Modeströmungen wurden zum Teil auch von der Industrie beeinflusst, die beispielsweise manche Stoffe oder Bänder nicht mehr herstellte und einen Ersatz dafür anbot. Nur noch in wenigen Regionen Deutschlands haben sich Trachten in ihrer ursprünglichen Form erhalten und werden auch noch heute im alltäglichen Leben getragen. Dies ist, um nur ein Beispiel zu nennen, im Landkreis Schaumburg (Niedersachsen) der Fall. Dort trifft man noch eine durchgängige Trachtentradition an, auch wenn sich die im Aussterben begriffene Tracht in ihrem Endstadium gegenüber ihrer Ursprungsform eher bescheiden ausnimmt.

In Deutschland fand die Volkstracht bis ins 20. Jahrhundert eine weite Verbreitung und grenzte sich von der bürgerlichen Kleidung ab. Die traditionelle Volkstracht wird heute noch in einigen Regionen (meist zu Volksfesten und besonderen Anlässen) getragen. Die heutige Tracht hingegen geht auf die Jagd- und Wanderbekleidung zurück.

Laut Kulturwissenschaftlern (z. B. Thekla Weissengruber) werden in der volkskundlichen Forschung zur deutschen und österreichischen Tracht inzwischen zwei Kategorien unterschieden: jene der „nach historischen Bildern erneuerte Trachten“ und jene der „Trachtenmode bzw. der Trachtenbekleidung“. Ersteres meint dabei beispielsweise die Tracht von Vereinsmitgliedern bei Umzügen. Die zweite Kategorie „Trachtenmode“ umfasst Dirndln, Lederhosen etc., die auch von Festtagsbesuchern (Oktoberfest) getragen werden. Dabei greift die Trachtenmode mit ihren Schnitten auf die historischen Vorbilder zurück, allerdings werden Farben, Stoffe und Muster von Saison zu Saison variiert und den jeweiligen Modetrends angepasst.[9]

Der Pflege der traditionellen Trachten und des Brauchtums widmet sich der Deutsche Trachtenverein e.V.,[10] der auch die Deutsche Trachtenzeitung herausgibt.

Baden-Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Baden-Württemberg gibt es den Landesverband der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg e.V.[11], der sich im Jahr 2000 dem Deutschen Trachtenverband angeschlossen hat. Mitglieder des Landesverbandes sind u. a. der Südwestdeutschen Gauverband der Heimat- und Trachtenvereine e.V., ein Dachverband württembergischer und nordbadischer Trachten- und Brauchtumsvereine.[12] Für Trachten- und Brauchtumsvereine im Gebiet des alten Landes Baden gibt es den Bund „Heimat und Volksleben“ e.V. (BHV)[13] als Dachverband mit Sitz in Freiburg im Breisgau. Der BHV veranstaltet mit seinen Mitgliedsvereinen – insbesondere in den Landkreisen des Regierungsbezirks Freiburg – die Kreistrachtenfeste. Der BHV ist ebenfalls Mitglied im Landesverband. Dort sind überdies der Bodensee-Heimat- und Trachtenverband e.V.[14] und der Trachtengau Schwarzwald e.V.[15], die Arbeitsgemeinschaft der Sing-, Tanz- und Spielkreise in Baden-Württemberg e.V.[16] und die Trachtenjugend Baden-Württemberg e.V.[17] Mitglieder. Zudem sind auch zwei Verbände von Vertriebenen aus den ehemals deutsch besiedelten Gebieten des östlichen Mitteleuropas im Landesverband vertreten, die ihr herkömmliches Brauchtum weiter pflegen.

Baden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Trachten in Baden

Die badischen Trachtengebiete sind vornehmlich im Schwarzwald und dessen Randgebieten angesiedelt. Der Bollenhut der Gutacher Tracht wurde zum Symbol des gesamten Schwarzwalds, obwohl er nur in drei Gemeinden getragen wurde. Das Schwarzwälder Trachtenmuseum zeigt mit über 100 Trachtenfiguren in Originalgröße einen Überblick über die Trachtenvielfalt im Schwarzwald. Auch das Trachtenmuseum Seebach[18] hat sich spezialisiert, während viele Heimatmuseen in Baden Exponate zur jeweiligen lokalen Tracht zeigen. Trachtengruppen und -kapellen pflegen das Brauchtum der Volkstrachten, teilweise auch mit neu geschaffenen Trachten und mit Blick auf den Fremdenverkehr.

Badische Volkstrachten

Württemberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Trachtenmuseum Baumann’sche Mühle[19] Pfullingen stellt die Trachtensammlung des Schwäbischen Albvereins aus, die Trachten des Königreichs Württemberg und angrenzender Gebiete enthält.

