Hwarang

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Koreanische Schreibweise
Koreanisches Alphabet: 화랑
Hanja: 花郞
Revidierte Romanisierung: Hwarang
McCune-Reischauer: Hwarang

Das koreanische Wort Hwarang (화랑 [hwaraŋ]) bedeutet wörtlich „Blumenknaben“ und setzt sich zusammen aus den Silben und Schriftzeichen '화' (花 hwa = Blume, Blüte) und '랑' (郞 rang = junger Mann). Die Hwarang waren eine Organisation, die zwischen dem 4. und 9. Jahrhundert im koreanischen Staat Silla existierte.[1]

Es wird manchmal auch als Suffix in offiziellen Silla Titeln benutzt. Das Samguk Yusa unterscheidet zwischen männlichen und weiblichen Hwarang. Durch den Austausch des zweiten Buchstaben ändert sich das Geschlecht. Fälschlicherweise wird Hwarang auch als Blumenjugend bezeichnet, was jedoch grammatikalisch sowie semantisch nicht richtig übersetzt ist.[2]

Hwarang waren junge Männer, die während der Silla-Zeit die Führungsschicht stellen sollten und eine besondere Erziehung genossen. Zur Ausbildung gehörte Geschichte und Philosophie, die Rezitation von Gedichten, Instrumentalmusik und Gesang.[3] Die Hwarang war eine Organisation, die für die Bildung der aristokratischen Jugend zuständig war, welche unter der Herrschaft von Jinheung Wang (진흥왕, 眞興王, 540–576) entstand. Um Teil dieser Organisation zu werden, musste man den wahren Knochenrang, Jingol (진골, 眞骨) im Knochenrangsystem (Golpumjedo, 골품제도) der Aristokraten innehaben. Aus den Hwarang gingen viele bedeutende Persönlichkeiten hervor, die ihre erworbenen Fähigkeiten in den Bereichen Politik, Wissenschaft und Militär unter Beweis stellten.[4]

Die Besonderheit der Hwarang war die Prägung durch eine Vielzahl verschiedener Religionen und Philosophien, so etwa dem Buddhismus, Daoismus, Konfuzianismus und dem Schamanismus. Ein Beleg dafür ist der Kern ihrer Ideale, nämlich die “fünf weltlichen Geboten”, welche der buddhistische Mönch Wangwong verfasst hat. Diese weisen sowohl Verbindungen zum Konfuzianismus als auch zum Buddhismus auf. Kim Taemun (金大問), ein Autor aus der Zeit von Königin Seondeok (聖德), hielt in seinem Hwarang Segi fest: „Die Silla suchten anständige Söhne von noblen Familien und schmückten sie mit Kosmetik und feinen Kleidern und nannten sie Hwarang. Die Bürger ehrten und dienten Ihnen.“[5]

Nach den Hwarang ist die 8. Hyeong des traditionellen Taekwondo benannt worden.

Hwarang-Statue in einer koreanischen Mittelschule

Wohnwa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Gelehrte sehen die Wohnwa (Hangul 원화, Hanja 源花 auch 原花) als einen Vorgänger der Hwarang. Die Wonhwa wurden wie auch die Hwarang von Jinheung Wang gegründet, um das Königreich der Silla zu schützen und weiter zu entwickeln. In Übereinstimmung mit den Werken Samguk Sagi und Samguk Yusa waren die Wonhwa sowohl Führungspersonen als auch ein Bund. Das Besondere an den Wonhwa war, dass es sich um weibliche Führungspersonen handelte.[6] Die ersten Wonhwa waren Nammo (南毛) und Chunjong (俊貞). Mit dem Ziel junge talentierte Personen für den Hof auszusuchen, wurden Bürger zusammengerufen, um sie bei Spielen sowie Tänzen zu observieren. Im Zuge dieser Versammlung wurden die jungen Frauen Nammo und Chunjong auserwählt und von dem König Jinheung zu Wonhwa ernannt. Innerhalb kürzester Zeit hatten sie eine Gefolgschaft von mehreren hundert Anhängern. Da Nammo und Chunjong immer mehr konkurrierten und sich mit Missgunst begegneten, war die Existenz der Wonhwa nur von kurzer Dauer. Die Situation spitzte sich so weit zu, bis Chunjong „Nammo in ihr Haus lockte, mit Wein verführte, bis sie betrunken war, und sie letzten Endes von Chunjong in einen reißenden Strom gestoßen wurde, welcher sie tötete“. Dieser vorsätzliche und gewaltsame Akt führte zu der Hinrichtung von Chunjong und der Auflösung der verbliebenen Gefolgsleute der Wonhwa.[7][6]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 520, führte König Beopheung eine chinesische Reform ein und formalisierte das Golpumjedo oder auch Knochenrang-System, welches die Grundlage für die Kim Dynastie bildet. 527 nach Christus riefen die Silla den Buddhismus als Staatsreligion aus.[4]

