Hospitium

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Als Hospitium (lat. hospitium, „Gastfreundschaft“, „Gasthaus“, „Herberge“, zu hospes, Gast) wurde im Mittelalter die rechtlich festgelegte kostenlose Beherbergung bestimmter Personen bezeichnet.

Herkunft des Begriffs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Antike war ein Hospitium ein allgemeiner Ausdruck für ein Gebäude, das dem Reisenden oder Fremden zeitweilig Bewirtung und Obdach bietet, sei es das Haus eines Freundes, ein Gasthaus oder eine Mietwohnung. Das Wort kommt bei Cicero in den Orationes Philippicae (XII, 9) und im Werk De Senectute (23) vor, außerdem bei Livius (V, 28). Hospitien wurden an den großen Fernstraßen der Römer (beispielsweise an der Via Appia) in regelmäßigen Abständen angelegt, in den befestigten Siedlungen an den Römerstraßen fanden sich diese ebenfalls.

In der Antike konnte als Hospitium auch die Wohnung eines Soldaten bezeichnet werden, der bei einem Privatmann einquartiert ist (Sueton Tiberius 37).

Bedeutung im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter wandelte sich der Begriff zu einem Ausdruck für das Herbergsrecht, also das Recht des Machthabers und seiner Beamten auf Unterkunft und Verpflegung durch seine Untertanen auf Reisen in seinem Machtbereich.

Außerdem wurde im Mittelalter die Pflicht der Klöster, den Bischof auf seinen Visitationsreisen zu beherbergen, als Hospitium oder procuratio canonica bezeichnet.

Schließlich wurde die Krankenabteilung der Klöster, die teilweise auch den Bewohnern der Umgebung zur Verfügung stand, im Mittelalter Hospitium genannt, von dieser Bedeutung leitet sich über hospitalis („gastfreundlich“) der Begriff Hospital ab. Daneben ist der Begriff xenodochium (von griechisch ξενοδοχεῖον, „Herberge“) gebräuchlich.

Heutige Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wort Hospiz hat der Begriff unter gewandelter Bedeutung in die gegenwärtige Kultur Einzug gehalten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carlrichard Brühl: Fodrum, gistum, servitium regis. Studien zu den wirtschaftlichen Grundlagen des Königtums im Frankenreich und in den fränkischen Nachfolgestaaten Deutschland, Frankreich und Italien vom 6. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. Köln 1968
  • Kurt Baldinger: Die Bedeutung des Mittellateins für die Entstehung und Entwicklung der französischen Urkundensprache (Mlat. hospes, fr. hôte im Begriffsfeld des freien Bauern). In: Medium Aevum Vivum. Festschrift für Walther Bulst. Heidelberg 1960, S. 125–146.
  • Cay-Rüdiger Prüll, Ulrich Tröhler: Hospital. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 620 f.