Indirektes Feuer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Indirektes Feuer (auch: Steilfeuer) ist ein militärischer Begriff und bezeichnet das Unter-Feuer-Nehmen gegnerischer Positionen ohne direkte, freie Schusslinie und Sichtverbindung zum Ziel insbesondere durch die Artillerie.

Technik[Bearbeiten]

Die Ausrichtung einer ballistischen Schusswaffe erfolgt über die zwei Dimensionen Azimut in der horizontalen und Schusswinkel in der vertikalen Achse. Die Flugbahn eines Projektils wird beeinflusst durch die Mündungsgeschwindigkeit, die Wetterbedingungen, den Höhenunterschied zwischen Geschütz und Ziel sowie gegebenenfalls die Erddrehung.

Für das indirekte Feuer ohne Sichtverbindung zum Ziel müssen Azimut und Schusswinkel bzw. der Abstand zum Ziel indirekt über eine Gefechtsfeldaufklärung ermittelt werden. Zur Gefechtsfeldaufklärung können Artilleriebeobachter, Aufklärungsflugzeuge, Drohnen oder Satelliten eingesetzt werden.

Indirektes Feuer wird beim Heer durch Feldartillerie, Mörser oder Granatwerfer, bei der Marine durch Schiffsgeschütze gegeben.

Ziel[Bearbeiten]

Das ursprüngliche Ziel war der Beschuss feindlicher Einheiten aus geschützten Stellungen, ohne erkannt zu werden. Der Beschuss bei widrigen Sichtbedingungen wie Nebel, Rauch und Dunkelheit war ein weiterer Grund. In der modernen Kriegsführung verhindern oft die großen Reichweiten der Geschütze einen direkten Beschuss.

Geschichte[Bearbeiten]

Indirektes Feuer wurde bereits mit Pfeil und Bogen und anderen mechanischen Schusswaffen praktiziert, insbesondere um den Gegner bereits aus größerer Entfernung durch massiven Beschuss zu schwächen. Dabei war das Ziel, den von oben nicht vom Schild gedeckten Gegner zu treffen oder ihn zum Heben des Schildes zu veranlassen, wodurch der Gegner von vorn angreifbar wurde. Dagegen entwickelten sich Techniken wie die Schildkrötenformation.

Auch versuchte man, mit Katapulten und Bliden, Mauern und Gebäude von Befestigungen von oben unter Beschuss zu nehmen. Dies war besonders effektiv, da die oberen Mauerschichten nicht durch darüber liegende Mauerwerksmassen beschwert sind und sich dadurch leichter aus dem Mauerwerksverband sprengen lassen.

Artillerie[Bearbeiten]

Das indirekte Feuer der Artillerie kam in der Frühzeit der Artilleriegeschichte auf. Die damals üblichen Schwarzpulverkanonen mit Steinkugeln hatten nur eine geringe Mündungsgeschwindigkeit, so dass indirektes Feuer mit sehr schweren Geschossen oft wirksamer war. Zudem konnte man auch Ziele hinter Befestigungsmauern erreichen.

Beim indirekten Artilleriefeuer wird unter Ausnutzung der ballistischen Flugbahn der Geschosse ein in der direkten Schusslinie liegendes Hindernis (das dabei auch oft die Deckung der gegnerischen Position darstellt) vom Geschoss überflogen. Nach dem Passieren des Scheitelpunkts der Flugbahn stürzt das Geschoss dann von oben auf das Ziel herab. Diese Feuertechnik erfordert auf Grund der schwierigeren Flugbahnberechnung mehr Training als das direkte Feuer.

Typische Waffen für indirektes Feuer sind Granatwerfer, Mörser und Haubitze.

Siehe auch[Bearbeiten]