In den „fünf weltlichen Geboten“ des buddhistischen Mönches Wongwang spiegeln sich Aspekte des Konfuzianismus wieder, da Loyalität und Pietät Grundaussagen der konfuzianistischen Lehre sind. Die fünf Gebote lauten:

-       Treue und Loyalität dem König gegenüber (事君以忠; 임금은 충성으로써 섬겨야 한다)

-       Pietät den Eltern gegenüber (事親以孝; 어버이를 효도로써 섬겨야 한다)

-       Treue in der Freundschaft (交友以信; 벗은 믿음으로써 사귀어야 한다)

-       kein Zurückweichen im Kampf (臨戰無退; 전쟁에 임하여 물러나지 아니하여야 한다)

-       kein mutwilliges Töten (殺生有擇; 함부로 살생을 하지 말아야 한다) 

Im Samguk Yusa ist zu lesen, dass Jinheung Wang (진흥왕, 眞興王, 540–576) sich um die aktuelle Stärke und Sicherheit des Landes sorgte. Dies lag daran, dass das Königreich Silla von den angrenzenden Königreichen Baekje und Gorgyueo angegriffen wurde.[8] Als der Königshof anfing seine Kontrolle über die Bürger auszuweiten, wurden die Hwarang als Bindeglied zwischen den Aristokraten und den Bürgern eingeführt. Sie sollten die Lücke füllen, welche die Wonwha hinterlassen hatten.[2]

Traditionen & Praktiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hwarang war eine Organisation, die von vielen verschiedenen Traditionen beeinflusst wurde. Der genaue Lehrplan ist nicht bekannt. Es wird jedoch übermittelt, dass Elemente aus dem Buddhismus, Konfuzianismus, Daoismus und Schamanismus sowie das Tanzen und Singen ein wesentlicher Bestandteil des Planes gewesen sind.[5]

Dies lässt sich auch in der Ausführung der Gebräuche der Hwarang erkennen. Da sie regelmäßig zu heiligen Bergen und Flüssen pilgerten, um dort geschminkt und in langen Gewändern für den Frieden und den Schutz ihrer Nation zu beten. In der Liebe zur Natur spiegelt sich auch die Rolle des Daoismus wieder. Die Kosmetik, die langen Gewänder sowie die Rituale in der freien Natur lassen eine starke Verbindung der Hwarang zum Schamanismus erkennen.

Der wichtigste Aspekt ihrer Ausbildung war jedoch der militärische. In Friedenszeiten trainierten sie ihre Fähigkeiten, und in Kriegszeiten kämpften die Hwarang an vorderster Front. Die Hwarang des späteren sechsten und siebten Jahrhunderts wurden in der Reitkunst, Schwertkunst sowie an Wurfspeeren und Steinschleudern geschult.[6][5]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Werke, Samguk Sagi, Samguk Yusa, sowie das Haedong Goseungjeon sind die drei einzig verbliebenen Werke mit direktem Bezug zu den Hwarang. Alle Erstquellen dieser Epoche sind nicht mehr existent.[2]

Samguk Sagi (삼국사기, 三國史記, Die Geschichte der Drei Königreiche)

Zum ersten Mal wurde das Wort Hwarang im Jahre 1145 in Kim Bu-siks Chronik der Drei Königreiche (삼국사기 [samk'uks'agi]) erwähnt. Volkstümlich wurden die Hwarang auch Hyangdo genannt - „Strahlende Jünger“.