Württembergische Volkstrachten

Bayern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Bayerische Tracht

Als Bayerische Tracht wird zuallererst wohl die oberbayerische Gebirgstracht verstanden, mit der Lederhose für den Buam und dem Dirndlgwand für das Madl. Diese Gebirgstracht wurde durch Trachtenvereine und durch Arbeitsmigration auch in Regionen außerhalb der Berge heimisch. Zusätzlich zu diesen, weltweit als „die“ deutsche Tracht verstandenen, Formen existiert noch eine große Fülle von traditionellen Trachten, die meist regional getragen werden, beispielsweise die Dachauer Tracht, der Priener Hut oder die neu entstandenen Herrschinger Hosenträger.

Heute kann man sechs Typen von Gebirgstrachten unterscheiden:


Brandenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im heutigen Land Brandenburg gab es zahlreiche Trachtengebiete, von denen nur noch in wenigen das Tragen der Tracht gepflegt wird. Zwei der letzteren befinden sich im Süden des Bundeslandes, eines im äußersten Osten entlang der Oder. Die ersteren beiden sind die Niederlausitz, mit dem Spreewald und östlichen Teilen Sachsens, sowie der Fläming, zu dem auch östliche Teile Sachsen-Anhalts gehören. Das dritte Gebiet ist das Trachtengebiet der Oderwenden, das mit seinen Kerngebieten nördlich (Land Lebus) und südlich (Gemeinde Aurith bzw. Ziltendorf) von Frankfurt (Oder) liegt.

Außerdem gibt es Hinweise auf ein früheres zusammenhängendes Trachtengebiet mit übereinstimmenden charakteristischen Elementen sowohl der Frauen- als auch der Männertrachten des Königreichs Preußen, das sich von Westfalen und Südniedersachsen über Braunschweig, Potsdam und Berlin die Oder entlang über die Uckermark bis hinter Pyritz nach Pommern im heutigen Polen hinein erstreckte. Verbindendes Element war einerseits die schwarze Schleifenhaube, deren Formen vom schlichten, oft über einem Häubchen um den Kopf gebundenen schwarzen Seiden- oder Wolltuch bis zur eindrucksvollen, mit Pappe ausgesteiften riesigen Haube der Schaumburger Tracht reichte. Ein weiteres verbindendes Element dieses Trachtengebietes war der weiße, meist separate Rüschenkragen, der in Westfalen, um Braunschweig und im Havelland offenbar meist unter dem Schultertuch getragen wurde, in Südniedersachsen, der Mark und an der Oder dagegen vorwiegend über dem Schultertuch. Im Land Lebus war der üppige Rüschenkragen (von Theodor Fontane „Überfallkragen“ genannt) am Frauenhemd festgenäht. Im Fundus des Märkischen Museums in Berlin findet sich ein mutmaßliches Originalhemd dieser Tracht. Der Berliner Maler Theodor Hosemann stellte die märkische Frauentracht um Berlin regelmäßig mit rotem Wollrock, kürzerer weißer Schürze, schwarzem Mieder und Hemd mit Rüschenkragen dar. Der rote „Friesrock“ wird auch von Theodor Fontane mehrfach als unverzichtbarer Bestandteil der märkischen Frauentracht erwähnt.

Im Gebiet südöstlich von Berlin bis in den ehemaligen Kurmärkisch-Wendischen Distrikt um Storkow und Beeskow hinein, scheint es eine Mischform der wendischen Tracht des nördlichen Spreewalds um Lübben und Alt Zauche bzw. Neu Zauche und der laut Überlieferung „altpreußisch“ genannten Schleifenhaubentracht gegeben zu haben. Dabei wurden vorwiegend dunkelbunt gestreifte Wollröcke und geblümte Schultertücher mit schwarzseidener Schleifenhaube (Buckow bei Beeskow) oder einfarbig rote bzw. grüne Wollröcke mit Schleifenhaube bzw. schwarzseidenem Kopftuch, geblümtem Schultertuch und separatem Rüschenkragen (Zeuthen) kombiniert.

Verbindendes Element der Männertrachten war der an den preußischen Uniformmantel angelehnte, waden- bis knöchellange, weitschwingende, blaue und rotgefütterte Mantel, der einreihig oder doppelreihig, mit kleinem Stehkragen oder breitem Reverskragen, mit oder ohne Ärmelaufschläge ausgeführt sein konnte. Die Westen waren meist hochgeschlossen und mit Metallknöpfen einreihig oder doppelreihig zu schließen. Hosenform und Kopfbedeckungen variierten dagegen stark. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war außerdem bei den märkischen Trägern moderner Westen mit spitzem Ausschnitt ein bestickter Brustlatz sehr beliebt, der unter der Weste um den Leib gebunden wurde und im Westenausschnitt bestickten schwarzen Samt sehen ließ.

Bremen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schwalm, im Raum Marburg und im Hessischen Hinterland (Bilder 2 bis 9), entstanden schwarze Trachten mit farbenfreudigen Applikationen. Sie werden zu den ältesten deutschen Trachten gezählt.

