Interaktives Whiteboard

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Whiteboardeinsatz an einem Medientag (2011)

Ein interaktives Whiteboard (IWB) ist eine interaktive digitale Tafel, die mit einem Computer verbunden ist. Mit Hilfe eines Beamers wird der anzuzeigende Bildschirminhalt auf die weiße Fläche des Whiteboards projiziert. Das Whiteboard stellt also primär einen großen Bildschirm dar. Daneben dient das Whiteboard in der Regel dazu, den Computer – je nach Modell per Fingerdruck oder mit einem kabellosen Stift – zu steuern. In preisgünstigen Varianten erfolgt die Bedienung und das Schreiben direkt am Computer oder mit Hilfe von Eingabegeräten wie Grafiktabletts, das Whiteboard selbst besitzt dann keine Sensoren.

Einige Produktnamen spezieller Anbieter (wie ActivBoard oder Smartboard) werden als Gattungsname für interaktive Whiteboards im Allgemeinen verwendet.

Einsatz in der Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Whiteboard, genutzt zu Präsentationszwecken

Am weitesten verbreitet sind interaktive Whiteboards als moderne Tafel im Klassenzimmer. Nach einer Anfang 2008 vorgelegten Studie sind an deutschen Schulen rund 26.000 Whiteboards, in britischen Schulen rund 500.000 Whiteboards vorhanden. Mehr als 60 Prozent der Schulen nutzen dort digitale Whiteboards im Unterricht.[1]

Mit einem interaktiven Whiteboard lassen sich über ein vom Computer angezeigtes Bild handschriftliche Ergänzungen legen. Ähnlich wie bei PowerPoint-Präsentationen lassen sich Ebenen definieren, die nach und nach eingeblendet werden. Auch das dynamische Einbinden von Medien (Videodateien, Musikclips, Inhalte aus dem Internet) in den Tafelanschrieb ist möglich, ohne dass ein neues Gerät dazu notwendig wird. So kann z. B. ein Arbeitsblatt unter einen Visualizer gelegt werden und die Notizen mit dem interaktiven Whiteboard hinzugefügt werden.

Interaktive Whiteboards ermöglichen es, ein entwickeltes Tafelbild zu speichern und in einer späteren Unterrichtsstunde weiter zu verwenden oder den Schülern als Lernunterlagen zur Verfügung zu stellen.

Viele Hersteller vertreiben zusammen mit ihren digitalen Whiteboards eine Lernplattform, die den Tafelanschrieb, das Einbinden verschiedener Elemente, aber auch den Datenaustausch mit Schülern sowie deren Heimarbeit unterstützen soll. Auch Lehrbuch- und Schulatlasverlage vertreiben heute zunehmend eigene Angebote für Whiteboards.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisgünstige Varianten eines interaktiven Whiteboards basieren beispielsweise auf der Nintendo-Wii-Remote-Unit[2] oder verwenden zur Eingabe von Schrift oder Computerbedienung ein Grafiktablett.[3]

Seit einigen Jahren sind auch Tabletcomputer mit tafelgroßem LC-Bildschirm und Touchscreen auf dem Markt. Angeboten werden Displays mit einer Leuchtdichte 430 cd pro , erreicht wird Full-HD-Auflösung bis zu einer Bildschirmdiagonale von 207,18 cm[4] (82 Zoll). Damit wird bei relativ geringem Energieverbrauch (im Vergleich zum Beamer) ein guter Kontrast auch bei heller Umgebung erreicht.

Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachteile interaktiver Whiteboards gegenüber herkömmlichen Tafeln im Schulunterricht werden die folgenden Punkte gesehen:

  • Höhere Kosten der Erstausstattung
  • Geringere sichtbare Arbeitsfläche
  • ältere Projektor-basierte Systeme erreichen nur deutlich schlechtere Beschriftbarkeit mit der Hand (Reaktionsschnelle und Auflösung im Vergleich zur Schrift an Kreide-Tafel)
  • Projektor-basierte Systeme: Schlechtere Lesbarkeit bei großer Helligkeit, dadurch häufige Notwendigkeit, den Raum abzudunkeln mit Folgen für Konzentration der Schüler (dauerhafte Abdunklung der Räume ist am Arbeitsplatz nicht zulässig)
  • Verlust- bzw. Diebstahlgefahr der Stifte (falls nur die jeweiligen Spezialstifte des Herstellers verwendet werden können)
  • Kosten durch notwendige Schulungen an spezieller Software
  • Unterrichtsausfall durch technische Probleme
  • Projektor-basierte Systeme: Kosten durch Tausch der Beamerlampe (Bei Einsatz als Tafelersatz ca. alle 0,5 - 3 Jahre bei jährlich 2.000–4.000 Betriebsstunden)
  • zusätzliche Energiekosten (der Leistungsbedarf ist mit ca. 200 W bei LED-Display und 500–800 W bei Projektor in der Größenordnung der Raumbeleuchtung, d. h. die Kosten für elektrische Energie erhöhen sich)
  • CO2 Ausstoß (Eine Schule ohne eigene PV mit 40 Räumen produziert bei Ersatz der Tafeln durch interaktive Whiteboards bis zu 70 kg CO2 pro Unterrichtstag zusätzlich, also bis zu ca. 14 Tonnen CO2 im Jahr)
  • Gesundheitsgefährdung durch quecksilberhaltige Projektorlampen
  • Kosten und Umweltfolgen durch Entsorgung von Elektronik-Altgeräten
  • Kosten durch Wartung (Softwareupdates, Lizenzen etc.)

