Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet
| Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet | |
|---|---|
| Kammer | |
| Organisationsform | Körperschaft öffentlichen Rechts |
| Gründungsjahr | 1856 |
| Sitz | Bochum |
| Homepage | https://www.ihk.de/bochum |
| Präsident | Philipp Böhme |
| Hauptgeschäftsführer | Michael Bergmann |
| Mitglieder | |
| Zugehörige | mehr als 38.500 |
| Vollversammlung | 70 Mitglieder |
| Präsidium | 7 Vizepräsidenten + 1 Präsident |
| Kennzahlen | |
| Mitarbeiteranzahl | Mehr als 70 |
Die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, kurz IHK MR, ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Bochum im Ruhrgebiet. Sie hat als zuständige Industrie- und Handelskammer für die kreisfreien Städte Bochum und Herne sowie die Städte Witten und Hattingen im Ennepe-Ruhr-Kreis den gesetzlichen Auftrag, als Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft das Gesamtinteresse der zugehörigen Unternehmen in der Region zu fördern und gegenüber Politik und Öffentlichkeit wahrzunehmen.[1] 2025 sind etwas mehr als 38.500 Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen Mitglieder der Kammer.[2]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Frühe Jahre in der Industrialisierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Errichtung einer Handelskammer für den Landkreis Bochum wurde durch einen königlich-preußischen Erlass vom 19. Mai 1856 genehmigt. Am 27. Dezember 1856 fand die konstituierende Sitzung der Kammer statt, die aus neun Mitgliedern bestand. Der Glashüttenbesitzer Gustav Müllensiefen aus Witten wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Erster Geschäftsführer der Kammer und maßgeblicher Gestalter war der Bochumer Bürgermeister Max Greve.
Der Wirtschaftspionier Louis Baare, Präsident der Kammer von 1872 bis 1897, verhalf der Kammer zu ihrem ersten Dienstgebäude in der Scharnhoststraße 4, das 1899 als erstes seiner Art in Preußen eröffnet wurde.
Die IHK im 20. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Zuge der Ruhrbesetzung organisierte die Bochumer Handelskammer zu Beginn der Besatzungszeit 1923 einen Handelsboykott gegen die französischen Besatzungstruppen. Als Reaktion auf den gescheiterten Verhaftungsversuch des Syndikus Karl Jakobshagen stürmten die Franzosen 1923 das Dienstgebäude, das Jakobshagen auch als Wohnsitz diente. Sie verwüsteten die Geschäftsstelle. Die Besatzer räumten erst am 20. Juli 1925 Bochum und wenige Tage später das gesamte Ruhrgebiet.
Im Dritten Reich wurde die Kammer 1933 gleichgeschaltet. 1943 wurde die Kammer aufgelöst und mit den Industrie- und Handelskammern Dortmund, Hagen und Siegen in die Gauwirtschaftskammer Westfalen-Lippe mit Sitz in Dortmund eingegliedert. 1943 wurde das Kammergebäude bei einem Luftangriff zerstört.
