Juhan Aavik

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Juhan Aavik, 1928

Juhan Aavik (* 29. Januar 1884 in Tallinn, Estland; † 26. November 1982 in Stockholm, Schweden) war ein estnischer Komponist, Dirigent, Musikpädagoge und Musikfunktionär.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juhan Aaviks Vater war Andres Aavik ( 20. Juni 1851–1918), seine Mutter Epp Aavik (* 20. Oktober 1857; † nach 1900). Andres war Lehrer, Chorleiter und Dirigent eines Blasorchesters.[1] Hier erhielt Juhan den ersten Zugang zur Musik, da er schon früh in den Ensembles seines Vaters mitsingen und mitspielen durfte. Er besuchte die Schule in Paistu und erhielt Klavierunterricht bei Friedrich August Saebelmann. Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte, ging er nach Sankt Petersburg und studierte am dortigen Konservatorium.[2] Aavik graduierte 1907 im Fach Trompete unter Vassili Vurm, 1911 in Musiktheorie und Komposition unter Anatoli Ljadow, Nikolai Solowjow, Jāzeps Vītols und Alexander Glasunow.[1][3]

Juhan Aavik heiratete Alma Aavik (* 20. Oktober 1885;† 2. Dezember 1977 in Stockholm, Schweden) Sie hatten zwei Söhne, Karl (* 1913) und Juhan jun. (* 1916). Juhan jun. war Cellist und wurde 1941 verhaftet. Sein Schicksal ist unbekannt.[4]

Von 1911 bis 1925 lebte Aavik in Tartu, Estland. Hier arbeitete er als Dirigent. Er war von 1911 bis 1915 Musikdirektor am Vanemuine und war einer der Gründer der Tartu Kõrgem Muusikakool [Höhere Musikschule Tartu], deren Direktor er von 1919 bis 1925 war. 1925 ging er nach Tallinn, wo er eine der führenden Figuren des dortigen Musiklebens wurde.[1][3] Er initiierte fast alle wichtigen Ereignisse des estnischen Musiklebens.[3] Bis 1933 war er Dirigent und Musikdirektor am Estonia Theater. Ab 1925 unterrichtete er am Konservatorium in Tallinn und wurde 1928 Professor. Von 1933 bis 1940 und von 1941 bis 1944 leitete er das Konservatorium als Direktor.[3] Von 1929 bis 1940 war er Vorsitzender des Estnischen Chorverbands, er war Gründungsmitglied der Vorgängervereinigung der Vereinigung der estnischen Komponisten, der Akademischen Gesellschaft der estnischen Musiker im Jahr 1924, Vorsitzender der Musikabteilung des estnischen Kulturministeriums von 1934 bis 1940, Leitender Dirigent der estnischen Liederfeste IX, X und XI und vieler anderer Liederfeste. Von 1924 bis 1940 war er Herausgeber und Co-Autor der Musikzeitung Musikaleht.[3] 1944 übersiedelte Aavik nach Schweden und wurde dort Dirigent der estnischen Liederfestivals von 1948 bis 1961.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Balti Humanistik Ühling [Baltische humanistische Gesellschaft] hat im Jahr 1968 einen Katalog mit den Werken Juhan Aaviks herausgegeben.[5] Er schuf über 200 Werke. Das Estonian Music Information Centre hat eine Liste mit Werken Aaviks veröffentlicht.[6]

Bühnenwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaval-Ants ja Vanapagan [Kaval-Ants und Vanapagan] op.100[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaval-Ants ja Vanapagan ist ein Singspiel nach dem Märchen von August Kitzberg. Das Sujet ist in Estland bekannt. Es handelt vom jungen Kaval-Ants der mit seiner Schläue seinen Herrn Vanapagan, ein teufelartiges Wesen, immer wieder hereinlegt. Es besteht aus drei Akten mit 22 Nummern für Solisten Chor und Sinfonieorchester.

Herbstraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sügisunelm [Herbstraum] ist eine Oper, die Juhan Aavik 1935 nach einem Libretto von Aksel Kaurahu, das er unter seinem Pseudonym Ell Undla schrieb, komponierte.