Kriterien für den Einsatz interaktiver Whiteboards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Welche Relevanz hat dieser Abschnitt? Sind Geräte im Handel, die diese Kriterien nicht erfüllen?
Du kannst Wikipedia helfen, indem du sie recherchierst und einfügst.
Roman Herzog gibt ein Autogramm an einer interaktiven Tafel

Grundsätzlich muss mindestens der Stand, der mit Kreidetafel/Overhead erreicht werden kann, gesichert sein. Für den nicht interaktiven Teil des Unterrichts empfiehlt es sich, eine Kreidetafel oder ein normales Whiteboard zu haben.

  1. Einfache Tafelsoftware - sowohl für Lehrer als auch für Schüler, damit nicht der Frontalunterricht der Lehrkraft im Vordergrund steht.
  2. Kontinuität Welche Tafelsoftware ist an den anderen Schulen verbreitet - damit sich die Schüler und die Lehrkräfte beim Schulwechsel nicht umstellen müssen.
  3. Startzeit - Beginn des Unterrichts durch Einschalten der Tafel und des Beamers an sich sehr schnell einsatzbereit. Die Vorlaufzeit, bevor der eigentliche Unterricht beginnen kann, hängt allerdings davon ab, wie lange der eingesetzte Computer braucht, um hochzufahren und einsatzbereit zu sein.
  4. Größe der interaktiven Tafel (Schreibfläche) sollte mit der Größe einer Standard-Kreidetafel mithalten. Bilddiagonale von 240 cm (94 Zoll) sollte beim Beamer schon sein, beim LED-Display reichen bereits 165 cm bei Tageslicht und Sonnenschein für 8 m Sicht-Distanz.
  5. Lesbarkeit aus größerer Entfernung muss dem guten Kontrastverhältnis einer Kreidetafel entsprechen, Lesbarkeit bei Sonneneinstrahlung muss gegeben sein. Der Raum sollte nicht verdunkelt werden müssen. Die Schüler sollen parallel noch andere Lerntätigkeiten erledigen können. Der Schattenwurf sollte mittels Nahdistanzbeamer möglichst verringert werden. Außerdem sollte der Beamer möglichst leise sein (Lüftergeräusch).
  6. Kalibrieren - Die Tafel sollte nicht jedes mal vor dem Gebrauch kalibriert werden müssen und schnell einsatzbereit sein.
  7. Höhenverstellbarkeit - Es wird sichergestellt, dass Personen unterschiedlicher Größe das interaktive Whiteboard komfortabel nutzen können. Ist der Beamer an der Tafel montiert, dann fährt das Bild mit. Dies hat allerdings den Nachteil, dass das Bild hierbei wackelt.
  8. Dokumentenkamera - Die Kamera sollte via Tafel (bzw. Lehrer-PC) bedient werden können und eine hohe Auflösung (mindestens 2 Megapixel) haben, damit die Vorlagen auch fotografiert/gescannt werden können.
  9. Multitouch - Es sollte möglich sein, wie bei einer Kreidetafel mit mehreren Stiften gleichzeitig zu schreiben.
  10. Verfügbarkeit - Wenn eine Schule nicht komplett mit elektronischen Tafeln ausgestattet ist, sollten Whiteboards dennoch regelmäßig verfügbar sein.

Software[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Einsatz interaktiver Whiteboards im Schulunterricht bieten viele Schulbuchverlage mittlerweile speziell entwickelte und auf die jeweiligen Lehrwerke zugeschnittene Tafelbilder und Arbeitsmaterialien für Lehrer an. Daneben gibt es auch freie Software für Whiteboards wie z. B. das von der französischen Regierung unterstützte Open-Sankoré.

Aktuelle mediendidaktische Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Universität Göttingen wird seit 2001 die mediendidaktische Konzeption „Digitale Schulbank“ entwickelt, in deren Mittelpunkt der schulische Einsatz von interaktiven Whiteboards steht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Kohls: Mein SMART Board. Das Praxishandbuch für den erfolgreichen Einsatz im Unterricht. 2. Auflage. KIDS interactive, Erfurt 2011, ISBN 978-3-9814295-0-3.
  • Peter Kürsteiner, Jürgen Schlieszeit: Interaktive Whiteboards. Das Methodenbuch für Trainer, Dozenten und Führungskräfte. Beltz, Weinheim 2011, ISBN 978-3-407-36500-2.
  • Stefan Aufenanger, Petra Bauer u. a.: Themenschwerpunkt: Interaktive Whiteboards. In: Computer + Unterricht. Lernen und Lehren mit digitalen Medien, Nr. 78/2010, ISSN 0941-519X.
  • Jürgen Schlieszeit: Mit Whiteboards unterrichten. Das neue Medium sinnvoll nutzen. Beltz, Weinheim 2011, ISBN 978-3-407-62747-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Interaktive Whiteboards – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Für schulische Qualitätsentwicklung (Stand: 25. August 2011)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schulbuch-Verlage setzen noch zu wenig auf neue Medien im Unterricht. TeachersNews, 25. August 2008, abgerufen am 4. Juni 2009.
  2. wiimatoe nach Johnny Chung Lee (PDF)
  3. Anbieter-Beispiel
  4. Samsung Digital Signage DM82E-BR LED Display | Samsung. In: Samsung DE. Abgerufen am 19. Oktober 2016.