Ulrich Wickert

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Ulrich Wickert auf der Frankfurter Buchmesse 2011

Ulrich Wickert (* 2. Dezember 1942 in Tokio,[1] Japan) ist ein deutscher Journalist und Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit, Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wickert wurde in Tokio geboren, da sein Vater Erwin Wickert dort Rundfunkattaché der Deutschen Botschaft war. Seine Kindheit verbrachte Wickert von 1947 bis 1956 in Heidelberg, wo er die Grundschulen Mönchhofschule und Englisches Institut sowie später das Kurfürst-Friedrich-Gymnasium besuchte,[2] dann bis 1959 in Paris, wo die Familie aufgrund der beruflichen Verpflichtungen des Vaters bei der deutschen NATO-Vertretung lebte. Mit nur 14 Jahren hatte Wickert 1956 in der Rhein-Neckar-Zeitung seinen ersten journalistischen Auftritt mit einem Bericht über den Eiffelturm. 1961 machte er sein Abitur an der Urspringschule bei Schelklingen.

1961 begann er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Politikwissenschaft und Jura zu studieren, ging als Stipendiat 1962 im Fulbright-Programm an die Wesleyan University in Middletown (Connecticut), USA. Sein erstes juristisches Staatsexamen legte er 1968 ab und begann als freier Hörfunkautor bei der ARD.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Fernsehjournalist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1969 bis 1977 arbeitete Wickert als Redakteur der Sendung Monitor und wurde vom WDR von 1969 bis 1978 zu jeder Präsidentschaftswahl nach Paris geschickt. 1977 ging er als Korrespondent der ARD nach Washington, 1978 übernahm Wickert eine Stelle im Frankreich-Studio der ARD. 1981 gründete er den Diskussionskreis Journalisten für den offenen Rundfunk, im gleichen Jahr übernahm er die Leitung des ARD-Studios in New York. 1984 wurde Wickert Leiter des Pariser ARD-Studios. In diesem Jahr drehte er eine bekannte Reportage darüber, wie man am besten den Pariser Place de la Concorde überquert: Im Selbstversuch überquerte er die viel befahrene Straße, ohne nach den Autos zu sehen. Somit konnten die französischen Autofahrer nicht annehmen, dass er auf sich selbst achtete und waren daher gezwungen, ihre Fahrweise anzupassen.

Mit Wirkung zum 1. Juli 1991 wurde er gemäß dem Wunsch seines Vorgängers Hanns Joachim Friedrichs „Erster Moderator“ der ARD-Nachrichtensendung tagesthemen, die er bis 31. August 2006 im wöchentlichen Wechsel mit Sabine Christiansen, später Gabi Bauer und schließlich Anne Will moderierte. Sein Markenzeichen in der Sendung war der Abschiedsgruß „… einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht“, mit dem er bis auf wenige Ausnahmen die Sendung beendete.[3] Im Normalfall ließ er mit der Wendung „Über den letzten Stand der Dinge informiert Sie ...“ einen Hinweis auf die Nachtausgabe der Tagesschau folgen. Sein Nachfolger bei den tagesthemen wurde Tom Buhrow.

In seiner Tätigkeit als Moderator der Tagesthemen machte Wickert im Herbst 2001 Schlagzeilen, als er in der Zeitschrift MAX die indische Schriftstellerin Arundhati Roy nach einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitierte, die US-Präsident George W. Bush mit Terroristenführer Osama bin Laden verglichen hatte. Obwohl Wickert nur sehr vorsichtig eine Deutung dieser Aussage versuchte, kam es daraufhin vor allem in der Boulevard-Presse zu massiver Kritik. Insbesondere Bild warf dem Moderator „Beleidigung des Präsidenten“ und „Antiamerikanismus“ vor. Nachdem er sich öffentlich entschuldigt hatte, erklärte die ARD die Angelegenheit für abgeschlossen und beendete die Mediendebatte über eine mögliche Kündigung.[4]

Vom 17. August 2006 bis zum 20. Mai 2007 moderierte er in der ARD die 30-minütige Literatur-Sendung Wickerts Bücher. Von März 2007 bis Juli 2014 moderierte er in NDR-Kultur an jedem ersten Sonntag im Monat um 13 Uhr die Sendung „Wickerts Bücher“.

Außerhalb der ARD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Wintersemester 2004/05 wurde er Honorarprofessor an der Hochschule Magdeburg-Stendal in Magdeburg. Er ist dort im Studiengang Journalistik/Medienmanagement tätig.[5]

Ulrich Wickert ist Mitglied in den Kuratorien der Jugendpresse Deutschland, der Jugendpresse Schleswig-Holstein, der Jungen Presse[6], der Stiftung Schüler Helfen Leben[7] und bei Plan International Deutschland e. V.[8] und des JugendMedienEvents[9] sowie Pate für das Kinderhospiz Bethel.[10] Zudem ist er Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Im November 2005 wurde er wegen seiner Verdienste um die deutsch-französischen Beziehungen zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.[11]

Seit Februar 2008 war er Mitherausgeber und Kolumnist des Nachrichtenportals zoomer.de, das jedoch am 28. Februar 2009 aus wirtschaftlichen Gründen wieder geschlossen wurde.[12]

Er ist außerdem Inhaber der Produktionsfirma UWP. 2008 bewarb sich Wickert mit der UWP um eine Drittsendelizenz bei RTL Television.[13] Nachdem er im Vergabeverfahren gegen die Firma dctp von Alexander Kluge unterlegen war, verklagte er die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM). Nachdem sein Eilantrag gegen die NLM im September 2008 vor dem Verwaltungsgericht Hannover abgelehnt wurde,[14] zog er die Klage im Oktober 2008 wieder zurück.[15]

