Intermedialität

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Intermedialität bezeichnet in der Kultur-, Medienwissenschaft und Publizistik die Untersuchung der Beziehungen zwischen Medien, insbesondere von Möglichkeiten ästhetischer Kopplungen bzw. Brüchen. Intermediale Beziehungen können innerhalb und zwischen den traditionellen, handwerklichen Künsten, den analogen technisch-apparativen sowie den digitalen Medien (Neue Medien) bestehen. Der Begriff kann auch den gezielten Medienwechsel oder die Gleichzeitigkeit verschiedener Ausdrucksformen beschreiben, z. B. Bild und Ton, Sprache und Musik, Neue Medien und Theater.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fluxus-Künstler Dick Higgins prägte Mitte der 1960er Jahre mit Intermedia einen Begriff, um die künstlerische Auseinandersetzung zwischen elektronischen Medien, Kunst und Pop-Kultur zu bezeichnen. Higgins geht es darum, die Grenzen der anerkannten Medien zu überschreiten und die Grenzen bisheriger Kunstformen mittels Medien, die zuvor nicht als Kunstform galten, zu verschmelzen.[2]

„Part of the reason that Duchamp’s objects are fascinating while Picasso’s voice is fading is that the Duchamp pieces are truly between media, between scultpure and something else, while a Picasso is readily classifiable as a painted ornament. Similarly, by invading the land between collage and photography, the German John Heartfield produced the what are probably the greatest graphics of our century.“

Higgins, Intermedia, 1966

Medienwissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Medienwissenschaft bedeutet Intermedialität vor allem die Realisierung medialer Konventionen eines oder mehrerer Medien in einem anderen.

Werner Wolfs stark ausdifferenzierte Kategorisierung der Intermedialität[3] richtet sich nach folgenden Merkmalen:

  • Den beteiligten Medien (Literatur und Bildende Kunst z. B. im literarischen Bildzitat)
  • Der Dominanz: So dominiert bei der Kombination Film & Musik meist der Film als visuelles Medium. Im Kunstlied hingegen sind Lyrik und Musik einigermaßen „gleichberechtigt“.
  • Der Quantität: Partielle Intermedialität liegt etwa bei einem Drama mit Couplets vor, totale hingegen bei Opern.
  • Der Genese: Primäre Intermedialität ergibt sich aus dem Werk-Typus selbst (Bild und Text im Comic), sekundäre wird nachträglich erstellt (Literaturverfilmung).
  • Der Qualität: Manifeste Intermedialität liegt vor, wenn alle beteiligten Medien an der Oberfläche sichtbar bleiben (z. B. Literatur und Musik im Fall des Liedes), verdeckte Intermedialität setzt den Wechsel eines Inhalts/einer Struktur vom ursprünglichen Mediums in ein neues voraus (z. B. im Fall eines biblischen Motivs in der Malerei).

Diese letztgenannte, verdeckte Intermedialität stellt Interpreten vor das Problem, dass die Quelle der übernommenen Inhalte zur Identifikation des Zitats bekannt sein muss; Abhilfe schaffen hier oft Paratexte (Werktitel beispielsweise, vgl. Thomas de Quinceys Text „Dream Fugue“ von 1849).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Kresse: „Intermedialität in Avatar, eXistenZ und Die Unendliche Geschichte“, ck-production.de vom 11. Mai 2010
  2. Dick Higgins, Intermedia, Something Else Newsletter 1, 1966
  3. Werner Wolf: Intermedialität, in: Nünning, Ansgar (Hg.) Metzler Lexikon Literatur und Kulturtheorie, Stuttgart 2004, S. 327f.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renate Buschmann, Jochen Goetze, Klaus Staeck: Anarchie Revolte Spektakel. Das Kunstfestival "intermedia '69". Steidl, 2009, ISBN 978-3-86521-980-0.
  • Thomas Eicher, Ulf Bleckmann (Hrsg.): Intermedialität. Vom Bild zum Text. Aisthesis, Bielefeld 1994, ISBN 3-89528-105-0.
  • Jörn Glasenapp: Licht / Schrift. Intermediale Grenzgänge zwischen Fotografie und Text. Themenheft der Zeitschrift Fotogeschichte, Jg. 28 (2008), H. 108.
  • Jörg Helbig (Hg.): Intermedialität. Theorie und Praxis eines interdisziplinären Forschungsgebietes. Erich Schmidt, Berlin 1998. ISBN 3-503-03782-9.
  • Herbert Kapfer / Peter Weibel (Hrsg.): intermedium 2. Identitäten im 21. Jahrhundert. BR Hörspiel und Medienkunst / ZKM. München, Karlsruhe 2002. ISBN 3-934847-02-1.
  • Urs Meyer, Roberto Simanowski, Christoph Zeller (Hrsg.): Transmedialität. Zur Ästhetik paraliterarischer Verfahren. Göttingen: Wallstein 2006, ISBN 3-8353-0087-3.
  • Irina O. Rajewsky: Intermedialität. UTB 2261 / Franke, Tübingen / Basel 2002, ISBN 3-8252-2261-6 (UTB) / ISBN 3-7720-2976-0 (Francke).
  • Sigrid Schade, Georg Christoph Tholen (Hrsg.): Konfigurationen. Zwischen Kunst und Medien. Wilhelm Fink, München 1999. ISBN 3-7705-3348-8.
  • Meinolf Schumacher: Gemalte Himmelsfreuden im Weltgericht. Zur Intermedialität der Letzten Dinge bei Heinrich von Neustadt, in: Ästhetische Transgressionen. Festschrift für Ulrich Ernst, hrsg. von Michael Scheffel u. a. Trier 2006, ISBN 3-88476-792-5, S. 55–80.
  • Klaus Staeck (Hrsg.): intermedia '69. edition tangente, Heidelberg 1969.
  • Werner Wolf: Intermedialität, in: Ansgar Nünning (Hrsg.): Metzler Lexikon Literatur und Kulturtheorie, Metzler, Stuttgart 2004, ISBN 3-476-01889-X.
  • Joachim Paech, Jens Schröter (Hrsg.): Intermedialität analog/digital. Theorien – Methoden – Analysen. Fink, Paderborn 2008, ISBN 978-3-7705-4374-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]