Kastell Gariannonum

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Kastell Burgh Castle
Alternativname a) Garrianonum,
b) Gariannum,
c) Gariannonum,
d) Garianonum,
f) Garriano
Limes Britannien
Abschnitt Strecke 3, Sachsenküste
Datierung (Belegung) 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr.
Typ a) Reiterkastell,
b) Flottenkastell?
Einheit a) Equites Stablesiani Gariannonensis,
b) Classis Britannica?
Größe ca. 2,4 ha
Bauweise Steinbauweise
Erhaltungszustand quadratische Anlage mit abgerundeten Ecken und vorspringenden Rundtürmen,
Mauern der Nord-, Süd- und Ostseite noch gut erhalten,
die Westseite ist durch Erosion verschwunden
Ort Burgh Castle
Geographische Lage 52° 35′ 8″ N, 1° 39′ 19″ OKoordinaten: 52° 35′ 8″ N, 1° 39′ 19″ O
hf
Vorhergehend Kastell Walton Castle (südwestlich)
Anschließend Kastell Caister-on-Sea (nördlich)
Die Sachsenküstenkastelle um 400 n. Chr.
Befundplan
Aufriss der Kastellmauer
Detailansicht Ziegelbänder
Eingestürzte Sektion des Nordwalls
Ostmauer
Osttor
Rundturm an der Ostmauer
Südmauer
Blick vom Breydon Water auf die zerstörte Westseite

Gariannonum, auch Garrianonum oder Garriano, heute Burgh Castle, eine Gemeinde (Parish) im District Great Yarmouth, County of Norfolk in England, war ein im späten 3. Jahrhundert n.Chr. erbautes römisches Kastell. Es sicherte zusammen mit dem Kastell in Caister-on-Sea an diesem Abschnitt der sog. Sachsenküste das Mündungsgebiet dreier Flüsse. Während seiner langen Geschichte war dies auch der Standort einer normannischen Burg und vielleicht auch eines frühchristlichen Klosters. Das Areal ist für Besucher kostenlos zugänglich. Die Kastellruine steht heute unter dem Schutz des English Heritage.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der antike Name Gariannonum stammt ursprünglich von der Benennung des Flusses Gariennus (Yare), in der Geographica (2, 3, 4) des Ptolemäus aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert. Er hat vermutlich keltische Wurzeln, bedeutet der "murmelnde, gurgelnde Fluß". Die beiden bisher bekannten SK-Kastelle an der Yare-Mündung, Caister-on-Sea und Burgh Castle bildeten organisatorisch wohl eine Einheit. Es ist möglich, dass beide von den Römern als Gariannonum bezeichnet wurden.[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage befindet sich am Ostufer des Waveney, sechs Kilometer westlich von Great Yarmouth im Naturschutzgebiet des Broads National Park. Das Kastell wird nicht – wie einige andere an der Sachsenküste – in Strabons Geographica erwähnt was aber nicht verwundert, da es erst im 4. Jahrhundert n. Chr. erbaut wurde. Der Yare wird in diesem Werk als Gariennus bezeichnet, gelegen zwischen den Metaris Aestuarium (heute Wash) im Norden und einer nicht näher bezeichneten Landzunge im Süden. Von dort aus hatte die Besatzung einen guten Überblick nach Westen über die Flüsse Bure, Yare und Waveney und über das sie umgebende Marschland. Das Lager steht auf einem Plateau, am Südufer des Mündungstrichters. Im Westen fällt es steil in Richtung zum Waveney ab. Das benachbarte Kastell von Caister-on-Sea befindet sich an der gegenüberliegenden Seite des Aestuars. Besonders wichtig für den Schiffsverkehr war der Yare. Römerstraßen von und nach Gariannonum sind nicht bekannt, wahrscheinlich wurde es nur von See aus versorgt. Die Verbindung zu anderen Kastellen oder Siedlungen an der Sachsenküste wie z. B. Venta Icenorum (Caistor by Norwich) konnte rasch und bequem auf dem Wasserweg, über die Flüsse Yare und über den Bure nach Brampton aufrechterhalten werden. Ob eine Landverbindung nach Caister-on-Sea existierte ist in der Forschung noch umstritten.[2]

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Küstenlinie um Burgh Castle hat sich in den letzten 2000 Jahren durch Sedimentanlagerungen stark verändert. In römischer Zeit lag der Meeresspiegel dort noch viel höher. Das Lager stand am östlichen Rand eines breiten Mündungstrichters dreier Flüsse, der das ganze heutige Marschland bedeckte. Die Schiffe konnten direkt neben dem Kastell anlegen und auch die drei Flüsse befahren. Breydon Water ist alles, was heute von dem einstigen Ästuar geblieben ist.

Forschungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Ausgrabungen wurden in den Jahren 1850 und 1855 vorgenommen. Zwischen 1958 und 1961 entdeckte man Spuren von einigen der inneren Gebäudestrukturen. Funde von römisch-sächsischer Keramik und einiger Glasgefäße innerhalb der Festung, sowie ein außerhalb befindliches Gräberfeld aus dem 5. Jahrhundert ließen eine Ansiedlung in unmittelbarer Nähe des Kastells annehmen. Charles Green legte in den Jahren von 1960-1961 Reste einer frühmittelalterlichen Holzkirche in der südwestlichen Ecke des Lagers frei. Der Abschlussbericht über seine Ausgrabungen wurde von Stephen Johnson überarbeitet und herausgegeben.[3]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kastell wurde vermutlich zwischen 260 und 270 n. Chr. erbaut. Die frühesten römischen Münz- und Keramikfunde stammen aus der Mitte des 3. Jahrhunderts. Es gibt keinen Beweis für eine römische Besetzung vor dieser Zeitperiode. Kontrolle und Überwachung der Südostküste Britanniens erfolgte in dieser Zeit durch eine Kette von Wach- bzw. Signaltürmen und Kastellen. Die meisten dieser sog. "Sachsenküstenkastelle" dienten auch als Flottenstützpunkte. Die ersten Lager wurden wahrscheinlich während der Herrschaft des Kaiser Probus in Auftrag gegeben. Sie wurden später in die Festungskette des Litus Saxonicum integriert. Wann genau oder auf wessen Veranlassung ist unbekannt, möglicherweise geschah dies im Auftrag des Carausius, der ab 286 dort weitere Signalstationen, Kastelle und befestigte Häfen errichten ließ. Die römische Armee legte diese Kastelle bevorzugt an exponierten Küstenbereichen, hier besonders an Flussmündungen an. Diese hatten auch Verbindung zu den Militärlagern und befestigten Hafenstädten auf dem gallischen Festland. Gegen Ende des 3. Jahrhunderts erstreckte sich entlang der SO-Küste ein dichtes Netz aus teils stark befestigten Kastellen, die wegen der stetig steigenden Überfälle von Franken und Sachsen für die Verteidigung der wirtschaftlich am weitesten entwickelten Regionen Britanniens zunehmend an Bedeutung gewannen. In der Grafschaft Norfolk konnten drei Standorte von Sachsenküstenkastellen nachgewiesen werden: Burgh-Castle, Caister-on-Sea und Brancaster im Nordwesten.

Die Funktion der Lager haben sich wohl im Laufe der Zeit geändert. Vielleicht dienten die Küstenkastelle vor Etablierung des Militärbezirkes der Sachsenküste als Stützpunkte der Kanalflotte zum Schutz der Handelsschiffahrt. Die Überfälle sächsischer und fränkischer Plünderer vom Festland nahmen im 4. Jahrhundert n. Chr. jedoch stetig zu. Hauptaufgabe der Kastellbesatzungen war nun die Abwehr der Invasoren. Die Kastelle konnten durch eine Reihe von Signalstationen miteinander ständigen Kontakt halten. Die Standorte einiger dieser Stationen konnten von den Archäologen lokalisiert werden, viele sind allerdings durch die Erosion der Küste im Laufe der Zeit im Meer versunken. Gemeinsam mit der Besatzung von Caister-on-Sea überwachten die in Burgh Castle stationierten Soldaten die Einfahrt zu den - damals noch schiffbaren - Flüssen. Für mehr als ein halbes Jahrhundert konnten diese Überfälle ziemlich erfolgreich abgewehrt werden. 367 kam es jedoch zu einem konzertierten Angriff der Sachsen, Pikten und Scoten auf Britannien. Die meisten der Sachsenküstenkastelle mussten aufgegeben werden. Der Befehlshaber der Küstenregionen (comes maritimus tractus) geriet in einen Hinterhalt und wurde getötet.

