Joseph Wattendorff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Joseph Conrad Wattendorff (* 29. Januar 1818 in Borghorst; † 3. Mai 1884 in Borghorst) war ein deutscher Textilunternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weberei "A.Wattendorff" Borghorst um 1880

Joseph Wattendorff wuchs als viertes von fünf Kindern in Borghorst auf. Seine Eltern, Anton Wattendorff (1776–1859) und Anna Maria, geb. Greive (1780–1850) hatten sich vom Leineweberhandwerk zu Leinenverlegern hochgearbeitet. 1824/25 gründeten sie in Borghorst an der Ecke Münsterstraße-Meerstraße eine Webwarenhandlung und Faktorei „A. Wattendorff“, um an dem Aufschwung, der durch den Import und die Weiterverarbeitung englischer Baumwolle in der Zeit ermöglicht wurde, teilnehmen zu können. Das Geschäft wurde nach und nach u.a. durch einen Fuhrpark erweitert. Die Ware wurde vor allem nach Holland exportiert.

Nach der Schulausbildung arbeitete Joseph im Betrieb der Eltern mit. 1849 heiratete er Elise Kock (1828–1894), die jüngere Schwester des Borghoster Textilunternehmers Arnold Kock, der ein Jahr später wiederum Josephs Schwester Elise Wattendorff (1822–1890) heiratete, sodass die Familien Kock und Wattendorff durch Heirat doppelt miteinander verbunden waren.

1856 wurde in Borghorst nach englischem Vorbild eine Schlichterei einschließlich einer Mehlmühle zur Lieferung des Schlichtmateriales erbaut, um die hohen Einfuhrzölle für die geschlichteten englischen Garne zu vermeiden. Bauherren und Betreiber waren die aus Zwischenahn stammenden Joh. Heinrich Brader und sein Schwager Joh. Heinrich Rabe, die ihre praktischen Kenntnisse in England erworben hatten. Die Familien Wattendorff und Kock wurden 1857 Teilhaber der neu gegründeten Firma „Rabe, Brader und Co.“, die im gleichen Jahr zusätzlich eine mechanische Spinnerei mit 16000 Spindeln und 1860 eine mechanische Weberei in Betrieb nahm.

1859 starb Anton Wattendorf und Joseph übernahm die Führung der Firma „A. Wattendorff“.

Websaal

1861 schieden die Familien Kock und Wattendorf aus der Firma „Rabe, Brader und Co“. aus. Joseph Wattendorff gründete mit seinem Schwager Arnold Kock, dessen Bruder Franz und deren Tante Elisabeth Messing die „Borghorster Warps-Spinnerei Kock und Comp.“ (BWS). „Warp“ ist die englische Bezeichnung für Kettgarn. Die Firma begann mit 4000 Spindeln und expandierte schnell: Um 1880 arbeitete sie bereits mit 24000 Spindeln und 1905 mit 40000 Spindeln. 1865 beteiligte Joseph sich mit seinen Partnern an der Gründung der Weberei „A. Kock, Frieling und Wattendorff“ in Nordkirchen.

1875 wurde Borghorst an die Eisenbahnstrecke Münster-Gronau angeschlossen und ein Bahnhof gebaut. Gleichzeitig erweiterte Joseph das Unternehmen „A. Wattendorff“ in Borghorst durch den Bau einer mechanischen Nessel- und Leinenweberei mit 50 Webstühlen in der Nähe des Bahnhofs in der Flur Auf dem Pottkamp (heute: Anton-Wattendorf-Straße). Die Firma wurde laufend erweitert. 1876 liefen 74 Webstühle, 1878 waren es 125 und 1880 schon 188.

1884 starb Joseph Wattendorff mit 66 Jahren. Die Fabriken wurden von seinen drei Söhnen Franz, Anton und Joseph unter der Firma "Gebrüder Wattendorff GmbH" weitergeführt. Sie gründeten 1906 in Nordwalde die Kettgarn- und Schussgarnspinnerei „Nordwalder Baumwoll Spinnerei Gebrüder Wattendorff GmbH & Co. KG“.

1910 war die Belegschaft der Gebrüder Wattendorff auf 355 Personen angewachsen. Es liefen 558 Webstühle.

1988 ging die Gebrüder Wattendorff GmbH in Konkurs. Die Nordwalder Baumwollspinnerei bestand noch bis zum 31. Dezember 2006.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Bartmann: Zur Geschichte der Familie Bartmann aus Herbern. Wuppertal 1992
  • Hans-Jürgen Warnecke: Die geschichtliche Entwicklung der Borghoster Textilindustrie, in: Westfälische Nachrichten Nr. 115, Borghorst 17. Mai 1968
  • Hans-Jürgen Warnecke: Von der Hausweberei zur Textilindustrie in: 1000 Jahre Borghorst, hrg. von Wilhelm Kohl, S.77-89, Borghorst 1968