Die tatsächliche Rolle der Hwarang ist aufgrund der dünnen Quellenlage unter Historikern umstritten. Dazu schreibt Gu Hyosung in seiner Diplomarbeit „Aggression, Nationalismus und Kampfsport in Ostasien“:

„Nur einige Militärhistoriker und konservative nationalistische Wissenschaftler haben zugunsten des Nationalismus behauptet, daß Hwarang eine Militärorganisation der jungen Adligen gewesen sei. Die meisten Historiker vermuten jedoch, daß Hwarang eine religiöse Organisation gewesen ist, die eine vielfältige Körperkultur praktiziert hat, wovon Kampfkunst ein Bestandteil war. Leider ist nichts davon überliefert worden.“

Gu Hyosung[9]

Samguk Yusa (삼국유사, 三國遺事, in Erinnerung an die Drei Königreiche)

Wie das Samguk Sagi befasst sich auch das Samguk Yusa, geschrieben von dem Mönch Iryŏn, (一然 1206-1289) mit der Zeit der Drei Königreiche.

Es wird vermutet, dass die gesammelten Werke in den 1280er Jahren zusammengestellt und erst im 1600 Jahrhundert veröffentlicht wurde. 

Haedong Goseungjeon (해동고승전, 海東高僧傳, das Leben bedeutender koreanischer Mönche)

Die Hagiographie Haedong Goseungjeon wurde von dem Mönch Gakhun (각훈, 覺訓) im Jahr 1215 verfasst. Diese Arbeit bildet zusammen mit dem Samguk Yusa sowie dem Samguk Sagi eine der wichtigsten Quellen zu den Drei Königreichen und den Hwarang. Auch der Mönch Iryŏn hat ein halbes Jahr später aufgrund dieser Texte sein Werk das Samguk Yusa geschrieben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • McCarthy, Kathleen Louise: Kisaeng. In the Koryo Period, Diss. Harvard, 1991 Michigan.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hendrik Rubbeling: Taekkyon – Wie Wasser und Wind. Selbstverlag, Hamburg 2014, S. 71.
  2. a b c Richard Rutt: The Flower Boys of Silla (Hwarang). Hrsg.: Transactions of the Korea Branch of the Royal Asiatic Society. Seoul September 1961.
  3. Man vermutet, dass die musische Bildung der Hwarang mit der Entstehung der Gisaeng zusammenhängen könnte: darüber vgl. McCarthy, Kathleen Louise: Kisaeng, 79-83.
  4. a b Carter Eckert: Korea, Old and New: A History. Hrsg.: Harvard Univ Pr; Auflage: Subsequent. 1991, ISBN 0-9627713-0-9, S. 30–36.
  5. a b c Kim Hiyoul: Koreanische Geschichte: Einführung in die koreanische Geschichte von der Vorgeschichte bis zur Moderne. Hrsg.: Asgard-Verlag Dr. Werner Hippe GmbH. 1. Auflage. 2004, ISBN 3-537-82040-2.
  6. a b c Carter J. Eckert: Korea, old and new: a history. Hrsg.: Published for the Korea Institute, Harvard University by Ilchokak. 1990, ISBN 0-9627713-0-9.
  7. Kyung Moon Hwang: A history of Korea. Hrsg.: Palgrave Macmillan. 2010, ISBN 0-230-20546-1.
  8. Maull, H.W. & Maull, I.M.: Korea. Hrsg.: C.H. Beck. 34. Auflage. München 1987.
  9. Gu Hyosung (WS 1993/94): Aggression, Nationalismus und Kampfsport in Ostasien, S. 21. Diplomarbeit im Fachbereich Sportwissenschaft an der Universität Hamburg, Gutachter: Claus Tiedemann und Peter Weinberg