Werke für Orchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Suite op.2; 1915
  • Suite für Streicher; 1925
  • Zwei Volkslieder; 1928
  • Estnische Rhapsodie op.26; 1930
  • Drei estnische Volkslieder op.30
  • Festmarsch op.31
  • Laste söbrad [Freunde der Kinder] Suite; 1932
  • Puha hiis [Der heilige Hain] Sinfonisches Gedicht; 1933
  • Suite nach estnischen Volksliedern op. 42; 1936
  • Õitse, Eesti [Blühe Estland] op.46 Nr.1 Lied ohne Worte für kleines Orchester; 1936
  • Tervitusmarss [Salutiermarsch] op. 46 Nr.2; 1936
  • Fantasie; 1940
  • 3 Stücke; 1941
  • Estnische Trilogie op.65; 1942; I. Ürgaegadelt [Aus Urzeiten] II. Minevik [Vergangenheit] III. Olevik [Gegenwart]
  • Festliches Präludium für Streichorchester op.65 Nr.1; zur Eröffnung des Konservatoriums Tallinn am 16. Februar 1942
  • Aastaajad [Die Jahreszeiten]; Tetralogie;1945; I. Frühling II. Sommer III. Herbst IV. Winter
  • Sinfonie Nr. 1 d-moll; 1946; I. Moderato misterioso allegro II. Moderato III. Scherzo, Vivace IV. Finale, Allegro moderato; Dauer: 52 min.
  • Zwei Stücke für Streichorchester und Harfe op.103; 1947; I. Eleegia; II. Mälestus [Erinnerung]
  • Sinfonie Nr.2 e-moll; 1948
  • Drei Volkslieder; 1951
  • Vier runische Melodien op.135; 1955; I. Laulik [Der Sänger], II. Karjaselaul [Hirtenlied] III. Koots-kulli mäng IV. 4. Lõikuse laul [Erntelied]
  • Vier Legenden; 1955

Werke für Blasorchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Festmarsch; 1911
  • Dorfszene; 1931
  • Festmarsch Nr. 2 op.49 Nr.1; 1937
  • "Üles kuldrannakese poole" op. 49 Nr. 2; 1937
  • Gefallenenenehrung op.73 Nr.1; 1940
  • Õitse, Eesti [Blühe, Estland] op.73 Nr.2; 1940

Werke für Soloinstrumente und Orchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klavierkonzert; 1943
  • Violinkonzert op.90; 1946; I. Allegro moderato; II. Andante espressivo; III. Finale
  • Cellokonzert op.109; 1949; I.Moderato rubato e appassionato II. Andantino con amore III. Finale
  • Kontrabasskonzert op.111; 1950; Ludwig Juht gewidmet

Werke für Chor und Orchester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kodumaa [Heimat] op.9; Kantate für Bariton, gemischten Chor und Sinfonieorchester; Text Villem Ridala; 1915/1920
  • Widmung; Kantate für Bariton, gemischten Chor und Orchester; Text: Arno Raag; 1929
  • On ilus Eestis elada [Es ist schön, in Estland zu leben]; Text Peeter Grünfeldt; fü gemischten Chor und Sinfonieorchester

Werke für gemischten Chor a cappella[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hoja, Jumal, Eestis [Gott schütze Estland]; 1933
  • 12 estnische Choräle op.126
  • Requiem op.170; 1959
  • Suvelaul [Sommerlied]; Text: Jaan Bergmann[3]

Kammermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

für Flöte und Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erinnerungen an die Jugend II, op.96; 1945

für Kontrabass und Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fantasieparaphrase; 1947

für Trompete und Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Drei Stücke für Trompete und Klavier op. 179; 1969

für Viola und Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elegische Suite; 1945
  • Pastorale op. 130a; 1955
  • Rahulik viis [Ruhige Melodie] op.159; 1959; Bearbeitet eine gleichnamigen Klavierstückes

für Violine und Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albumblatt; 1936
  • Erinnerung an die Jugend op.88; 1944
  • Schicksal und Hoffnung op.37 Nr.1; Lied ohne Worte; 1945
  • Dei Tänze; 1945; I. Gavotte II. Poco allegretto moderato III. Minuet
  • Poem; 1945
  • Violinsonate; 1952
  • Fantasie op.130; zur Erinnerung an die Deportierten; für Violine mit Klavier oder Orgel; 1955; "Die weite emotionale Spannbreite der Fantasie wird durch umfangreich Struktur erreicht, von stark kontrastierenden Timbres, die durch ein konservatives Harmonieschema ausbalanciert werden."[7]
  • Pastorale op.133b; 1956
  • Lied ohne Worte op.140; 1956

für Violoncello und Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lied der Hoffnung; 1945
  • Lyrische Stücke, Suite; 1945
  • Meie Intsu, meie Antsu

für 2 Violinen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Poem op.80; 19443 Stücke

für Klaviertrio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaviertrio; 1957
  • Poem

für 2 Piccoloflöten und Querflöte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Trio

für Streichquartett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Suite für Streichquartett; 1915

für Streichquartett und Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • [Gott schütze, Estland]; 1951

für Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Orgelsonate op.114; I. Allegro moderatomaestoso, II. Andante misterioso III. Finale, Allegro energico; 1951[8]
  • Pastorale op.133[9]
  • Sanctus op. 148 Nr. 1[9]
  • Gebet op. 148 Nr. 2[9]

für Klavier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaviersonate op.1; 1911
  • Erinnerungen an Porkuni op,27; 1930
  • Capriccio op.28; 1930/1931
  • Tango op.32; 1932
  • Erinnerungen an die Jugend op.47; 1940
  • Etüde in C-Dur op.50; 1938
  • Album für die Jugen und Musik zu Hause op.78; 1942
  • Serenade op. 81; für Alma Aaviks Geburtstag, 1940