In Hessen wurde 1772 eine Kleiderordnung erlassen, die verhindern sollte, dass

„… durch den Gebrauch fremder Waaren große Geldsummen zum Lande hinausgeführt würden, hingegen die inländischen Fabriquen und Manufakturen in immer größern Verfall gerieten.“

In dieser Ordnung wurden den bevorzugten Ständen gewisse Einschränkungen auferlegt, den Bürgern, Bauern und Juden aber geboten,

„… keine anderen Zeuge, Tuche, Strümpfe, und Hüte zu tragen als welche in hiesigen Landen fabriciert werden, Cattun und Zitz ausgenommen.“

Diese Vorschriften und die verschiedenen Modestile haben in den Trachten ihre Spuren hinterlassen. Durch die Ansiedlung französischer Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) im mittelhessischen Raum, die mit besonderen Handelsprivilegien ausgestattet waren, nahmen auch sie Einfluss auf die Kleidungsentwicklung, u. a. durch bisher unbekannte Zutaten wie Borten, Stoffe und andere Zutaten (z. B. kleine bunte Perlen, dünne Metalldrähte).

Franken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Fränkische Tracht

Die Tracht in der Region Franken ist von kleinteiliger Vielfalt geprägt, auch aufgrund der politischen Verhältnisse und konfessionellen Spaltung im Fränkischen Reichskreis bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches.

Viele fränkische Trachten haben ihre Wurzeln in der Zeit des Barock. Bestandteile der Männertracht sind meist der Frankenhut als Dreispitz und/oder mit Kordel sowie das geknotete Halstuch. Meist werden Kniehosen aus Stoff oder Leder und dazu Westen und lange Leibröcke getragen. Bei der Frauentracht herrscht eine noch größere Vielfalt als bei der Männertracht. Weitgehend übereinstimmend ist das Tragen von Miederrock und Schürze. Im Sommer wird meist ein buntes Schultertuch verwendet, im Winter die Mutzen, eine langärmelige Jacke getragen. Bei den Kopfbedeckungen gibt es verschiedenste Hauben, aber auch bunte Kopftücher.

Mecklenburg-Vorpommern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Trachten in Pommern

In Mecklenburg gibt es sechs Trachtengebiete:

  • Schweriner Tracht
  • Poeler Tracht
  • Warnemünder Tracht
  • Biestower und Hägerortsche Tracht
  • Zepeliner Tracht
  • Schönberger und Rehnaer Tracht (Ratzeburger Trachtengebiet)

Niedersachsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niedersachsen ist neben Hessen das Bundesland mit einer Trachtenvielfalt, die ihresgleichen in Deutschland sucht. Im Jahr 1904 fand im Dorf Scheeßel das „erste niedersächsische Volkstrachtenfest“ statt.[20][21] Dabei sind die wesentlichen Trachtengebiete wie folgt zu gliedern:

  • Altes Land
  • Ammerland
  • Artland
  • Scheeßel
  • Stader Geest
  • Winsen

Und diese einzelnen Trachtengebiete teilen sich natürlich noch weiter auf. So können zum Beispiel die einzelnen Trachten von Kirchspiel zu Kirchspiel hier und da noch Unterschiede aufweisen.

Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der westliche Teil von Nordrhein-Westfalen entspricht der Region Nordrhein im Rheinland, dem nördlichen Teil der ehemaligen preußischen Rheinprovinz. Der östliche Teil besteht aus Westfalen, der ehemaligen preußischen Provinz Westfalen und Lippe.