Die im Kastell Burgh Castle aufgefundenen Münzen und Tonscherben lassen annehmen, dass es bis Anfang des 5. Jahrhunderts (407-408) besetzt war. Das römische Militär zog sich um diese Zeit endgültig aus Britannien zurück. Die Festung war aber noch bis weit in angelsächsische Zeit bewohnt, wie ein Gräberfeld südlich des Lagers annehmen läßt. Laut dem Chronisten Bede wurde sie Mitte des 7. Jahrhunderts von Sigbert, dem König der Ostangeln, an den irischen Missionar Fursa übergeben. Dieser gründete dort wahrscheinlich ein Kloster und eine befestigte Siedlung zum Schutz der Bevölkerung vor fränkischen Seeräubern. Ein christlicher Friedhof innerhalb der Kastellmauern war vom 7. bis zum 10. Jahrhundert belegt. Nach dem Untergang der angelsächsischen Klostersiedlung verödete der Platz. Im Zuge der normannischen Invasion wurde er einem Gefolgsmann Wilhelm des Eroberers als Lehen übergeben um hier eine kleine Holz-Erde-Befestigung zu errichten. Sie scheint aber nur kurz besetzt gewesen zu sein und wurde - anders als die meisten Burgen der normannischen Frühzeit - nicht in Stein um- bzw. neu aufgebaut. Auch eine kleine Töpferei dieser Zeitperiode scheint nur kurzzeitig betrieben worden zu sein. Das Kastell wurde 1995 vom Norfolk Archaeological Trust erworben. Der Grundbesitz erstreckt sich über die römischen Mauern hinaus und umfasst insgesamt 37 Hektar. Dadurch wurde sichergestellt, dass auch die noch im Boden vergrabenen Überreste der römischen Zivilsiedlung darin einbezogen wurde, um sie so für zukünftige Untersuchungen zu bewahren.[4]

Kastell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Befunde zeigen, dass man sich noch während der Bauzeit entschloss, vom ursprünglichen Plan abzuweichen und das Kastell den damals neuentwickelten Festungsbaumethoden anzupassen. Ansonsten entsprach seine Konstruktion noch dem eines Lagers des 2. Jahrhunderts n. Chr., besonders gut erkennbar an den abgerundeten Ecken. Der Kastellgrundriss bildet ein unregelmäßiges, nach NO ausgerichtetes, 205 × 100 Meter messendes Rechteck und umschloss ein Areal von ungefähr 2,4 ha. Die Ostseite ist um 15 m kürzer als die Westseite, die ungefähr 205 m lang war. Selten für römische Militärbauten sind große Abschnitte der Wehrmauer und die noch erhaltenen Zwischentürme des Kastells fast bis zu ihrer ursprünglichen Höhe erhalten geblieben. Die Außenseiten der Mauer weisen heute aber stellenweise große Lücken auf da im Laufe der Jahrhunderte das Steinmaterial für andere Bauvorhaben abgeschlagen wurden. Die Innenfläche und die unmittelbare Umgebung des Lagers werden landwirtschaftlich genutzt. Reste von Gebäuden aus römischer Zeit oder dem Frühmittelalter sind dort keine mehr zu sehen.

Umwehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Breite der Mauer variiert an manchen Stellen. Der Westwall und Teile des Nord- und Südwalles sind 2,02 Meter dick, während der massivere Ostwall, erbaut auf etwas höherem Grund, mehr als 3,02 Meter in der Breite misst. Letzterer zählt zu den am besten erhaltenen Abschnitt. Die Mauern Garrianonums waren wesentlich breiter und höher als die der mittelkaiserzeitlichen Kastelle. Dies war auch eine Folge der zunehmend defensiven Kampftaktik der römischen Armee. Die Mauern haben eine breite Basis, verjüngen sich nach oben hin und stehen völlig frei. Ein markanter Unterschied zu den Umwehrungen des 1. und 2. Jahrhunderts die noch über vertikale, an der Rückseite der Wälle aufgeschüttete Erdrampen als Wehrgänge verfügten. An ihrer Oberseite befand sich stattdessen wahrscheinlich ein mit Zinnen bewehrter Wehrgang, der über Holzleitern oder steinerne Treppenaufgänge zugänglich war. Die westliche Mauersektion wurde im Lauf der Jahrhunderte vom Yare unterspült und stürzte schließlich auf ihrer gesamten Front ein. Nur ihre Fundamente konnten tw. noch nachgewiesen werden (Ausgrabungen von 1958-1962). Die größtenteils aus Flintstein bestehende Ringmauer ragt an einigen Stellen heute immer noch bis zu einer Höhe von 4,6 Meter auf. Die für die Spätantike typischen Ziegelbänder an der Außenseite. Nach 5 oder 6 Reihen der Feuersteinverblendung folgen drei Ziegelreihen im Abstand von 1,5 bis 1,8 Meter. Sie sorgen für eine zusätzliche Festigung der äußeren Verblendung an den Gussmörtelkern aus vermörtelten Feuersteinbruch. In der Südmauer fanden sich hingegen nur wenig Ziegelsteine. [5]

Türme und Tore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das besondere Interesse der Forscher galt den äußerst massiv konstruierten, bastionartigen Zwischentürmen: Es scheint auch, dass im ursprünglichen Plan die Anlage von vier intern angesetzten, quadratische Ecktürme nach mittelkaiserzeitlichen Standard vorgesehen war. Sie wurden aber nie fertiggestellt bzw. nach der Planänderung wohl gleich wieder abgebrochen. Danach wurden zehn Rundtürme, die in regelmäßigen Intervallen zueinander standen hochgezogen. Sie wurden von den römischen Ingenieuren vor der Mauer platziert und ermöglichten es bei Belagerungen von beiden Seiten ein konzentriertes Abwehrfeuer gegen Angreifer abzugeben, die schon bis zu den Wällen vorgedrungen waren. Sie wurden offensichtlich erst nachträglich hinzugefügt, nachdem die Mauer schon eine Höhe von 2,1 Meter erreicht hatte. Ihr inneres war nicht hohl, sondern komplett mit Gußmörtelwerk verfüllt. Auf ihren Plattformen konnten u.a. schwere Schleudergeschütze aufgestellt werden. Ob sie mit einem Ziegeldach abgedeckt oder nur mit Zinnen bewehrt waren ist unklar. In der Mitte der Plattform befindet sich eine Vertiefung, vielleicht zur Befestigung einer Holzstruktur, oder einer Ballista. Heute sind noch sechs dieser Türme, einer an der Südmauer, einer an der Südostecke, zwei an der Ostmauer, einer an der Nordostecke und einer an der Nordmauer erhalten. Die Türme an der Nord- und Südmauer sind durch Erosion von ihren ursprünglichen Positionen abgerutscht. Auf jeder Seite befand sich ein Tor. Sie hatten - im Gegensatz zu den meisten mittelkaiserzeitlichen Kastellen - nur mehr eine Durchfahrt und waren wohl nur einfache Pforten ohne spezielle Schutzbauten. In der Mitte des Ostwalles befand sich das Haupttor (porta praetoria).

Innenbebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Gebäude im Innenbereich des Kastells ist nur wenig bekannt. Dort fanden sich Spuren einer flächendeckenden Bebauung aus einem Mix aus Holz- und Steinbauten die in die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts datiert werden konnte. Sie waren noch im Stil der mittleren Kaiserzeit angeordnet. Die Gebäude in den nordöstlichen und südwestlichen Sektoren waren hingegen mit der Rückseite an die Festungsmauern angebaut worden und stammten wohl aus den 340er Jahren. Innerhalb der Südwand und an der nordöstlichen Ecke sieht man noch die Fassungen ihrer Stützbalken. Sie wurden bald nach ihrer Fertigstellung durch ein Feuer zerstört. Sie hatten entweder niedrige Steinmauern oder bestanden zur Gänze aus Holz. Über ihr genaues Aussehen und ihren Zweck ist nichts bekannt. Im Lager wurde auch ein Verwahrfund, bestehend aus 11 Glasgefäßen, Schüsseln, Flaschen und Bechern entdeckt. Vermutlich kam er im frühen 5. Jahrhundert in den Boden, als das Kastell verlassen wurde. Die Gefäße sind stilistisch eine Mischung aus römischen und germanischen Formen und wiesen eine hohe Verarbeitungsqualität auf. An Funden konnten Münzen, Keramik, Werkzeug, Messer, Tierknochen, Ziegel und Baumaterialreste geborgen werden. [6]