Er schrieb noch viele weitere Klavierstücke; Kammermusikwerke, Chorwerke mit Instrumenten und acapella, und viele Lieder. Er schrieb auch sehr viele Musikstücke und Lieder füt Kinder.[3]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In den Jahren 1965 bis 1969 veröffentlichte er in Stockholm eine vierbändige estnische Musikgeschichte; Geschichte der estnischen Musik in 4 Bänden; Stockholm; Band 1 und 2, 1965;[10] Band 3 und 4, 1969; (estnisch)
  • Biografie: Muusika radadelt ; mälestusi ja mõlgutusi eluteelt; [Wege der Musik, Erinnerungen aus meinem Leben] ; Toronto; 1959 (estnisch)[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicolas Slonimsky: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. 7. Aufl. Schirmer Books, New York, NYNoten 1984, ISBN 0-02-870270-0.

Einspielungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Koduma op.9; Estnische Rhapsodie op.26; Suite nach estnischen Volksliedern op. 62; in: Eesti Helisalvestised 1939 = Estonian Sound Recordings 1939; Estnisches Rundfunkstaatsorchester; Ltg Juhan Aavik; EMTA; 2009/2010[12]
  • Fantasie op.130 für Violine und Orgel; in: Works for Violin & Organ Vol.6; Robert Murray (Violine); Ardyth Lohuis (Orgel); Raven OAR-923[13]
  • Fantasieparaphrase für Kontrabass und Klavier; in: Ludwig Juht – eine Legende; Lea Leiten (Klavier), Kaupo Olt (Kontrabass); 2007
  • Hoja! Jumal! Eestit!; in:"Songs through the year",J. Pärg; 2003[3];
  • CD „Estonia, my native land“, Eesti Kaitseväe Orkester (1998); Orchestra of the Defence Forces, Estonian National Male Choir, Ltg. Peeter Saan

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilddokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der digitalen Fotodatenbank des estnischen Nationalarchivs: (englisch)

Noten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chorwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Digitalarchiv Der Nationalbibliothek Estlands DIGAR:

Tondokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Digitalarchiv Der Nationalbibliothek Estlands DIGAR:

Juhan Aavik als Dirigent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Aavik, Andres – Eesti Entsüklopeedia. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  2. Juhan Aavik. In: Mart Saar; Cyrillus Kreek; Anton Kasemets (Hrsg.): Eesti lauluvara; Koorilaulude antoloogia. Band I, 1925, S. 121 ff. (estnisch, digar.ee).
  3. a b c d e f g h Art Media Agency OÜ, http://www.artmedia.ee/: Aavik, Juhan | Estonian Music Information Centre. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  4. Juhan (Johann) Aavik. Abgerufen am 8. Februar 2017 (amerikanisches englisch).
  5. Juhan Aavik : helitööde nimestik = catalogue of works | DIGAR. Abgerufen am 10. Februar 2017 (estnisch).
  6. Art Media Agency OÜ, http://www.artmedia.ee/: Aavik, Juhan | Estonian Music Information Centre. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  7. Raven Pipe Organ CDs and Choral CDs – Works for Violin & Organ, Vol. 6, An International CollectionThe Murray / Lohuis Duo – [OAR-923.] Abgerufen am 10. Februar 2017.
  8. Juhan Aavik: Orgelsonate op. 114. Hrsg.: Wolfgang Lindner. Eres Edition, Lilienthal/Bremen 2001, S. 76.
  9. a b c Juhan Aavik: Drei Stücke; Noten für Orgel von Juhan Aavik. Hrsg.: Wolfgang Lindner. Eres Estonia Edition, Lilienthal/Bremen 2001.
  10. Juhan Aavik: Eesti muusika ajalugu. Band 1. Eesti Lauljaskond Rootsis Väljaanne, Stockholm, OCLC 810563106 (estnisch).
  11. Juhan Aavik: Muusika radadelt ; mälestusi ja mõlgutusi eluteelt. Orto, Toronto 1959, OCLC 9093664 (estnisch).
  12. Titelliste-eres_EEET27_Estonian-Sound-Recordings-1939. notenpost.de, abgerufen am 9. Februar 2017 (PDF).
  13. Raven Pipe Organ CDs and Choral CDs – Works for Violin & Organ, Vol. 6, An International CollectionThe Murray / Lohuis Duo – [OAR-923.] Abgerufen am 10. Februar 2017.