Nordrhein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Region Nordrhein gehören als Kulturlandschaften das Bergische Land, der Niederrhein und die Nordeifel. Die Trachten in dieser Region konnten kaum eigenständige Merkmale entwickeln. In den Städten trug man vielfältige Kleidung, z. B. die entsprechenden bürgerlichen Trachten und die typische Kleidung der verschiedenen Berufsgruppen und Zünfte.[22] Auf dem Lande unterlagen die Kleidung und die Haartracht den Einflüssen aus den Städten, den Nachbarregionen, den Einflüssen aus der höfischen Mode und des Militärs. Die Epochen Renaissance, Barock, Empire und Biedermeier haben die Trachten geprägt. Alltagskleidung aus einfachen Materialien fertigte man sich in den Familien so gut es ging selber an. Alte Festtagskleidung wurde im Alltag aufgetragen. Das Material verschlissener Alltagskleidung konnte anders weiterverwendet werden. Die Festtagstracht aus hochwertigeren Materialien ließ man sich zur Hochzeit machen. Diese trug man zum Kirchgang und zu anderen Feierlichkeiten. Das quadratische Umstecktuch der Frauen wurde im Sterbefall diagonal halbiert. Eine Hälfte wurde der Verstorbenen mit ins Grab gegeben, die andere Hälfte wurde vererbt. Einen großen Einschnitt in der Entwicklung der ländlichen Kleidung gab es nach der Französischen Revolution um 1800. Ab dann heirateten die Männer immer weniger in Tracht und die Mode des Empire hielt Einzug. In der Biedermeierzeit waren gestreifte und karierte Stoffe modern. Diese konnten in der Männertracht z. B. verwendet werden für Hemd, Weste, Jacke, Rock, lange Hose, Gamaschen, Schirmmütze, Zipfelmütze und Halsbinde. Weitere große Veränderungen gab es nach der Deutschen Revolution um 1850. In der festlichen Männerkleidung wurde Schwarz die dominierende Farbe für Weste, Jacke, Rock, lange Hose, Schuhe, Halsbinde und Hut. Die Männertracht ist danach größtenteils langsam verschwunden. Wenige trugen noch Tracht bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Der König von Preußen Wilhelm II. beeinflusste während seiner Regierungszeit von 1888 bis 1918 mit seiner Begeisterung für militärische Kleidung die Vorlieben der Männer. Deshalb wurden dann z. B. für Jungen die Matrosenanzüge und für die zahlreichen Schützenvereine die Fantasieuniformen populär. Die Fantasietrachten im Schützenwesen haben oft keinen regionalen Bezug, sondern sind häufig von Trachten aus dem Ostalpenraum und von Jägerkleidung inspiriert. Von Brauchtumsgruppen werden noch bei besonderen Anlässen Trachten in vereinfachter Form und uniform getragen.

Im Fastnachtsbrauchtum steht das Tragen von unzeitgemäßer, oft minderwertiger Kleidung zwar für die verkehrte Welt, doch seit der Ausbreitung des romantisierten rheinischen Karnevals werden durch das Tragen von Trachten oder deren Bestandteile der Stolz auf die lokale oder regionale Geschichte ausgedrückt und es wird an die "gute alte Zeit" erinnert und damit die eigene Identität gefeiert.

mögliche Bestandteile der Frauentracht:

mögliche Bestandteile der Männertracht:


Bergisches Land

Zu Trachten im Bergischen Land gibt es ausführliche Beschreibungen. [23]


Niederrhein

Die Trachten am Niederrhein konnten keine eigenständigen Merkmale entwickeln. Auf dem Lande unterlagen die Kleidung und die Haartracht u. a. den Einflüssen aus den ländlichen Nachbarregionen Limburg, Brabant, Gelderland, Westfalen und dem Bergischen Land. Eine Besonderheit ist im Gebiet der ehemaligen Grafschaft Moers die bis heute überlieferte Grafschafter Tracht der Frauen.[24][25]

regionaltypische Bestandteile der Frauentracht:

  • Brabanter Haube, Knipmütze, Treckmütze, (weiß für verheiratete Frauen, schwarz für Witwen)
  • Nach 1850 konnten die traditionelle Kopfbedeckung und die Schürze nach städtischem Vorbild zum langen dunklen, meist schwarzen Kleid getragen werden.

regionaltypische Bestandteile der Männertracht:

Ortstypische Merkmale entstanden durch die unterschiedlichen Ausführungen der örtlichen Handwerker. Das gilt z. B. für die Verzierung der Hauben, die Form der Holzschuhe, die Intensität des Blautons der Männerkittel und die Stickerei darauf.

Eine zeitgenössische Quelle für Abbildungen um 1850 ist die Satirezeitschrift "Düsseldorfer Monathefte". In den Karikaturen wird die Landbevölkerung durch ihre Kleidung deutlich von der städtischen Bevölkerung unterschieden und als rückständig, bauernschlau und einfältig charakterisiert. Folgende Maler vom Niederrhein haben sich in ihren Werken u. a. mit der Landbevölkerung in ihrer typischen Kleidung beschäftigt: Wilhelm Schmurr, Arthur Kampf, Gerhard Dickmeis, Manes (Hermann) Peters.

Das Museum für Europäische Volkstrachten in Wegberg-Beeck, auch Beecker Trachtenmuseum genannt, zeigt überwiegend Festtagstrachten aus verschiedenen Ländern Europas.[26]


Nordeifel

Südwärts der Linie Aachen-Köln gibt es bei den Kopfbedeckungen neben den weißen oder schwarzen Mützen und Hauben der Mädchen und Frauen und Zipfelmützen der Männer auch bunte Spielarten. So ist für Eschweiler-Nothberg folgendes überliefert: "(...) die Frauen tragen ein ziemlich langes Hauskleid. Als Kopfbekleidung tragen sie kleine, samtartige Hauben in verschiedenen Farben, die vorne mit goldener Spitze eingefaßt sind. Ihre Haare flechten sie zu mehreren Zöpfen, die hinter der Haube wie eine Schnecke zusammengerollt und von einer großen, zwei Finger breiten Silbernadel gehalten werden."[27] Als Maler in der Eifel hat sich Wilhelm Heinrich Burger-Willing in seinen Werken u. a. mit der Landbevölkerung in ihrer typischen Kleidung beschäftigt.

Westfalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münsterland

Im Münsterland starb die Volkstracht schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus.

Die Frauen trugen an Festtagen rote Wollröcke und u. a. schwarze Schürzen. Statt der Schürze trugen manche reichere Frauen einen Goldgürtel. Das Oberteil bestand aus einer weißen oder cremefarbenen Bluse und um die Schultern wurde ein weißes oder cremefarbenes mit Rosen besticktes Tuch getragen. Später kamen auch grüne Röcke hinzu.

Im Münsterland wurden später auch oft dunkelblau gefärbte Stoffe getragen; eine noch sehr bekannte traditionelle Kleidung ist die des Kiepenkerls, die allerdings in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts folkloristisch verklärt wurde. Tatsächlich lassen Steckbriefe und Nachlassinventare schon des frühen 19. Jahrhunderts erkennen, dass die Männerbekleidung einer Vielfalt unterlag, und der Rock häufiger getragen wurde als der Kittel.

Rheinland-Pfalz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trachtenbeispiele aus der Eifel- und Maifeldregion sind in dem Eifelmuseum Genovevaburg ausgestellt (Am Markt, 56727 Mayen).

Das Stadtmuseum Simeonstift Trier besitzt eine beachtliche Sammlung historischer Textilien, vor allem bürgerliche Kleidung aber auch bäuerliche Trachten.

Rhein-Mosel-Region

Hauptartikel: Tugendpfeil

Eine Form der Tracht war bis Ende des 19. Jahrhunderts eine Frisur mit kunstvoll verschlungenen Zöpfen, zusammengehalten von einem Ohreisenmützchen und Tugendpfeil. Diese Haartracht wurde von Mädchen ab der Pubertät bis zur Vermählung getragen. Überliefertes Verbreitungsgebiet waren die überwiegend katholischen, linksrheinischen Regionen um Koblenz, hier besonders das Maifeld und die Untermosel.

Vorderhunsrück/Rhein-Hunsrück-Kreis

Fotografien aus den 1870er Jahren zeigen Mädchen und junge Frauen aus Dörfern des Vorderhunsrücks in einheitlicher Kleidung. Über einen knöchellangen Rock wurde auch zu besonderen Anlässen (Sonntagstracht) immer eine Schürze getragen. Ein hochgeschlossenes, langärmeliges Oberteil setzte an Krägen und Ärmelenden durch Verzierungen individuelle Akzente. Farbigkeiten sind nicht überliefert. Diese Kleidung der Landbevölkerung ist – nach Familienfotos – noch bis in die 1910er Jahre zu sehen. Das Verbreitungsgebiet ist noch nicht erfasst.

Westerwald

Eine Quelle für Informationen über Trachten im Gebiet des Westerwaldes bietet das Heimat- und Trachtenmuseum in Westerburg (Neustraße 40, 56457 Westerburg). Es ist das einzige Trachtenmuseum in Rheinland-Pfalz (Stand August 2013). Es beherbergt zahlreiche alte Textilien aus Westerburg und Umgebung sowie mehrere Originaltrachten aus verschiedenen europäischen Ländern und über 150 Trachten in Kleinformat. Neben Westerwälder Sonn- und Feiertagtrachten sind auch die Westerwälder Alltagstrachten vertreten.[28]

Saarland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts und dem Aufschwung der saarländischen Industrie starb in der Saar-Mosel-Region die ländliche Trachtenbekleidung aus. Der aus Trier stammende Künstler August Migette (1802 in Trier – 1884 in Metz) überlieferte in seinen Aquarellstudien vom Mai 1866, die heute im Metzer Stadtmuseum (Musées de Metz) aufbewahrt werden, die traditionelle Kleidung in der Saar-Mosel-Region.

Die Trachtenbekleidung der Saar-Mosel-Region war wie die meisten deutschen Trachten im 18. Jahrhundert entstanden und verband traditionelle Teile mit modischen Elementen der Zeit. Mit der Aufgabe der verbindlichen ständischen Kleiderordnung im 18. Jahrhundert orientierte sich die bäuerliche Bevölkerung an modischen Formen des Rokoko und des Biedermeier. Deutlich wird dies an der Übernahme des Dreispitz, der Knopfweste (Gilet) und der Kniebundhose (Culotte) als Bestandteile der männlichen Kleidung, während Frauen das Mieder, Halstücher und weite, bauschige Unterröcke in ihre Bekleidung integrierten.

