Jacoby’sche Heil- und Pflegeanstalt

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Gebäude der ehemaligen Jacoby’schen Heil- und Pflegeanstalt, heute auch Gedenkstätte, in der Bendorfer Koblenz-Olper-Straße, unter Denkmalschutz

Die Jacoby’sche Heil- und Pflegeanstalt war eine Einrichtung insbesondere für jüdische „Nerven- und Gemüthskranke“ in Sayn, heute Bendorf.[1][2][3] Sie bestand von 1869 bis 1942. Ab Dezember 1940 wurde die Krankenanstalt in die Organisation der „Endlösung der Judenfrage“ – dem Holocaust – einbezogen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kaufmann Meier Jacoby begründete seinen Antrag auf Konzession 1869: „Ich hatte oft gehört, dass die in streng jüdischen Häusern aufgewachsenen Nervenkranken nur mit Widerwillen nicht koschere Kost genießen, dass sie solche Nahrung wohl ganz verweigern oder sich durch den Genuss der Speisen zu versündigen glauben, dass sie namentlich von weniger gebildeten Patienten und Wärtern wegen ihres Glaubens gehänselt werden usw. – Umstände, die Nerven- und Gemütskranke gewiss ungünstig beeinflussen müssen.“

Die Einrichtung nahm einen raschen Aufstieg und wurde baulich erweitert. Das ältere Hauptgebäude wurden in den 1960er Jahren abgerissen. Heute noch erhalten ist das Hauptgebäude mit Festsaal und Synagoge der Heil- und Pflegeanstalt.

Zunächst blieb die Anstalt unbehelligt, Ende 1938 mussten jedoch fast alle nichtjüdischen Arbeitskräfte entlassen werden. Die stattdessen eingestellten jüdischen Hilfskräfte bereiteten sich vor allem auf die Ausreise nach Palästina vor. Familie Jacoby konnte 1940 nach Uruguay auswandern. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt, die Vermögensverwaltung auf die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland übertragen.

Ein Runderlass des Innenministeriums vom 12. Dezember 1940 bestimmte, dass „… geisteskranke Juden künftig nur noch in die von der Reichsvereinigung der Juden unterhaltenen Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn, Kr. Koblenz aufgenommen werden dürfen.“

Ab 1942 wurden die Bewohner des Hauses und das jüdische Pflegepersonal deportiert. Ihre Spur verliert sich in den NS-Vernichtungslagern des Ostens. Sie wurden alle ermordet.

Mit Runderlass des Reichsinnenministers vom 10. November 1942 wurde die Heil- und Pflegeanstalt aufgelöst.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Heil- und Pflegeanstalten für Nerven- und Gemütskranke in Bendorf. Herausgegeben vom Rheinischen Eisenkunstguss-Museum Bendorf-Sayn 2008, 142 S., ISBN 978-3-9800158-9-9.
    • darin auch: Dietrich Schabow: "Die Israelitische Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke (Jacoby'sche Anstalt, 1869-1942) und die spätere Verwendung der Gebäude"

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jacoby’sche Heil- und Pflegeanstalt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.bendorf.de/stadt-buerger/geschichte/jacobysche-anstalt/
  2. http://www.alemannia-judaica.de/sayn_anstalt.htm
  3. http://www.bendorf-geschichte.de/bdf-0155.htm

Koordinaten: 50° 26′ 4,2″ N, 7° 34′ 17,3″ O