Julius Civilis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Rheingrenze des Römischen Reichs um das Jahr 70 n. Chr.

Julius Civilis (* 25; † nach 70), mit vollständigem Namen Gaius Iulius Civilis (falsch Claudius Civilis), führte im 1. Jahrhundert n. Chr. einen germanischen Aufstand gegen Rom an. Er stammte aus einem vornehmen batavischen Geschlecht und war Präfekt einer Auxiliarkohorte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Julius Civilis entstammte einer adeligen Familie der germanischen Bataver, die am nordwestlichen Niederrhein im Bereich der heutigen Betuwe in den Niederlanden siedelte und zunächst mit den Römern in Freundschaft lebte. Schon früh kam er in römische Dienste als Anführer batavischer Auxiliartruppen. Auch sein Bruder Claudius Paulus war in römischen Diensten, ebenso ein Neffe mit Namen Julius Briganticus (der im Bataveraufstand allerdings eine Gegenposition zu Civilis einnahm). Civilis hatte im Kampf ein Auge eingebüßt; er war verheiratet und hatte (mindestens) einen Sohn – beide, Frau und Sohn, überstellte er während des Bataverkrieges als Geiseln nach Köln in die Stadt der Ubier.[1]

Allerdings fielen Civilis und sein Bruder während der Regierungszeit des Kaisers Nero (54 – 68 n.Chr.) in Ungnade: Claudius Paulus wurde durch den römischen Heerführer Fonteius Capito hingerichtet, Civilis wurde in Ketten nach Rom gebracht. Nach dem Tode Neros wurde Civilis durch den Nachfolgekaiser Galba begnadigt und in Niedergermanien wieder als Kohortenführer eingesetzt.

Galba war der erste von drei weiteren Kaisern im Vierkaiserjahr, gefolgt von Otho, der nach kurzer Regierungszeit ermordet wurde und dem der niedergermanische Heerführer Vitellius als – vorübergehender - Kaiser folgte. Auch unter Vitellius wurde Civilis des Verrates beschuldigt, konnte aber fliehen. Insgeheim unterstützte Civilis anfangs die Absichten des späteren Kaisers Vespasian, als dessen „Freund“ er sich bezeichnete.[2]

So war der Bataverführer von negativen persönlichen Erfahrungen im Römerheer vorgeprägt. Im Jahre 69 nützte Civilis die fortdauernden Unruhen in Italien nach dem Tod Kaiser Neros und der anderen sich gegenseitig beseitigenden Kaiser für eine Erhebung der Germanenstämme am Rhein unter Führung der Bataver und mit Unterstützung rechtsrheinischer Germanen unter der Seherin Veleda.[3]

Bataveraufstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bataveraufstand [4] hatte laut Tacitus das Ziel eines von Rom unabhängigen Gebietes im Norden Westeuropas. Die moderne Forschungsliteratur geht jedoch davon aus, dass Civilis zunächst für Vespasian in den Bürgerkrieg eingegriffen hat und erst später – die Gründe hierfür sind umstritten – gegen Rom an sich kämpfen musste (vgl. Urban, Bataveraufstand).

Nach und nach schlossen sich weitere germanische Stämme (u.a. Caninefaten, Brukterer, Tenkterer, Cugerner, zuletzt auch (allerdings vorübergehend) die Kölner Ubier) dem Civilis an. Auch gallische Stämme schlossen sich der Revolte an, unter anderem die Treverer unter Julius Classicus und die Lingonen unter Iulius Sabinus. Sogar einige römische Legionen traten zu Civilis über (in der Annahme, dieser unterstütze Vespasian).

Civilis kämpfte inzwischen aber nicht mehr für Vespasian, sondern für eine Loslösung der Bataver von römischer Oberhoheit. Zwischenzeitlich nahmen Civilis’ Truppen unter anderem die Lager Vetera (bei Xanten), Novaesium (Neuß) und Bonna (Bonn) ein. Auch die Kämpfe bei Gelduba (Krefeld-Gellep) wurden von Tacitus ausführlich geschildert.

Nach Ende der Wirren des Vierkaiserjahres brachte der neue Herrscher Vespasian durch seine Truppen unter dem General Quintus Petillius Cerialis die verlorenen Gebiete wieder nach und nach unter Kontrolle des Reiches. Zuerst gaben die gallischen Stämme den Kampf auf, auch die Ubier unterstellten sich wieder den Römern.

Civilis kapitulierte schließlich im Jahre 70. Die (unvollständig erhaltenen) „Historien des Tacitus“ schildern als letztes die „Kapitulationsrede“ des Civilis an der abgerissenen Brücke eines Flusses nahe der Aufspaltung des Rheins in Waal und Nederrijn.[5]

Über sein weiteres Leben ist nichts bekannt.

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Gedenktafel für ihn fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tacitus: Historiae IV, Kapitel: 26, 32–33, 35–36, 58 ff.
  2. Tacitus: Historiae V, Kapitel: 10 - 26
  3. Tacitus: Historiae IV, Kapitel: 21 - 27
  4. Tacitus: Historiae IV, Kapitel: 26, 32–33, 35–36, 58 ff. - Historiae V : Kapitel 15 - 26
  5. Tacitus: Historiae V, Kapitel: 26

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sammlung: Hans-Werner Goetz, Karl-Wilhelm Welwei (Hg.): Altes Germanien. Bd. II. Darmstadt 1995, S. 171–261.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Martin Ausbüttel: Germanische Herrscher. Darmstadt 2007, ISBN 978-3-89678-603-6, S. 39–51.
  • Georg Heinrich Kaufmann: Civilis: Julius C. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 268 f.
  • Oliver Schmitt: Anmerkungen zum Bataveraufstand. In: Bonner Jahrbücher 193 (1993), S. 141–160
  • Ralf Urban: Der „Bataveraufstand“ und die Erhebung des Iulius Classicus. Verlag Trierer Historische Forschungen, Trier 1985, ISBN 3-923087-07-1 (Trierer historische Forschungen, Band 8).
  • Ralf Urban: Die Revolte des Iulius Classicus und des Iulius Sabinus. In: (ders.): Gallia rebellis. Erhebungen in Gallien im Spiegel antiker Zeugnisse. Stuttgart 1999