Wallfahrt zum Heiligen Rock 1844 in Trier, Gemälde von August(in) Gustav Lasinsky, 1847, Stadtgeschichtliches Museum Trier im Simeonstift

Die Männer trugen Leinenhemden mit hochstehendem Kragen, der über einer mehrfach um den Hals geschlungenen Halsbinde aus schwarzer Seide herausschaute. Die vor der Französischen Revolution üblichen Culotte-Hosen der Männer wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts allmählich durch die langen Pantalon-Hosen ersetzt. Teilweise hatten diese Hosen an den Waden seitliche Knopfreihen. Zu den kurzen Hosen trug man niedrige Schnallenschuhe. An gewöhnlichen Sonntagen trug man beim Kirchgang eine dunkelblaue oder graue Bluse, die an hohen kirchlichen Feiertagen, Hochzeiten sowie Beerdigungen um einen langen dunkelfarbigen Gehrock in der Art eines Justaucorps ergänzt wurde. Als Kopfbedeckung trug der Mann zur Bluse eine weißgrundige Zipfelmütze, die mit blauen und roten Garnen durchwirkt war. Die passende Kopfbedeckung zum Gehrock war ein großer, breitkrempiger Hut. Die Gesichter waren bartlos und glattrasiert.

Den Hals der Frauentracht umrahmte ein fein gefältelter Kragen. Der Oberkörper wurde durch ein ärmelloses, fest anliegendes Leibchen mit Hüftwulst geformt. Über dem Leibchen trug man an Werktagen ein dreieckig zusammengelegtes quadratisches Halstuch, das über der Brust zusammengeheftet wurde. Die beiden Zipfel des Tuches wurden unter den Schürzenbund gesteckt und vom Schürzenband gehalten. Die Feiertagsschürzen waren aus Seide gefertigt. Als Halsschmuck trug man oft ein silbernes oder goldenes Kreuz. Der Halsschmuck wurde zuweilen mit goldenen Ohrringen ergänzt. Die Haare waren in der Mitte gescheitelt, straff gekämmt und am Hinterkopf gesteckt. Darüber trug die Frau eine wattierte und gesteppte Haube. Üblicherweise war sie weiß. Witwen trugen eine schwarze Haube.

An Feiertagen wurde über dem Leibchen zusätzlich ein kurzes Jäckchen getragen. Auf dem Hüftwulst des Leibchens ruhte der Rockbund, um eine falten- und stoffreiche Glockenform zu erzeugen. Die Festtagsröcke waren meist aus feiner Seide in dezenten Farben hergestellt. Die Röcke ließen die Füße frei sichtbar. Die kunstvoll gestrickten Strümpfe in weißer, grauer oder blauer Grundfarbe waren im sichtbaren Bereich zwischen Schuh und Rocksaum bunt bestickt. Die Ferse der absatzlosen Frauenschuhe war niedrig. Über dem Fußspann wurde der Schuh mit einem kleinen Riemchen gehalten.[29][30][31][32][33]

Für die Mitte des 19. Jahrhunderts überliefert der Maler August Gustav Lasinsky eine wichtige Übersicht über die Bekleidung und Haartracht der Landbevölkerung der Region in seinem Bild einer Pilgergruppe auf der Heilig-Rock-Wallfahrt nach Trier im Jahr 1844.

Im Jahr 1901 organisierte der Volkskundler Franz von Pelser-Berensberg auf Anregung des damaligen Trierer Regierungspräsidenten und vormaligen Saarbrücker Landrates Eduard zur Nedden in Zusammenarbeit mit der im Jahr 1801 gegründeten Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier (ursprünglich „Société des récherches utiles du département de la Sarre“) eine volkskundliche Ausstellung zu Trachten, Hausrat, Wohn- und Lebensweise der Saar-Mosel-Region im 19. Jahrhundert. Aus der Bevölkerung der Region wurden Trachten und Hausratsstücke aus der Zeit von etwa 1750 bis 1850 zusammengetragen. Erstmals konnten hierbei Trachtenbekleidungen der Region an lebenden Modellen fotografisch dokumentiert werden.

Die Trachtengeschichte des Saarlandes wird im Saarländischen Museum für Mode und Tracht in Nohfelden dokumentiert. Das Museum wurde im September 2005 eröffnet. Ausgestellt werden über 200 Exponate von Kleidung und Tracht mit der dazugehörender Unterwäsche sowie Zubehör des Zeitraumes 1845–1920. Grundstock des Museums bilden die von Hermann Keuth (1888−1974) gesammelten Trachten, die vor dem Zweiten Weltkrieg im Heimatmuseum in Saarbrücken ausgestellt waren, sowie die Sammlung von Franz von Pelser-Berensberg, die Bekleidung des Trierer Raumes, des Saargaues sowie des Hochwaldes umfasst.[34][35]

Sachsen / Erzgebirge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trachten im Erzgebirge stammen größtenteils aus dem Umfeld des Bergbaus. 1936 wurde eine Frauentracht eingeführt, die sich an der Renaissancekleidung der Barbara Uthmann orientiert – ein Kunstprodukt, das sich aber nicht verbreitet hat.