Wenige Monate nach Kriegsende 1945 wurde die IHK zu Bochum unter der kommissarischen Leitung des Wittener Fabrikanten Arthur Imhausen wiedergegründet. Im Jahr 1947 konnte wieder eine Vollversammlung gewählt werden. Franz Schily, Generaldirektor des Bochumer Verein, wurde zum Präsidenten ernannt. 1959 bezog die Kammer ihr jetziges Bürogebäude am Ostring 30–32. Nach dem Berufsbildungsgesetz ist die Kammer seit 1969 zuständig für die berufliche Bildung. 1997 wurde der IHK-Name um den Zusatz „im mittleren Ruhrgebiet“ ergänzt.[3]
Modernisierung und Veränderung im 21. Jahrhundert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2017 ersetzte die IHK Mittleres Ruhrgebiet ihre traditionelle hierarchische Struktur durch ein flexibles Organigramm. Das bisher übliche Säulenmodell wurde durch eine kreisrunde Struktur ersetzt, die die Hierarchieebenen drastisch abflachte und so die Zusammenarbeit innerhalb der IHK soll. In den Arbeitsgebieten, in denen Rechtssicherheit gewährleistet werden muss, wie zum Beispiel bei Prüfungen oder der Erlaubniserteilung an Versicherungsvermittler, wird weiterhin auf klassische Organisationsformen mit klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten gesetzt, während andere Felder mehr Raum für agile Arbeitsweisen, Interdisziplinarität und eine dynamische Teamstruktur zulassen.[4]
Im Jahr 2025 beschlossen die Vollversammlungen der IHK Mittleres Ruhrgebiet und der IHK Essen die Prüfung einer möglichen Vereinigung. Sollten sich beide Kammern für die Vereinigung entscheiden, würde 2027 die größte Kammer im Ruhrgebiet entstehen.[5]
Organisation
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2017 hat die IHK ihre Organisationsstruktur verändert, indem das IHK-typische Säulenmodell aufgegeben und durch ein kreisrundes Organigramm ersetzt wurde. Hierarchieebenen wurden dadurch drastisch abgeflacht. Seitdem ist die IHK in einen systematischen Change-Prozess eingetreten. Die Mitarbeitenden sind im aktuellen Modell zwölf gleichberechtigten Arbeitsteams und drei Stabsstellen zugeordnet, die zusätzlich interdisziplinär in Kompetenz- und Projektteams miteinander arbeiten.
Als das Parlament der Industrie- und Handelskammer besteht die Vollversammlung aus 70 unmittelbar gewählten ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern aus sieben Wahlgruppen, die wiederum in vier Wahlbezirke unterteilt sind. Die Vollversammlung bildet durch ihre Zusammensetzung die Spiegelbildlichkeit der gewerblichen Wirtschaft im Kammerbezirk ab.
Die IHK Mittleres Ruhrgebiet ist Mitglied der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Zur Vertretung der jungen Wirtschaft bestellt die IHK den Geschäftsführers der Wirtschaftsjunioren Mittleres Ruhrgebiet.[6]
Am 31. März 2025 hat die IHK in Zusammenarbeit mit der Stadt Bochum, der Agentur für Arbeit Bochum, der Handwerkskammer Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum sowie weitere Netzwerkpartner das Welcome Office Bochum eröffnet. Das Welcome Office Bochum bietet ein sogenanntes One-Stop-Shop-Konzept: Ausländische Fachkräfte, die in Bochum leben und arbeiten möchte, müssen sich nicht mehr um zahlreiche Termine bei verschiedenen Institutionen kümmern. Neue Fach- und Arbeitskräfte erhalten hier eine Erstbegleitung und die Möglichkeit, verschiedene Behördengänge wie beispielsweise die Anmeldung des Wohnsitzes in einem einzigen Termin zu absolvieren und sich gleichzeitig zur Anerkennung von Berufsqualifikationen beraten zu lassen.[7]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Präsidenten
