Crengeldanz

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Crengeldanz ist ein Stadtteilbezirk von Witten-Mitte, Witten, Nordrhein-Westfalen. Der Crengeldanz, so die umgangssprachliche Bezeichnung, gilt als einer der historisch bedeutsamsten Plätze Wittens. Er hatte am 31. Dezember 2015 insgesamt 3018 Einwohner.[1] Neben dem Ort in Witten gibt es im Dortmunder Stadtteil Lütgendortmund eine Wohnlage mit der Bezeichnung Neu-Crengeldanz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das genaue Alter des Crengeldanzes ist ungeklärt. Möglicherweise befand sich im Mittelalter ein Fest- oder Versammlungsplatz am Ort. Dies aber ist nur eine Theorie, die sich aus dem Namen Crengeldanz (=Kringeltanz) ableitet. Bis ins 14. Jahrhundert gehörte das am Crengeldanz befindliche Anwesen Haus Crengeldanz einer Familie von Dücker, in die Hermann von Witten-Steinhausen einheiratete. Hermann von Witten-Steinhausen, der von 1374 bis 1435 lebte, begründete mit seiner Heirat das Haus Witten-Crengeldanz. Ebenso wie das Haus Witten und das Haus Witten-Steinhausen erhielt das Haus Witten-Crengeldanz über Teile des Dorfes Witten die Erlaubnis, als Gericht zu fungieren. Im Laufe der Jahrzehnte kam es zwischen den Häusern Witten, Steinhausen und Crengeldanz immer wieder zu Streitereien in Bezug auf die Einflusssphären, in zumindest einem Fall ließ ein Herr von Witten-Crengeldanz ein Mitglied eines anderen Wittener Hauses sogar ermorden.

1607 entstand ein neues Herrenhaus. Dieses Gebäude zählt zu den ältesten Gebäuden Wittens. Es ging im Jahre 1825 in den Besitz der Gebrüder Müllensiefen über, die dort eine bedeutende Glasfabrik erbauten. Im gleichen Jahr entstand am Crengeldanz das erste Postmeisteramt in Witten, das 1850 allerdings wieder geschlossen wurde.

Überregional gewann der Crengeldanz bereits Ende des 18. Jahrhunderts als Verkehrsknotenpunkt an Bedeutung, da hier mehrere überregional bedeutsame Wege zusammentrafen. Noch heute ist der Crengeldanz ein neuralgischer Verkehrsknotenpunkt im Hauptstraßengefüge der Stadt. Daher liegt in diesem Ortsteil auch das Wittener Busdepot der Bogestra, bis 1973 befand sich hier auch ein Straßenbahndepot.

Teile vom Crengeldanz gehörten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht mehr zu Witten, sondern zu Langendreer, die Gemeinde ließ 1856 für Crengeldanz und Krone eine Schule errichten. Seit der Gemeindereform von 1929 gehört der Crengeldanz in Gänze wieder zu Witten.

Gebrüder Müllensiefen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Müllensiefen (* 1799 in Altena, † 26. April 1874) und Theodor Müllensiefen (* 9. September 1802 in Iserlohn, † 26. Mai 1879 in Theodorshof, Schweiz) gründeten 1825 am Crengeldanz eine Glasfabrik, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum bedeutendsten Hersteller von Tafelglas in Deutschland entwickelte. Auf eine Filiale dieser Glasfabrik geht auch die oben erwähnte Wohnanlage Neu-Crengeldanz in Lütgendortmund zurück.

Heute gehört die Glasfabrik dem britischen Konzern Pilkington.

Die Gebrüder Müllensiefen legten den Privatfriedhof Müllensiefen an.

Gartenstadt Crengeldanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Gartenstadt Crengeldanz

1913/1914 wurde neben der Glasfabrik Müllensiefen die Gartenstadt Crengeldanz errichtet. Die ehemalige Werkssiedlung der Westfälischen Straßenbahn gehört heute zu den bedeutendsten Schiefersiedlungen im Ruhrgebiet bzw. Westfalen.

Begriffsherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Crengeldanz stammt, wie bereits erwähnt, aus dem frühen Mittelalter und bedeutet Rund- oder Kreistanz („Kringeltanz“), was darauf hindeutet, dass es am Crengeldanz einen Festplatz gegeben haben könnte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Brandenburg, Karl-Heinz Hildebrand: Witten. Straßen, Wege, Plätze. Mit einem Beitrag zur Siedlungsgeschichte Wittens von Heinrich Schoppmeyer (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Witten. Band 1). VOHM, Witten 1989, ISBN 3-920611-13-6 (Straßenverzeichnis (Memento vom 15. Mai 2006 im Internet Archive)).
  • Michael Schenk (Hrsg.): Witten. Neue Bilder aus alter Zeit (= Die Reihe Archivbilder). Sutton Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-409-8.
  • Wolfgang Zemter: Witten. Aus alter Zeit. Meinerzhagener Druck- und Verlagshaus, Meinerzhagen 1981.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Statistischen Bezirken. In: Witten.de. 31. Dezember 2015, abgerufen am 19. Februar 2016 (PDF; 29,8 kB).

Koordinaten: 51° 27′ 9″ N, 7° 19′ 31″ O