Iljuschin Il-20

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Dieser Artikel beschreibt eine Version der Il-18, für das Schlachtflugzeug siehe Iljuschin Il-20 (1948)
Iljuschin Il-20
Iljuschin Il-20
Typ: Aufklärungsflugzeug
Entwurfsland: SowjetunionSowjetunion Sowjetunion
Hersteller:

Iljuschin

Erstflug: ca. 1975
Indienststellung: ca. 1976

Die Iljuschin Il-20 (russisch Ильюшин Ил-20, NATO-Codename: „Coot-A“) ist eine ECM/ELINT-Variante der Iljuschin Il-18. Sie wurde von der NATO erstmals 1978 beobachtet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sowjetunion hatte große Anstrengungen unternommen, um Geheimdienstinformationen zu sammeln, sowohl offen als auch verdeckt. War man zunächst mäßig erfolgreich, so stellte die Iljuschin Il-20 einen Durchbruch dar. Es ist wenig über die Arbeitsweise und Leistungsfähigkeit der Flugelektronik bekannt, doch soll sie in etwa der der Boeing RC-135 entsprechen.

Das Flugzeug wurde häufig über europäischen Gewässern entdeckt, vor allem rund um Großbritannien. Das Gehäuse unter dem Rumpf könnte das Side-Looking-Airborne-Radar (SLAR) enthalten, für Radarabbildungs- und Kartografierungszwecke, während das Gehäuse an der Seite des Rumpfes Fenster aufweist, die für Infrarot- oder optische Sensoren dienen könnten. Mehrere Antennen sammeln elektronische Daten. Die beiden Antennen auf der Oberseite dürften der Satellitenkommunikation dienen, wodurch es der Il-20 möglich ist, wichtige Informationen nahezu in Echtzeit an das Bodenkommando weiterzuleiten.

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2013 setzte Russland die Il-20 über dem Schwarzen Meer ein, um an der türkischen Küste entlang Aufklärungsmissionen zu fliegen. Als die Maschine entdeckt wurde, hoben auf türkischer Seite zwei F-16 Jagdflugzeuge ab, um den Aufklärer abzufangen. Die Maschine steuerte letztlich auf bulgarischen Luftraum zu und die Verfolgung wurde abgebrochen.[1]

Dies wiederholte sich am 13. April 2014. Hier flog die Il-20 aus Richtung Rumänien kommend und nach Osten fliegend erneut 15 bis 20 Seemeilen entlang der türkischen Schwarzmeerküste, bevor sie von vier türkischen F-16 abgefangen wurde.[2]

Am 22. Oktober 2014 drang nach Angaben des estnischen Militärs eine Il-20 in estnischen Luftraum ein und hielt sich für einen kurzen Zeitraum darin auf. Das Flugzeug wurde abgefangen. An der Abfang-Mission beteiligten sich Maschinen der portugiesischen, belgischen und schwedischen Luftwaffe.[3] Das russische Verteidigungsministerium bestritt eine Verletzung des schwedischen Luftraums.[4]

Auch am 18. August 2015 flog nach Angaben des estnischen Militärs eine Il-20 an die estnische Grenze.[5]

Beim Einsatz der russischen Luftwaffe in Syrien 2015–2016 war ebenfalls die Il-20 beteiligt. [6] Sie wurde später durch TU-214R ersetzt.

Weiterentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Iljuschin Il-20PP ist eine aktuelle Weiterentwicklung der Iljuschin Il-20, die nach russischen Angaben moderne feindliche AWACS-Flugzeuge und MIM-104 Patriot stören und gleichzeitig analoge feindliche Störmassnahmen blockieren kann. Mit Stand November 2016 gibt es drei Il-20PP.[7][8]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

IL-20M mit Sensor an der Rumpfseite hinter dem Cockpit, 2008
Kenngröße Daten
Konzeption ELINT- Aufklärungsflugzeug
Spannweite 37,42 m
Länge 35,9 m
Höhe 10,17 m
Flügelfläche 140,0 m²
Leermasse k.A.
Nutzlast 13.500 kg
Startmasse maximal 64.000 kg
Antrieb vier PTL Iwtschenko AI-20M mit je 3.169 kW (4.309 PS)
Höchstgeschwindigkeit 675 km/h in 8.000 m Höhe
Dienstgipfelhöhe 10.000 m
Reichweite 6.500 km
Sensoren SLAR, optische, Infrarot- und elektronische Sensoren
Besatzung 4

Die anderen Il-20[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls als Il-20 bezeichnet wird eine Zivilausführung des taktischen Bombers Iljuschin Il-28, die etwa Mitte der 1960er Jahre von der Aeroflot als Frachtflugzeug eingesetzt worden ist.

1967 wurden vier Iljuschin Il-18 zu Il-20RT (SIP) umgebaut. Sie dienten zur Bahnverfolgung von Raketen und Raumflugkörpern und waren an ihrem „Buckel“ zu erkennen, der zur Aufnahme von Sensoren und Antennen diente. Die Bezeichnung steht für Radiotelemetritscheski Radar (Radiotelemetrisches Radar) und Samolotny Ismeritelni Punkt (fliegender Messpunkt). Stationiert waren sie in Leninsk nahe Baikonur.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Iljuschin Il-20 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ria Novosti: „Turkish Military Claims Interception of Russian Spy Plane“ vom 24. Oktober 2013, gesichtet am 24. Oktober 2013
  2. [1]
  3. http://www.tagesschau.de/ausland/nato-russland-101.html (Memento vom 22. Oktober 2014 im Internet Archive)
  4. Moskau dementiert Bericht Tallinns über Verletzung estnischen Luftraumes. In: RIA Novosti. 22. Oktober 2014, abgerufen am 22. Oktober 2014.
  5. [2]
  6. [3]
  7. United Press International: Russia receives first Il-22PP Porubschik electronic countermeasures planes (englisch), abgerufen am 17. November 2016
  8. Russia about to receive three Il-22PP electronic warfare aircraft (englisch), abgerufen am 17. November 2016