Ich war Dora Suarez

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Ich war Dora Suarez ist ein Thriller des britischen Schriftstellers Derek Raymond und erschien im Jahr 1990 unter dem Titel I Was Dora Suarez. Es ist der vierte Band der Factory-Serie, die mit Er starb mit offenen Augen, Der Teufel hat Heimaturlaub und Wie die Toten leben voranging.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Polizeiromans, der in den Jahren 1970 bis 1989 im Zuhältermilieu der Großstadt spielt, beginnt damit, dass die junge, attraktive Prostituierte und Nachtclubsängerin Dora Suarez in einem Apartment im Stadtteil South Kensington tot aufgefunden wird. Sie wurde von einem unbekannten Axtmörder verstümmelt und erschlagen. Des Weiteren wird die Doras Nachbarin Betty Carstairs, eine 86 Jahre alte Witwe, auf ähnlich bestialische Weise umgebracht. Noch in der gleichen Nacht stirbt Felix Roatta, Teilhaber des heruntergekommenen Parallel Clubs (eine Art “AIDS-Puff[1]), im Londoner Westend durch einen Schuss mit einer Pumpgun. Der ermittelnde Polizei-Detective, welcher im Roman nicht namentlich benannt wird, entdeckt, dass es sich bei dem Mord um Dora Suarez um eine höchst bizarre Tat gehandelt haben muss, denn offensichtlich hat der Täter Teile ihres Körpers verspeist und auf ihren Schenkel ejakuliert. Bei der nachfolgenden Autopsie wird festgestellt, dass Suarez an einer AIDS-Erkrankung im finale Stadium litt und ohne ihren gewalttätigen Tod sehr bald daran gestorben wäre. Um einen Fahndungserfolg zu erzielen, wird der namenlose Detective zurück in den Polizeidienst gestellt, da man ihm, aufgrund seiner Erfahrung zutraut, den Fall zu lösen.[2] Der Polizist, welcher eine starke Empathie mit dem Opfer empfindet und letztendlich eine morbide, fast schon obzessive Liebesbeziehung zu der Ermordeten aufbaut[3], versucht sich mit der Gedankenwelt des Täters zu identifizieren, um ihm auf die Spur zu kommen.[4] Die Motive, die zu ihrem Tod geführt hatten, werden mit dem Satz: “Und Suarez wurde umgebracht, weil sie schön, arm und krank und auf unsere Barmherzigkeit angewiesen war, und wir zeigten keine, möge unser Land sich deshalb schämen.” Umschrieben.[5] Am Anfang ergeben sich keinerlei Anhaltspunkte, die zur Ergreifung des Täters führen können. Erst die melancholischen Tagebucheintragungen von Dora Suarez und ein Foto von einer Hostess, die ebenfalls in diesem anrüchigen Club gearbeitet hat, liefert letztendlich die Verbindung zwischen der getöteten Prostituierten und des Nachclubbesitzers Roatta. Im Parallel Club eröffnet sich den Fahndern der Polizeispezialeinheit FACTORY (auch A14) eine degenerierte Welt aus unmenschlicher Ausbeutung und Hoffnungslosigkeit. Mithilfe eines Journalisten kann der Mörder, der sadomasochistische Türstehers des Parallel Clubs, letztendlich entlarvt werden. Der Detective erschießt ihn am Ende mit seiner Dienstpistole.

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Krimicouch wird das höchst kontroverse Buch von Derek Raymond mit „Auf der Suche nach dem Killer bohrt er sich wie besessen in die Schattenbereiche einer degenerierten Gesellschaft, die sich jenseits unserer Vorstellungskraft befinden. Dieses Buch ist ein radikaler Meilenstein des Brit Noir, ein literarischer Amoklauf, der künstlerisch und moralisch neue Grenzen im gesamten Genre definiert.“[2] beschrieben. Andere Kritiker definieren das Werk als „den härtesten, dreckigsten, deprimierendsten Stoff, den ich je gelesen habe“.[6] Der Tenor des Werkes, welches ähnliche Bücher des Genres an Grausamkeit weit übertrifft, wird durch ein Zitat der namenlosen Hauptfigur zum Ausdruck gebracht: „Die Öffentlichkeit will nur die schmutzigen Konturen, nicht die intimen, ekligen Details“.[7] Die New York Times betitelt Raymonds Kriminalroman mit den Worten “Everything about I Was Dora Suarez shrieks of the joy and pain of going too far.” – „Alles in I Was Dora Suarez schreit nach der Freude und dem Schmerz, zu weit gegangen zu sein.“[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1991 gewann Ich war Dora Suarez den 7. Deutscher Krimi Preis, Rubrik International[9]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Derek Raymond: Ich war Dora Suarez, deutsche Übersetzung von Gabriele Kunstmann (erschienen im Black Lizard Bücher/Frank Nowatzki Verlag, Berlin und im MAAS Verlag; Auflage: 2, Dezember 2000), OT “I Was Dora Suarez”, Pulp Master Verlag, 1990, ISBN 978-3929010701

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Krimis: Lust am Gemetzel, DER SPIEGEL, 27/1991
  2. a b Buchvorstellung von Ich war Dora Suarez auf Krimicouch
  3. Buchbesprechung von Ich war Dora Suarez auf Büchertreff
  4. Ich war Dora Suarez auf Perlentaucher
  5. Derek Raymond: Ich war Dora Suarez, Black Lizard Bücher/Frank Nowatzki Verlag, Berlin, ISBN 978-3929010701, S. 173
  6. Kritik zu Ich war Dora Suarez
  7. Derek Raymond: Ich war Dora Suarez, Black Lizard Bücher/Frank Nowatzki Verlag, Berlin, ISBN 978-3929010701, S. 193
  8. I was Dora Suarez auf Goodreads
  9. Liste der Auszeichnungen Deutscher Krimi Preis

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]