Industriedistrikt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Industriedistrikt (engl.: industrial district) bezeichnet man eine spezielle Form regionaler Produktionsnetzwerke, die auf einen gemeinsamen Absatzmarkt ausgerichtet sind. Der Begriff beschreibt Formen der intraregionalen Kooperation von meist kleinen und mittleren Unternehmen einer Branche, die sich unter anderem durch gleichartige Bedarfe (Rohstoffe usw.), eine ähnliche Technologie und Arbeitskraftstruktur, soziokulturelle Verbundenheit und unternehmensübergreifende Arbeitsteilung auszeichnen. Dies beinhaltet heute oft auch die Organisation gemeinsamer Aus- und Fortbildungseinrichtungen.

Theorie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept findet sich erstmals in der Arbeit The Pure Theory of Domestic Value (entstanden zwischen 1873 und 1877) des britischen Ökonomen Alfred Marshall, der es in seinem Hauptwerk Principles of Economics (1920) weiter präzisiert.[1] Der Begriff wurde von den Autoren der Cambridge School der Volkswirtschaftslehre aus grenznutzentheoretischer Perspektive weiterentwickelt, die die Wirkung natürlicher Standortvorteile analysierte und Branchen nach dem Grad ihrer Zentralisation (Ansiedlung an wenigen Standorten) bzw. Dispersion (räumliche Streuung) untersuchte. Michael Porter gibt dem Konzept noch einmal eine andere Wendung, wenn er sagt, dass globale Wettbewerbsvorteile meist lokal begründet sind.[2]

Die erste systematische Studie zu den Standortfaktoren und der Bildung eines Industriedistrikts war die Arbeit von Sydney Chapman über die Baumwollindustrie in Lancashire, bei der die Verfügbarkeit von Wasserkraft eine große Rolle spielte.[3] Hingegen war die Baumvollindustrie um Glasgow von Anfang an auf Dampfkraft angewiesen.

Der Begriff des Industriedistrikts ist eng verbunden mit dem des Clusters, der heute weitaus häufiger verwendet wird, aber nicht nur eine Ansammlung von Unternehmen mit ähnlicher Faktorstruktur, sondern eine Vielzahl von horizontalen und vertikalen Kooperationsformen bezeichnet. Sofern die Bildung eines Industriedistrikts vor allem auf der Verfügbarkeit von hochqualifizierten Arbeitskräften beruht wie z. B. in Silicon Valley, spricht man auch von einem kreativen Milieu.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Maier, Rainer Beck: Allgemeine Industriegeographie. Stuttgart 2000.
  • Elmar Kulke: Wirtschaftsgeographie. Paderborn 2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fiorenza Belussi, Katia Caldari: At the origin of the industrial district: Alfred Marshall and the Cambridge school. In: Cambridge Journal of Economics 33(2009)2, S. 335-355.
  2. Michael Porter: Clusters and the New Economics of Competition. In: Harvard Business Review, November/Dezember 1998, S. 77–90.
  3. Sydney J. Chapman: The Lancashire Cotton Industry. A Study in Economic Development. Manchester University Press 1904.