Jour fixe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Jour fixe [ˈʒuːɐ̯ ˈfiks] (frz. fester Tag, Pl.: Jours fixes [ˈʒuːɐ̯ ˈfiks]) ist ein in einer kleinen Gruppe von Personen fest vereinbarter, regelmäßig wiederkehrender Termin (Regeltermin) (zum Beispiel „jeder zweite Donnerstag im Monat“). In der Arbeitswelt steht er meist für eine Besprechung.

Schreibweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die falsche Schreibweise „Jour fix“ ist im Deutschen weit verbreitet, unter anderem aufgrund der Annahme, „fix“ sei die korrekte maskuline Form des Adjektives zum maskulinen Substantiv „jour“. Tatsächlich ist „fixe“ sowohl die feminine als auch die maskuline Form des Adjektivs. Der Vokal nach dem letzten Konsonanten „x“ zeigt an, dass dieser Konsonant ausgesprochen wird, anders als zum Beispiel bei Grand Prix [ˈɡʀãː ˈpʀiː].

Für einen Jour fixe im Sinne einer regelmäßigen Arbeitssitzung gibt es im Französischen keinen Begriff; er kann lediglich mit „réunion de travail régulière“ oder ähnlichem umschrieben werden.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff stammt aus dem Gesellschaftsleben des 18. Jahrhunderts. Haushalte, die sich besonders an Gesellschaft erfreuten, bestimmten einen gewissen Tag des Monats oder der Woche, an dem jeder zu Besuch kommen konnte, ohne – wie es seinerzeit für Veranstaltungen sonst obligatorisch war – geladen zu sein. Verbreitet war der Brauch in kunstsinnigen Kreisen: Man lud Künstler ein, um sich an deren Darbietungen zu erfreuen und sich im Bekanntenkreis den Ruf eines Mäzens aufzubauen. Ein gut besuchter und etablierter und als kurzweilig bekannter Jour fixe war von außerordentlichem Renommee. Noch heute wird der Begriff Jour fixe auch für öffentliche Veranstaltungsreihen, beispielsweise Vortragsreihen, verwendet.

„An den Nachmittagen, an denen eine Frau keine Gäste empfing, erwartete man von ihr, dass sie selber Besuche machte. Es zählte zu den Aufgaben der Frau, die Kontakte und Bekanntschaften der Familie, die oft äußerst vielfältig waren, zu pflegen – George Vaniers Mutter hatte hundertachtundvierzig Namen auf ihrer Besuchsliste. […] Drei- oder viermal im Jahr machte man Höflichkeitsbesuche bei Leuten, mit denen man den Kontakt zu wahren suchte, ohne ihn vertiefen zu wollen […] Seinen Vorgesetzten war man einmal pro Jahr einen feierlichen Besuch schuldig […] Waren die, die man besuchen wollte, nicht zu Hause, überreichte man dem Diener oder der Concierge seine Karte, die nach der jeweiligen Mode entweder an einer Ecke geknickt oder der Länge nach gefaltet war. Eine geknickte oder gefaltete Karte signalisierte, dass man persönlich vorgesprochen hatte; eine glatte Karte, dass ein Diener oder ein Bote sie abgegeben hatte […] ‚Besuche mittels Karte‘, um 1830 noch für unhöflich erachtet, erfreuten sich nun enormer Beliebtheit.“

Philippe Ariès, Georges Duby: Von der Revolution zum Großen Krieg

Projektmanagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übernommen hat man den Brauch in das Projektmanagement als Termin, auf den alle Beteiligten keine anderen Termine legen, sondern der für gruppeninterne Abstimmung reserviert ist. In Projektteams, Beratungsorganisationen und ähnlichem werden an diesem Termin beispielsweise der Projektstatus abgeglichen, Problemsituationen besprochen und nächste Schritte geplant. Der Jour fixe bietet durch ein regelmäßiges Zeitintervall eine gute Möglichkeit, Mitarbeiter, die ansonsten an unterschiedlichen Orten arbeiten oder aus anderen Gründen kaum Gelegenheit zu gemeinsamem Austausch haben, auf denselben Wissensstand bezüglich aktueller Vorgänge zu bringen. Weiterhin ist durch die langfristige Terminierung sichergestellt, dass auch alle Beteiligten zugegen sind.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philippe Ariès: Von der Revolution zum großen Krieg. In: Georges Duby (Hrsg.): Geschichte des privaten Lebens. Band 4. Fischer Verlag, Frankfurt/M 1999, ISBN 3-8289-0733-4, S. 214–215 (Originaltitel: De la révolution à la Grande Guerre.).