Hybridunterricht

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Hybridunterricht bezeichnet eine Mischung von Online- und Präsenz-Lernformen. Hybridunterricht ist daher kein Wechselunterricht.

Begriff und verwandte Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hybridunterricht steht in einem Zusammenhang mit den Konzepten Blended Learning und Flipped Classroom. Fokussiert die Vorstellung von Flipped Classroom auf das Verhältnis von Instruktions- und Übungsphasen, meint Blended Learning eine Vermischung von Lernformen, oft in Bezug auf Präsenz- und Online-Lernen.

Hybridunterricht wird oft als Synonym zu Blended Learning verstanden[1] – obwohl das Adjektiv »blended« die Vermischung betont, während »hybrid« darauf hinweist, dass zwei unterschiedliche Formen nebeneinander bestehen.[2]

Die erste deutschsprachige Verwendung des Begriffs bei Kerres und Jechle (1999) geht denn auch von der Vorstellung einer Kombination verschiedener Medien aus:

„Es setzt sich vielmehr die Sichtweise durch, daß betriebliche Bildung einer höheren Flexibilität und mehr methodischer Varianten bedarf. Genau dies lösen hybride Lernarrangements ein. Bei diesem Ansatz geht es nicht um die Überlegenheit bestimmter Medien und didaktischer Methoden, sondern um deren Kombination. Es geht also letztlich darum, die Vorteile möglicher Varianten so zu verknüpfen, daß pädagogische Ziele ebenso wie Effizienzkriterien so weit wie möglich erreicht werden können.“

Tim Kantereit hat den Begriff 2020 hingegen »zwischen« Präsenz- und Distanzunterricht verortet, was stärker auf eine räumliche Definition hinweist.[3]

Funktionen von Hybridunterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hybridunterricht kann aus verschiedenen Gründen eingeführt oder verwendet werden:

  • nachhaltigere Lernprozesse durch mediale und methodische Vielfalt
  • Einbezug von digitalen Lernformen in ein Präsenzsetting
  • Teilhabe von Schülerinnen und Schülern, die nicht vor Ort präsent sein können, z. B. wegen Quarantäne
  • Aufteilung von Lerngruppen im Halbklassen- oder Wechselunterricht
  • Weiterführung des Unterrichts in einer Krisensituation

Debatte um Hybridunterricht in Deutschland 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Diskussion rund um Notfallszenarien zur Bewältigung der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen von Präsenzunterricht wurde intensiv über Hybridunterricht diskutiert. Dabei kam die verengende Vorstellung auf, Hybridunterricht bezeichne insbesondere die Übertragung von Unterrichtssequenzen aus einem Schulzimmer für die Schülerinnen und Schüler, welche zuhause lernen.[4] Teilweise wurde in einer weiteren Engführung des Begriffs auch darüber nachgedacht, Wechselunterricht als Hybridunterricht zu bezeichnen und damit das Konzept zu bezeichnen, bei dem eine Lerngruppe im Schulzimmer, eine oder mehrere andere zuhause lernen.

Die Schulleiterin Wanda Klee korrigierte im Dezember 2020 im Tagesspiegel ein verbreitetes Missverständnis, das im Zusammenhang mit dieser Neubelegung des Begriffs entstanden ist: »Hybrid bedeutet, dass Präsenz- und Distanzunterricht miteinander verbunden sind. Es bedeutet nicht doppelte Arbeit für Lehrkräfte und halben Unterricht für Schülerinnen und Schüler.«[5]

Im Gegensatz zu verengenden Lesarten des Begriffs verwendet Tim Kantereit im Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen Buch »Hybrid-Unterricht 101« eine sehr offene Konzeption von Hybridunterricht, er bezeichnet damit einen Übergang hin »zum 'neuen' digitalen Fernunterricht«.[6]

Die Bewertung des Einsatzes von Hybridunterricht in Schulen ist sehr verschieden und hängt sowohl von den technischen Voraussetzung wie von den pädagogischen Möglichkeiten ab.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aleksandra Poquet, Srecko Joksimovic, Vitomir Kovanovic et al.: The History and State of Blended Learning. In: Dragan Gasevic, George Siemens, Shane Dawson (Hrsg.): Preparing for the digital university: a review of the history and current state of distance, blended, and online learning. 2015, S. 55–92 (researchgate.net).
  2. Philippe Wampfler, Philipp Stade: Präsenz- und Fernunterricht kombinieren. In: Axel Krommer, Wanda Klee, Philippe Wampfler (Hrsg.): Hybrides Lernen. 2021, S. 82–95, hier S. 82.
  3. Uwe Ebbinghaus: So könnte guter Hybridunterricht aussehen. Interview mit dem Lehrer und Buchherausgeber Tim Kantereit. In: FAZ. 21. November 2020, abgerufen am 14. Dezember 2020.
  4. Jutta Allmendinger, Nicola Brandt, Nicola Fuchs-Schüneln, Johannes Hübner, Andreas Schleicher: Kinder brauchen Bildung und Präsenz. In: Tagesspiegel. 22. November 2020, abgerufen am 29. Dezember 2020.
  5. Christian Füller: »Das Gefühl, ein vergessener Teil der Gesellschaft zu sein«. 2. Dezember 2020, abgerufen am 14. Dezember 2020.
  6. Tim Kantereit: Hybrid-Unterricht 101. 2020 (visual-books.com).
  7. Annick Eimer: "Hybridunterricht ist eine Katastrophe". Sollten die Schulen selbst entscheiden, ob sie in den Wechselunterricht gehen? Zwei Schulleiter und eine Schulleiterin erzählen von sehr unterschiedlichen Erfahrungen. In: DIE ZEIT. 26. November 2020, abgerufen am 14. Dezember 2020.