In der Oberlausitz, zwischen Bautzen und Kamenz, wird bis heute die sorbische Tracht von katholischen älteren Frauen getragen. Sie gehört zu einer der vier Trachtengebiete der Sorben.[36]

Schleswig-Holstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schleswig-Holstein gibt es mehrere Trachtengebiete wie Nordfriesland, Dithmarschen, die Elbmarschen, Angeln oder die Probstei. Selbst nordfriesische Trachten können sich von Insel zu Insel stark unterscheiden.

Thüringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Bericht der Neuen Tiroler Stimme wird im Jahr 1900 die Unterinntaler Festtagstracht wie folgt beschrieben:

„Der breite, goldbestickte Hut mit der Goldquaste an der verschlungenen Schnur, die prächtige, in zahlreichen Windungen den mehr oder weniger schlanken Hals umschließende Halskette mit breiter Schließe, das farbige, oft mit Goldstickereien versehene Busentuch, das aus dem tief ausgeschnittenen, schwarzen, mit Litzen benähten Korsett zierlich gefaltet hervorbricht, geschlossen mit einer schönen Brosche, der dunkle Rock und die in Farbenharmonie mit dem Busentuch stehende Schürze – sie kleiden schmuck sowohl die behäbige Dorfwirtin, als auch deren jugendlich schlankes Töchterlein.“

Siehe auch:

Die österreichischen Trachten wurden auch in entsprechenden Briefmarkenserien dargestellt (Erste Trachtenserie; Zweite Trachtenserie).

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Trachten in der Schweiz

In der Schweiz gibt es nicht nur unterschiedliche Trachten in jedem Kanton, auch innerhalb des Kantons sind besonders die Frauentrachten regional oft unterschiedlich, wobei es praktisch überall Festtags- und Werktagstrachten gibt. Zu den bekanntesten Festtagstrachten gehören die schwarze Bernertracht mit ihrem reichen Silberschmuck und die Engadinertracht aus rotem Wollstoff. Im Kanton Zürich sind die Wehntalertracht mit der leuchtend blauen Schürze und die Tracht des Knonauer Amtes, das Burefeufi (so genannt wegen der am Rücken V-förmig gebundenen Schürze) am häufigsten zu sehen. Unter den Männertrachten sind der Berner Mutz[37], eine schwarze, kurzärmlige bestickte Samtjacke, die Appenzeller Sennentracht mit den gelben Hosen und dem silbernen Löffel im Ohr, und die bestickte blaue Trachtenbluse der Innerschweiz am bekanntesten.[38]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele volkskundliche Museen präsentieren Trachten. (Siehe auch: Liste von Volkskundemuseen)

