Jazz & Lyrik

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Jazz & Lyrik ist der Versuch, in Konzerten Jazzmusik mit dem Vortrag von Gedichten zu verbinden.

Zunächst haben die Autoren der US-amerikanischen Beat-Generation gemeinsam mit experimentierfreudigen Jazzmusikern wie z. B. Charles Mingus (Alben The Clown, A Modern Jazz Symposium of Music and Poetry, beide 1957) entsprechend experimentiert. Beispiele sind die deutschstämmige Beat-Poetin Ruth Weiss, die damit 1956 im The Cellar in San Francisco begann, oder Kenneth Patchen mit dem Chamber Jazz Sextet des Pianisten Allyn Ferguson 1957. Zur ersten deutschen Jazz & Lyrik-Veranstaltung kam es bereits 1952 im Hamburger Studentenkeller „anarche“, wo Peter Rühmkorf auftrat; 1966 griff er die Form wieder auf und rezitierte zusammen mit der Band von Michael Naura auf dem Rödingsmarkt.[1]

Seit Ende der 1950er − in der Bundesrepublik (mit Joachim Ernst Berendt als Produzenten) seit 1962 − entstanden auch Schallplatten dieser Produktionen. In der DDR rief 1963 Werner Josh Sellhorn unter dem Namen Jazz und Lyrik eine Vorgänger-Veranstaltungsreihe von Lyrik – Jazz – Prosa ins Leben. In Prag fanden einschlägige Veranstaltungen, zu denen der Bassist Luděk Hulan auch als Texter beitrug, in der Weinbar Viola statt.

Soweit Dichter selbst als Rezitatoren ihrer Gedichte auftraten, entstanden teilweise neue Synthesen im musikalischen und textlichen Vortrag. So meinte Peter Rühmkorf, der mehrere Alben in den 1970er Jahren mit Naura und Wolfgang Schlüter vorlegte: „Unsere gemeinsame Tätigkeit hat mich auch sehr beeinflusst, die Organisationsformen, was ich an Lyrik mache, zu öffnen.“[2] Mit einem ähnlichen Verständnis für die Integration von Poesie und Musik hat Ernst Jandl, häufig gemeinsam mit der Sängerin Lauren Newton oder dem Pianisten Hans Glawischnig, seine Gedichte in den 1980ern mit Jazzmusik kombiniert. Bis nach der Jahrtausendwende gehörte die afroamerikanische Jayne Cortez zu den Poeten, die regelmäßig eigene Texte zu Livemusik rezitieren. In Deutschland ist hier Ingeborg Drews zu nennen. Die Jazzmusiker Günter Baby Sommer und Theo Jörgensmann arbeiten regelmäßig mit Literaten zusammen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sascha Feinstein: A Bibliographical Guide to Jazz Poetry. Greenwood Press, 1998.
  • Peter Rühmkorf, Michael Naura, Wolfgang Schlüter Phönix voran! Rowohlt, 1987

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Schaal Vom Jazz durchtränkt/Einer von uns: Peter Rühmkorf (1929-2008)
  2. Rühmkorfs spannende Jazz-Lyrik-Experimente shz.de, 19. Dezember 2009