Humanistische Studentenunion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Die Humanistische Studentenunion (HSU) war eine parteiunabhängige politische Studentenvereinigung in der deutschen Bundesrepublik der 1960er Jahre. Sie zählte in ihrer "Hochphase" etwa 1000 Mitglieder bundesweit.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste lokale HSU-Gruppe wurde am 4. Juli 1962 in Marburg als Hochschulableger der Bürgerrechtsvereinigung Humanistische Union gegründet. Wie diese verstand sich die HSU als parteiübergreifende Sammlungsbewegung mit dem Ziel, eine Gegenöffentlichkeit zur herrschenden christlich-konservativen Grundstimmung der ausgehenden Adenauer-Ära herzustellen. Insbesondere setzte sich die HSU für die „Befreiung des Menschen aus den Fesseln obrigkeitsstaatlicher und klerikaler Bindungen“ ein. Die „geistige Bevormundung“ durch Staat und Kirche sollte dem Grundsatz der Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung des Einzelnen weichen. Bis 1964 hatten sich an bundesdeutschen Hochschulen neun Ortsgruppen gebildet, die sich zu einem Bundesverband zusammenschlossen.

Im gleichen Jahr vereinbarte die HSU mit anderen linksgerichteten Studentenverbänden (u. a. Sozialistischer Deutscher Studentenbund, Sozialdemokratischer Hochschulbund, Liberaler Studentenbund Deutschlands) das so genannte Höchster Abkommen zur gegenseitigen Unterstützung bei Studentenparlaments- und AStA-Wahlen. Auf dieser Grundlage war die HSU als Repräsentantin der parteiunabhängigen, gemäßigten Linken bald an allen größeren Hochschulen der damaligen Bundesrepublik vertreten, oft ein gefragter Koalitionspartner und stellte auch einige AStA-Vorsitzende. Der Marburger AStA-Chef Christoph Ehmann wurde im Jahr 1968 Vorsitzender des Verbandes Deutscher Studentenschaften (VDS). Zu dieser Zeit war Klaus Kreppel, politischer Referent des Frankfurter AStA und Mitinitiator des Manifest der Hochschulen gegen die Notstandsgesetze, Bundesvorsitzender der HSU. Nach den Studentenunruhen von 1967/68 und der damit einhergehenden politischen Polarisierung verlor die HSU jedoch rasch an Bedeutung. Sie verstärkte ihren Selbstauflösungsprozess, indem sie sich mit einer libertären Sozialismus-Utopie von den HU-Postulaten der Ideologiefreiheit und der „Offenen Gesellschaft“ entfernte. Damit hatte – wie die Frankfurter Rundschau seinerzeit bedauerte – die nichtsozialistische Linke „keine Heimat mehr“.[1]

Zu den einstigen Mitgliedern der HSU zählen unter anderem die damalige FDP- und spätere SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier sowie der Fernsehjournalist Ulrich Wickert.

HSU-Bundesvorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1962–64 Joachim Kahl (Marburg, ev. Theologie)
1964–66 Hermann Josef Schmidt (Freiburg, Philosophie)
1966–67 Ulf Homann (Berlin)
1967–68 Klaus Kreppel (Frankfurt/M., kath. Theologie)
1968–70 Michael Grupp (Freiburg)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Hemler: Wie die 68er-Revolte eines ihrer liberalen Kinder fraß. Eine kurze Geschichte der Humanistischen Studentenunion, erzählt am Beispiel Münchens. In: Vorgänge 155 (2001), S. 49–61.
  • Klaus Kreppel: Linksliberalismus. Das Beispiel der Humanistischen Studenten-Union. In: Faber, Richard; Stölting, Erhard (Hg.): Die Phantasie an die Macht? 1968 – Versuch einer Bilanz. Berlin 2002 ISBN 3-8257-0250-2, S. 82–106.
  • Tabea M. Esch: Freie Kirche im freien Staat. Beiträge zur historischen Theologie. Bd. 157. Tübingen 2011. ISBN 978-3-16-150617-8, S. 196 ff. Google Books

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolf-Gunter Brügmann: Die nichtsozialistische Linke hat keine Heimat mehr. Bilanz der Frankfurter Delegiertenversammlung der Humanistischen Studentenunion. In: Frankfurter Rundschau Nr. 180 vom 6. August 1968, S. 3.
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
Auflösungsdatum
Hilf der Wikipedia, indem du sie recherchierst und einfügst.