Huchzen

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Huchzen
Koordinaten: 52° 14′ 11″ N, 8° 40′ 44″ O
Höhe: 70 m ü. NN
Fläche: 1,93 km²
Einwohner: 93 (1965)
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 32609
Vorwahl: 05744
Karte
Lage von Huchzen in Tengern -
Gemeinde Hüllhorst
Zwei als moderne Wohnhäuser renovierte Kotten in (Groß-)Huchzen bei Gewitter; hinten rechts eine große Fachwerkscheune des Bauernhofs, zu dem die Kotten gehörten.

Huchzen ist ein Ort im Ortsteil Tengern der Gemeinde Hüllhorst im nordrhein-westfälischen Kreis Minden-Lübbecke.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huchzen liegt im Süden von Hüllhorst und ist der südlichste Bereich des ehemaligen Kreises Lübbecke. Naturräumlich gehört das Gebiet zur Ravensberger Mulde und wird komplett durch den Mühlenbach nach Süden in die Werre entwässert. Ganz im Süden des Gebietes liegt mit 68 m über NN der tiefste Punkt der Gemeinde Hüllhorst. Auf dem Gebiet gibt es mehrere Wälder, der größte, der Rehbusch, misst 7,5 ha.

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huchzen ist kaum als Dorf zu bezeichnen, weder Dorfkirche noch ein geschlossener Dorfkern sind vorhanden. Das ehemalige Gemeindegebiet besteht vielmehr aus einzelnen, verstreut liegenden Einzelhöfen. Historisch lagen auf dem Gebiet die Bauerschaften Geverdingsen und Huchzen die durch Umgemeindung am 26. Mai 1906 aus der Landgemeinde Tengern ausgegliedert wurden und forthan die Landgemeinde Huchzen bildeten. Dennoch unterscheidet man die Orte

  • Groß-Huchzen,
  • Klein-Huchzen,
  • Geverdingsen, (einschließlich Schnepels Hof)

daneben die Einödhöfe Ober- und Niederhuchzermeyer. Bezeichnenderweise trägt ein Großteil der Einwohner den Familiennamen Huchzermeyer. Huchzen konnte sein bäuerliches Erscheinungsbild bewahren. So stellt Gisela Schwarze treffend fest:"Manche Dörfer haben im Kampf gegen Glasbausteine und modernes Styling ihr characterisches Bild bewahren können, wie z.B. Huchzen mit seinen schwarz-weißen Fachwerkhäusern und roten Ziegeldächern." Die Landwirtschaft ist bis heute ein bedeutender Wirtschaftszweig. Eine gewisse Bedeutung hat der Hofverkauf von Kartoffeln. Im südlichen Ortsgebiet gibt es eine Schänke, (die aber genaugenommen bereits knapp außerhalb des ehemaligen Gemeindegebiets liegt).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 26. Mai 1906 bis zum 31. Dezember 1972 war Huchzen eine eigenständige Gemeinde im Amt Hüllhorst. Am 1. Januar 1973 wurde der Ort nach Hüllhorst eingemeindet.[1]

1946 hatte der Ort 125 Einwohner im Jahre 1965, wenige Jahre vor der Gebietsreform, dann noch 93 Bewohner.[2] Mit zuletzt 48 Einwohnern pro km² besaß Huchzen eine der geringsten Einwohnerdichten des Kreises Lübbecke, die um mehr als den Faktor 10 geringer war als im Land Nordrhein-Westfalen.

Der Ort wurde 1909 aus Tengern ausgegliedert.[3] Der Grund für die erworbene Selbständigkeit als Gemeinde liegt in dem Umstand, dass die Bewohner einst, obwohl dem Amt Hüllhorst zugehörig, nicht ins benachbarte Tengern, sondern nach Mennighüffen (heute Teil der Stadt Löhne) zur Kirche gingen. In Statistiken wird Huchzen heute gemäß der Hauptsatzung der Gemeinde Hüllhorst vollständig zu Tengern gerechnet.

Umgemeindung 1906[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch königlichen Erlass vom 26. Mai 1906 wurden aus dem Gebiet der Landgemeinde Tengern die Landgemeinden Tengern und Huchzen gebildet. Im Schreiben des preußischen Ministers des Innern, IV b 1205 an den Regierungspräsidenten des damaligen Regierungsbezirkes Minden hieß es:

Des Königs Majestät haben durch allerhöchsten Erlaß vom 19. Mai d. Js. zu genehmigen geruht, daß die Bauernschaften Huchzen und Geverdingsen im Kreise Lübbecke von der Landgemeinde Tengern abgetrennt werden und dass aus ihnen eine Landgemeinde mit dem Namen Huchzen gebildet wird.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Huchzen fanden nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland vier Gemeinderatswahlen statt. Eine Besonderheit war, dass als einzige "Partei" die Wählergruppe Huchzen antrat. Bei der "Wahl" am 28. Oktober 1965 wurde gar nicht gewählt, da nur ein Wahlvorschlag mit sechs Bewerbern vorlag. Alle Vorgeschlagenen bildeten den Gemeinderat kraft Gesetzes. Am 19. März 1961 erhielt die Wählergruppe Huchzen 124 Stimmen, dann am 27. September 1964 114 Stimmen und am 9. November 1969 noch 64 Stimmen, jeweils aber immer 100 Prozent der gültigen Stimmen. Der Gemeinderat umfasste bis 1961 sechs, ab dann sieben Sitze. Bürgermeister waren von 1956 bis 1964 Heinrich Kleffmann und danach bis 1972 Gustav Meier.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einzige Gemeinde des Amtes Hüllhorst, gehörte Huchzen bis zum Schluss nicht dem 1960 gegründeten Wasserbeschaffungsverband "Wiehengebirge West", dem 1966 alle anderen Gemeinden des Amtes beigetreten waren, an.[5] Huchzen verfügte über keine eigene Schule. Ab Juli 1968 gehörte die Gemeinde zum Schulverband Schnathorst-Holsen-Huchzen-Tengern (dem im Oktober desselben Jahres auch Bröderhausen beitrat).[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 324 f.
  2. Dirk Möllering (Hrsg.): Aufbau und Strukturwandel im Altkreis Lübbecke - Parteien und Wahlen im Altkreis Lübbecke 1953 - 1973, Lübbecke 2001, S. 62 u. 93.
  3. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817 – 1967. Aschendorff, Münster (Westfalen) 1977, ISBN 3-402-05875-8.
  4. Quelle: Gemeindearchiv Hüllhorst, A65, in: Reinhard Lüpke: Geschichte der Gemeinde Hüllhorst, Hüllhorst 1987, S. 48.
  5. ebenda, S. 336 f.
  6. ebenda, S. 345