Japanischer Wasserstein

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Zwei japanische Wassersteine

Ein japanischer Wasserstein (jap. 砥石, Toishi, dt. „Schleifstein“; der Naturwasserstein heißt tennen toishi, 天然砥石) ist ein Abziehstein aus Japan, es werden natürliche wie auch synthetisch hergestellte Steine angeboten.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu Wetzstahlen, die nur den Grat einer Klinge aufrichten bzw. teilweise entfernen, dienen gröbere Wassersteine zum wirklichen Materialabtrag. Ein fein ausgeschliffenes Messer kann bei pfleglichem Umgang normalerweise mit feinen Abziehsteinen mit wenigen Zügen geschärft werden.

Der Vorteil von Handschärfung an Wassersteinen ist die Tatsache, dass die Temperaturen im Schneidenbereich relativ gering bleiben. Beim maschinellen Schärfen kann die Schneide ausglühen. Das kann allerdings vermieden werden, wenn man eine Schleifmaschine mit langsam drehenden Stein und Wasserkühlung verwendet. Diese werden von verschiedenen Herstellern angeboten.

Japanische Wassersteine haben im Gegensatz zu anderen Schleifsteinen wie z. B. dem Arkansasstein eine relativ weiche Kornbindung.

Arten von Wassersteinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kamen früher fast ausschließlich Natursteine zum Einsatz, so setzen sich zunehmend künstliche Wassersteine durch, da diese pflegeleichter und preiswerter sind.

Man unterscheidet Wassersteine nach ihrer Körnung: Schruppsteine für Formgebung und Ausschleifen von Ausbrüchen und Scharten haben eine Körnung von ca. 80–220, Schleifsteine 800–2000 und Poliersteine 3000–12000. Für den Hausgebrauch sind sogenannte Kombisteine üblich, deren eine Seite eine relativ grobe (meist 240er) und die andere Seite eine relativ feine (meist 1000er) Körnung aufweist. Die Körnungen sind nicht vergleichbar mit der für europäische Schleifsteine oder Schleifpapiere verwendeten FEPA-Skala. Stattdessen wird für Wassersteine japanischer und chinesischer Produktion die japanische JIS-Skala verwendet. Eine Körnung 1000 auf der JIS-Skala entspricht einer Körnunggröße von 14 µm, eine Körnung von 8000 entspricht 1,2 µm und ist direkt vergleichbar mit FEPA F2000 (F = gebundenes Schleifmittel). Zum Vergleich: Ein Schleifpapier mit FEPA P2000 hat eine Körnungsgröße von 10,3 µm.[1]

Die künstlichen Wassersteine bestehen aus Siliziumkarbid, Metalloxiden, Carbiden und Nitriden in unterschiedlicher Zusammensetzung. Die Qualität der Wassersteine ist sehr unterschiedlich.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Schleifen wird der Stein für einige Minuten vollständig in Wasser gelegt, um sich vollzusaugen. Hierdurch wird sichergestellt, dass während des Schleifvorgangs ständig neue Schleifpartikel entstehen können und das Messer während des Schleifens ausreichend gekühlt wird. Bei längerem Schleifen wird ein wenig Wasser auf den Stein geträufelt.

Für den eigentlichen Schleifvorgang gibt es unterschiedliche Methoden: Entweder wird die Klinge parallel über den Stein gezogen, wobei sowohl bei der Schub- als auch bei der Zugphase Druck ausgeübt wird („japanische Methode“); oder das Messer wird schräg / längs über den Stein gezogen. In beiden Fällen ist es notwendig, den richtigen Winkel einzuhalten (in der Regel 15° bis 20°).

Beim Schärfen von im Spitzenbereich gerundeten Klingen ist es notwendig, den Griff des Messers anzuheben, damit eben diese Verrundung nicht beigeschliffen wird.

Messer mit Wellen- oder Sägeschliffen können nicht bearbeitet werden.

Pflege des Steins[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein bisher ungebrauchter Stein sollte vor der ersten Verwendung „geöffnet“ werden. Dies geschieht mit einem kleinen weichen Stein (Nagura, natürlich oder synthetisch), der über den Schleifstein gerieben wird. So wird auch der Stein nach dem Schärfvorgang gereinigt. Mancher schätzt den entstehenden Schlamm als zusätzlich schleifendes Mittel.

Nach Gebrauch ist der Stein sorgfältig unter fließendem Wasser abzuspülen. Das Abwischen mit Textil- oder Papiertüchern ist nicht zu empfehlen, da Materialfasern am Stein verbleiben. Ebenso ist ein schnelles Trocknen, zum Beispiel auf einem Heizkörper, zu vermeiden.

Auch wenn in Einzelfällen zulässig, sollten Wassersteine nicht ständig in Wasser aufbewahrt werden.

Es ist ausgesprochen wichtig, die Oberfläche des Wassersteins plan zu halten, um einen „balligen“ Schliff zu verhindern. Dazu ist erforderlich, den Stein regelmäßig „abzurichten“. Dabei wird der Stein mit viel Wasser gegen einen gleichen Stein gerieben oder auf einer härteren Platte (z. B. Keramik) mit Wasser und einem Schleifpulver (z. B. Siliziumkarbid) plangeschliffen. Die Planheit des Steins ist sehr leicht mit der „Lichtspaltverfahren“ (wobei hier ein einfaches Lineal ausreicht) prüfbar. Bewährt hat sich auch das Aufbringen einer „Schlangenlinie“ mit einem Bleistift (!). Ist die Schlangenlinie beim Abrichten vollständig fortgeschliffen, ist der Stein plan.

Nach japanischem Verständnis bilden Klinge, Stein und Klingenbenutzer eine Einheit (ein „Gesamtsystem“), was sich in der Praxis bestätigte: Nur wer sein eigenes Messer auf dem richtigen Stein auf seine Art schärft, schafft maximale Schärfe für den jeweiligen Anwendungsfall.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arten des Wassersteins