Als Autor hat Wickert seit 1981 22 eigene Bücher veröffentlicht. „Lesen und Schreiben gehören zu unserem Leben wie bei anderen Leuten Essen und Trinken“, zitierte Hans Leyendecker Wickert zum väterlichen Vorbild in der Süddeutschen Zeitung: „Wenn ich mittags nach Hause kam, saß der Vater im Sessel und schrieb auf einer schicken Olivetti.“ Zuletzt legte er einige in Frankreich spielende Kriminalromane vor.[16]

Im Jahr 2016 war Wickert Träger der Heinrich-Heine-Gastprofessur an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Im Januar sowie April hielt er drei Vorlesungen unter den Themen „Freiheit und Journalismus“ (27. Januar), „Macht und Verantwortung der Medien“ (13. April) und „Aus dem Leben eines Journalisten“ (27. April).[17]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wickert ist der Onkel der Schauspielerin Emily Wood.

Von 1972 bis 1980 war Wickert Mitglied der SPD.

Aus seiner ersten Ehe mit Sylvie von Frankenberg und Ludwigsdorff hat er eine 1969 geborene Tochter. Seine zweite Ehe mit der Journalistin und Fernsehmoderatorin Birgit Schanzen blieb kinderlos.[18] Wickert ist seit 2003 in dritter Ehe mit Julia Jäkel verheiratet, die Vorstandsvorsitzende der Gruner + Jahr AG & Co KG in Hamburg ist. Mit ihr hat er Zwillinge.

Seit 2010 ist er Pate des Kinderhospizes Bethel für unheilbar erkrankte Kinder.[19]

Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Wickert und seine Frau gründeten 2011 die Ulrich-Wickert-Stiftung für Kinderrechte als unselbständige Stiftung unter dem Dach der Stiftung Hilfe mit Plan der Deutschen Sektion von Plan International. Sie vergibt an Journalisten beziehungsweise Jugendgruppen mit Medienprojekten den Preis für Kinderrechte in drei Kategorien: International, Deutschland/Österreich speziell für Mädchenrechte und drittens für Jugendgruppen aus 50 Plan-Programmländern mit einem Plan-Medienprojekt. 2015 wurde erstmals der Peter-Scholl-Latour-Preis für die Berichterstattung über das Leid von Menschen in Krisen- und Konfliktgebieten verliehen. Die Preise sind insgesamt mit 24.000 € dotiert.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krimis mit Untersuchungsrichter „Jacques Ricou“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vita auf ulrichwickert.de
  2. Vgl. Setzen, Sechs! - Schulgeschichten aus Deutschland (2/3). Verpasste Chancen. Dokumentarfilm von Christina Brecht-Benze im Auftrag des SWR. Deutsche Erstausstrahlung am 15. Dezember 2005
  3. Das Ende der Geruhsamkeit (Memento vom 1. September 2006 im Internet Archive) in Financial Times Deutschland vom 31. August 2006
  4. Kölnische Rundschau: „‚Geruhsame Nacht‘ – Ulrich Wickert geht“, 28. August 2006
  5. Doktortitel: Professor Dr. h.c. Volkswagen in manager-magazin vom 20. November 2007
  6. Das JugendpresseKuratorium. Junge Presse, archiviert vom Original am 9. Januar 2007, abgerufen am 18. Dezember 2012.
  7. Das Stiftungskuratorium. Schüler Helfen Leben e. V., abgerufen am 28. November 2015.
  8. Plan International Deutschland e. V.: Rechenschaftsbericht 2007, Seite 7; PDF-Datei
  9. JugendMedienEvent: „Schirmherr Ulrich Wickert“
  10. Kinderhospiz Bethel: Pate Ulrich Wickert
  11. Französische Botschaft in Deutschland: „Tagesthemenmoderator Ulrich Wickert […] mit Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet“, 25. November 2005
  12. Nachrichtenportal zoomer.de wird eingestellt: Wickert ist arbeitslos, taz vom 9. Februar 2009
  13. Neue Vergabe von Sendelizenzen: Das Machtpaket, Süddeutsche Zeitung vom 8. Februar 2008
  14. Eilantrag von UWP abgelehnt, Beschluss vom 29. September 2008
  15. Wickert zieht Klage um Senderechte zurück in Kontakter vom 16. Oktober 2008
  16. Ulrich Wickert als Krimiautor, Süddeutsche Zeitung vom 14. August 2008
  17. Ulrich Wickert ist der nächste Heinrich-Heine-Gastprofessor, Vorlesungen starten am 27. Januar; hhu.de, vom 9. Januar 2016, abgerufen am 19. Januar 2016
  18. Wickert heiratet ein drittes Mal. Handelsblatt, 5. März 2003, abgerufen am 18. Dezember 2012.
  19. Kinderhospiz Bethel - Ulrich Wickert
  20. Web-Seite der Ulrich-Wickert-Stiftung
  21. Mercator-Professur 2009: Dr. Peter Scholl-Latour. Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen, 6. November 2009.
  22. Meldung der Französischen Botschaft in Deutschland vom 25. November 2005
  23. Der "Krawattenmann 2005: "Glückwunsch, Uli Wickert! auf n-tv vom 29. November 2005
  24. Preisträger des Deutsch-Französischen Journalistenpreises 2006 (19. Mai, 2006)
  25. Karl Kübel Preis 2015
  26. F-L-Gastpr.