Daneben gibt es mehrere Spezialmuseen:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Friebertshäuser: Die Frauentracht des alten Amtes Blankenstein (Hessen), N. G. Elwert Verlag, Marburg 1966.
  • Lioba Keller-Drescher: Die Ordnung der Kleider. Ländliche Mode in Württemberg 1750–1850. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 2003, ISBN 978-3-932512-23-0, doi:10.15496/publikation-9871
  • Ferdinand Justi: Hessisches Trachtenbuch, Nachdruck der Ausgabe 1899–1905, Dr. W. Hitzeroth Verlag, Marburg 1989, ISBN 3-925944-61-3.
  • Christoph Kaiser: Die Tracht als veränderliche Kleidung, München/Ravensburg, 2. Auflage 2009, ISBN 978-3-640-18857-4 (Buch), ISBN 978-3-640-18704-1 (E-Book)
  • Bruno Köhler: Allgemeine Trachtenkunde in sechs Teilen, Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig, o. J.
  • Brunhilde Miehe: Der Tracht treu geblieben. Studien zum regionalen Kleidungsverhalten in Hessen. 3. Auflage. Verlag Brunhilde Miehe, Haunetal/Wehrda 1995, ISBN 3-9801197-7-7.
  • Marina Moritz: Trachten machen Leute. Ländliche Kleidungsstile im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. (= Schriften des Museums für Thüringer Volkskunde Erfurt; Band 11 / Volkskunde populär; Band 2). Museum für Thüringer Volkskunde, Erfurt 1997.
  • Bernd Schreiter: Tracht im Erzgebirge - Gedanken, Texte, Bilder. Verlag Bernd Schreiter, Arnsfeld 2014.
  • Stephan-Lutz Tobatzsch: Volkstrachten im Osnabrücker Land und die bunte Geschichte der Volkskleidung bis zur Gegenwart. Krützkamp, Glandorf 2001, 107 S., ISBN 3-9807416-2-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tracht (deutschsprachiger Raum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kostümkunde – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Tracht – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bibliographisches Institut (Mannheim). Dudenredaktion.: Duden, das Herkunftswörterbuch : Etymologie der deutschen Sprache. 5., neu bearb. Aufl. Dudenverlag, Mannheim 2014, ISBN 978-3-411-04075-9, S. 860.
  2. Christina Burde: Bedeutung und Wirkung der schwarzen Bekleidungsfarbe in Deutschland zur Zeit des 16. Jahrhunderts. Universität Bremen, abgerufen am 18. Februar 2018.
  3. Römischer Kayserlicher Majestät Ordnung und Reformation guter Policen, im Heiligen Römischen Reich, zu Augburg Anno 1530 auffgericht. auf www.uni-muenster.de; abgerufen am 18. September 2017
  4. Friedrich Ludwig Jahn: Deutsches Volksthum. Niemann und Comp., Lübeck 1810, S. 328 im Internet Archive
  5. Friedrich Ludwig Jahn: Deutsches Volksthum. Niemann und Comp., Lübeck 1810, S. 332 im Internet Archive
  6. Hubert Fehr, Germanen und Romanen im Merowingerreich: Frühgeschichtliche Archäologie zwischen Wissenschaft und Zeitgeschehen, Band 68 von Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Walter de Gruyter Verlag, 2010, ISBN 3110214601, S. 341–342
  7. Die neue Lust am Dirndl Neue Zürcher Zeitung, 9. Jänner 2014
  8. Dirndlfieber: Mit aller Tracht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Oktober 2013
  9. Bericht über Trachten
  10. Homepage des Vereins; abgerufen am 6. Oktober 2014
  11. Homepage des Vereins; abgerufen am 6. Oktober 2014
  12. Homepage des Vereins; abgerufen am 6. Oktober 2014
  13. Homepage des Vereins; abgerufen am 6. Oktober 2014
  14. Homepage des Vereins; abgerufen am 29. August 2017
  15. Homepage des Vereins; abgerufen am 29. August 2017
  16. Homepage des Vereins; abgerufen am 29. August 2017
  17. Homepage des Vereins; abgerufen am 29. August 2017
  18. Eintrag auf webmuseen.de; abgerufen am 10. Oktober 2017
  19. Eintrag auf webmuseen.de; abgerufen am 10. Oktober 2017
  20. Wolfgang Roepnack: Die Gruppe | De Beekscheepers. Abgerufen am 13. Februar 2018 (deutsch).
  21. Zeitschrift für Volkskunde. Stuttgart [etc.], S. 439 (archive.org [abgerufen am 13. Februar 2018]).
  22. Der "Bieresel" im Jahre 1860. In: Hermann Becker: Köln vor 60 Jahren. Altkölnische Wirtshäuser - Rheinland-Verlag, Köln 1922
  23. http://www.zeitspurensuche.de/02/sitte03.htm
  24. Knüfermann, Marga: Die Grafschafter Tracht - Grafschaft Moers. In: Heimatkalender des Kreises Wesel. - 8 (1987), S. 138-142 : Ill.
  25. Knüfermann, Marga: Die Grafschafter Tracht - Grafschaft Moers II. In: Heimatkalender des Kreises Wesel. - 9 (1988), S. 182-183 : Ill.
  26. http://heimatverein-beeck.de
  27. Günter Schneider: 1794 - Die Franzosen auf dem Weg zum Rhein. Aachen: Helios Verlag, 2006. S. 147–148.
  28. http://www.trachten-museum.de
  29. Louis Pinck: Volkskundliches, in: Lothringen und seine Hauptstadt, Eine Sammlung orientierender Aufsätze, in Verbindung mit J.B. Keune und R.S. Bour hrsg. von A. Ruppel, Metz 1913, S. 242–254, hier S. 242.
  30. Francine Roze e.a.: L´Élegance et la Nécessité, Costumes de Lorraine, Collections des Musées de Lorraine, Catalogue réalisé à l´occasion de l´exposition „L´Élegance et la Nécessité, Costumes de Lorraine“, Metz 2001.
  31. Nikolaus Fox: Saarländische Volkskunde, Volkskunde rheinischer Landschaften, hrsg. von Adam Wrede, Bonn 1927, S. 92–102.
  32. Franz von Pelser-Berensberg: Altrheinisches, Mitteilungen über Trachten, Hausrat, Wohn- und Lebensweise im Rheinland, Düsseldorf 1909.
  33. Franz von Pelser-Berensberg: Führer durch die Ausstellung alter Trachten und Hausgeräte der Saar- und Moselbevölkerung, Trier 1901.
  34. http://www.museum-nohfelden.de abgerufen am 17. September 2017.
  35. Heidi Meier: Trachten im Saarland, Nohfelden 2017.
  36. Domowina-Verlag (Hrsg.): Die Sorben in der Lausitz. 2., stark bearbeitete Auflage. Ludowe nakładnistwo Domowina, Bautzen 2003, ISBN 3-7420-1931-7, S. 63–64.
  37. Mutz = schweizerdeutsch für Bär; siehe hierzu auch wiktionary
  38. Christine Burckhardt-Seebass: Trachten. In: Historisches Lexikon der Schweiz.