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Der ehrenamtliche Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet vertritt die Kammer rechtsgeschäftlich und gerichtlich gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer der IHK. Er führt zudem den Vorsitz der Vollversammlung. Präsident ist seit dem 3. März 2022 Philipp Böhme, Geschäftsführer der Creditreform Bochum Böhme KG.[8] Ehrenpräsident ist Jürgen Fiege. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet seit ihrer Gründung 1856:
| Amtszeit | Name |
|---|---|
| 1856–1865 | Gustav Müllensiefen |
| 1865–1870 | Wilhelm Endemann |
| 1870–1872 | Friedrich Landvogt |
| 1872–1897 | Louis Baare |
| 1872–1872 | Carl Korte |
| 1897–1911 | Gustav Frielingshaus |
| 1912–1920 | Theodor Müllensiefen |
| 1921–1933 | Otto von Velsen |
| 1933–1934 | Otto Heinrich Flottmann |
| 1934–1937 | Max Adalbert Schlitter |
| 1938–1944 | Otto Make |
| 1945–1946 | Arthur Imhausen |
| 1946–1949 | Dr. Franz Schily |
| 1949–1959 | Dr. Gustav Möllenberg |
| 1960–1964 | Heinrich Trapmann |
| 1964–1974 | Heinz Schaaf |
| 1974–1992 | Franz Schulenberg |
| 1992–2011 | Gerd Pieper |
| 2011–2017 | Jürgen Fiege |
| 2017–2022 | Wilfried Neuhaus-Galladé |
| 2022 bis heute | Philipp Böhme |
Hauptgeschäftsführer
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Der Hauptgeschäftsführer führt die Geschäfte der IHK und bestimmt den Geschäftsverteilungsplan. Er ist Dienstvorgesetzter aller Mitarbeitenden. In 2021 wurde der Volljurist Michael Bergmann zum Hauptgeschäftsführer.[9] Die nachfolgende Tabelle zeigt die Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet seit ihrer Gründung:
| Amtszeit | Name |
|---|---|
| 1857–1872 | Max Greve |
| 1872 | Peter Weyland |
| 1872–1873 | Johann Baptist Peters |
| 1873–1877 | Ernst Bernhardi |
| 1877–1897 | Ferdinand Rauchfuß |
| 1897–1915 | Georg Wiebe |
| 1915–1920 | Rudolf Keibel |
| 1920–1923 | Karl Jacobshagen |
| 1924–1938 | Otto Hugo |
| 1939–1945 | Ernst Stammen |
| 1946–1952 | Erich Brockhaus |
| 1952–1978 | Franz Günnicker |
| 1979–1996 | Klausjürgen Schilling |
| 1996–2011 | Tillmann Neinhaus |
| 2011–2014 | Helmut Diegel |
| 2015–2021 | Eric Weik |
| 2021 bis heute | Michael Bergmann |
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet: Satzung der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet. In: ihk.de/bochum. Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, März 2024, abgerufen am 31. Juli 2025.
- ↑ IHK transparent - Wie viele registrierte Mitgliedsunternehmen hatte die IHK? In: ihk.de. IHK24 e. V., abgerufen am 17. Juni 2025.
- ↑ Karl-Peter Ellerbrock: 150 Jahre IHK: Geschichte und Geschichten; die Industrie- und Handelskammer im Mittleren Ruhrgebiet zu Bochum 1856 - 2006 (= Publikationsreihe der Industrie- und Handelskammer im Mittleren Ruhrgebiet zu Bochum. Nr. 12). IHK im Mittleren Ruhrgebiet, Bochum 2006, ISBN 978-3-9809352-2-7.
- ↑ IHK Mittleres Ruhrgebiet: "Wir wollen verlässlich und mit klarem Kurs für unsere Unternehmen agieren". In: Wirtschaft im Revier. IHK Mittleres Ruhrgebiet, März 2022, S. 55, abgerufen am 2. Dezember 2025.
- ↑ Frank Meßing: Unternehmen geben grünes Licht für Groß-IHK im Ruhrgebiet. 1. Juli 2025, abgerufen am 20. November 2025.
- ↑ Satzung der Wirtschaftsjunioren Mittleres Ruhrgebiet e. V. Wirtschaftsjunioren Mittleres Ruhrgebiet e. V., 26. April 2025, abgerufen am 31. Juli 2025.
- ↑ Das Welcome Office Bochum öffnet seine Türen. In: bochum.de. Abgerufen am 16. Juni 2025.
- ↑ Andreas Rorowski: IHK bestellt neuen Chef – und der dreht die Uhr etwas zurück. 16. Dezember 2021, abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ Andreas Rorowski: IHK bestellt neuen Chef – und der dreht die Uhr etwas zurück. 16. Dezember 2021, abgerufen am 10. Dezember 2025.
Koordinaten: 51° 28′ 51,4″ N, 7° 13′ 26,9″ O