Immerwährende Jungfräulichkeit Marias

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Die Jungfrau Maria, lesend, Ölbild von Antonello da Messina (um 1460–1462)

Die immerwährende Jungfräulichkeit Marias (ἀειπαρθενεία aeipartheneía, von ἀέι „immer“ und παρθενεία „Jungfräulichkeit“) ist eine Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche und der orthodoxen Kirchen, die besagt, dass Maria vor, bei und nach der Geburt Jesu Jungfrau war. Die katholische Kirche hat diese Lehre dogmatisiert; sie ist damit Bestandteil der Mariologie. Die Lehre von der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens schließt die von der Jungfrauengeburt ein.

Alte Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das um 120–150 verfasste apokryphe Protoevangelium des Jakobus beschreibt Herkunft und Leben Marias. Nach Kapitel 19–20 gelobte sie schon als Kind, Jungfrau zu bleiben.[1] Der Kirchenschriftsteller Origenes vertrat um 200 die unverletzte Jungfräulichkeit Marias vor, bei und nach Jesu Geburt. Papst Siricius hob 392 die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens hervor:

„Jesus hätte sich nicht die Geburt aus einer Jungfrau gewählt, wenn er sie als so wenig enthaltsam hätte betrachten müssen, daß sie jene Geburtsstätte des Leibes des Herrn, jene Halle des ewigen Königs, durch menschliche Begattung entweihe.“[2]

Petrus von Alexandrien und Epiphanius von Salamis gebrauchten den Ehrentitel aeiparthenos („Immerjungfrau“) für Maria. Auch Johannes Chrysostomos vertrat um 400 die Ansicht, Maria sei zeitlebens Jungfrau geblieben. Der Kirchenvater Augustinus äußert sich in drei Predigten (sermo 186,1; 192,1; 196,1) über die immerwährende Jungfräulichkeit Marias. Als Beispiel diene 196,1:

„Virgo concepit, miramini: virgo peperit, plus miramini: post partum, virgo permansit.“

„Die Jungfrau empfing; staunt: die Jungfrau gebar; staunt noch mehr: auch nach der Geburt blieb sie Jungfrau.“

Auf dem Zweiten Konzil von Konstantinopel 553 wurde die Lehre ausdrücklich anerkannt.

Katholische und orthodoxe Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach katholischer und orthodoxer Lehre war Maria Jungfrau und blieb es auch bei und nach der Geburt Jesu, da sie mit dem hl. Josef die Ehe nicht vollzogen habe. Aus diesem Grund wird der hl. Josef meist als Bräutigam oder Gefährte Marias bezeichnet. Von der Ehe Marias und Josefs ist auch die Bezeichnung „Josefsehe“ abgeleitet.

Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen wird in der katholischen und den orthodoxen Kirchen als besonders lobenswerte Tugend gewertet.

Protestantische Haltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bezug auf die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens kommen die Kirchen der Reformation in ihren Bekenntnisschriften zu unterschiedlichen Ansichten. Während Martin Luther und Johannes Calvin die Lehre vertraten, nahmen die andere eine ablehnende Haltung ein. Die lutherischen Bekenntnisschriften als verbindliche Lehrgrundlage der lutherischen Kirchen sprechen beispielsweise in der Konkordienformel Artikel 8 (Von der Person Christi S. 1024) wie folgt: „Darum sie (Maria) wahrhaftig Gottesmutter und gleichwohl eine Jungfrau geblieben ist.“ Jedoch berufen sich nicht alle lutherischen Kirchen auf die Konkordienformel.

Andere reformatorische Kirchen sind der Auffassung, die neutestamentliche Erwähnung der Geschwister Jesu, vier Brüder und wenigstens zwei Schwestern Jesu bedeute, dass Josef und Maria nach der Geburt Jesu gemeinsame Kinder gezeugt hätten ((Mt 12,46 EU) und weiteren Stellen). Dass Josef mit Maria nicht geschlechtlich verkehrte, würde in (Mt 1,25 EU) nur für die Zeit vor der Geburt Jesu berichtet. Die Argumentationsgrundlage ist dabei das Prinzip Sola scriptura. Die Reformatoren selbst waren allerdings teilweise von der lebenslangen Jungfräulichkeit Marias überzeugt.

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Protoevangelium des Jakobus, Kapitel 19–20
  2. Josef Neuner, Heinrich Roos (Hrsg.): Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung, neubearbeitet von Karl Rahner, Karl-Heinz Weger. Friedrich Pustet, Regensburg 9.Aufl. 1971, Nr. 470.