Garnison[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kastell konnten bis zu 1000 Infanteristen oder 500 Kavalleristen samt ihren Pferden untergebracht werden.

Zeitstellung Truppenname Beschreibung
3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Equites Stablesiani Gariannonensis
("die Gardereiter in Gariannonum")
Laut der Notitia Dignitatum beherbergte Gariannonor eine Reitereinheit der Provinzgarde. Ursprünglich eine aus dem Rheinland stammende Truppe, die unter dem Oberkommando des Comes litoris Saxonici per Britanniam stand. Das Kastell selbst wurde von einem Offizier im Range eines praepositus befehligt. Für die Anwesenheit dieser Kavalleristen in Burgh Castle spricht auch der Fund eines spätrömischen Helms der in der Zeit um 350 n.Chr. angefertigt wurde. Er war zum Zeitpunkt seiner Auffindung in einem sehr schlechten Zustand. Erhalten waren nur Fragmente der Kalotte, des Nasenschutzes und des Stirnreifs. Anfänglich glaubten die Ausgräber, nur einen Eiseneimer vor sich zu haben. Als er schließlich als Militärhelm erkannt wurde, konnte mit Vergleichsstücken vom Kontinent sein Aussehen annähernd rekonstruiert werden. Er ist eines der wenigen erhaltenen Beispiele eines Kammhelms.
3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Classis Britannica ("die britannische Flotte") Ob im Hafen des Kastells auch Einheiten der Kanalflotte dauerhaft stationiert waren ist nicht überliefert aber aufgrund der Lage des Kastells doch sehr wahrscheinlich.[7]

Vicus und Hafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahmen und einige Bodensondierungen haben gezeigt, dass östlich des Kastells eine größere Zivilsiedlung (vicus) gestanden haben muss. Ihre Gebäude bestanden wohl größtenteils aus Holz. Reste sind heute keine mehr zu sehen. Der Hafen dürfte sich westlich des Kastells, im Bereich des Breydon Water befunden haben.

Angelsächsische Klosteranlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abzug der Römer wurde das Kastell von Angelsachsen besiedelt. Das beweisen Reste von Holzbauten und über 160 Bestattungen (700-900), die zwischen den 1950er und 1960er Jahren dort ausgegraben wurden. Burgh Castle wird oft mit dem heiligen Fursa, einem Missionar aus Irland, der bei der Christianisierung Ostangliens beteiligt war in Verbindung gebracht. Fursa wurde von König Sigebert um 630 Land übereignet, um dort ein Kloster zu errichten. In der Überlieferung wird dieser Ort Cnobheresburh genannt. Bei den Ausgrabungen in den 1960er Jahren wurden Reste einer Holzkirche in der südwestlichen Ecke des Lagers freigelegt, zusammen mit einem intramuralen christlichen Friedhof etwas nördlich davon. Einige ovale Hütten (Abmessungen zwischen 5 Metern und 8 Metern) im nordöstlichen Winkel der römischen Festung könnten als Mönchszellen oder Werkstätten interpretiert werden. Münzen und Ipswichtonware lassen vermuten, dass sie vom 8. bis zum 9. Jahrhundert bewohnt war. Das Kloster könnte aber auch im nahe gelegenen Kastell von Caister-on-Sea gestanden haben, wo von den Archäologen ebenfalls viele angelsächsische Bestattungen vorgefunden wurden. Die frühen Klostergemeinschaften in Großbritannien wählten als Wohnsitz oft römische Befestigungen, da sie als Königsland galten. Die St. Peter und Paul Kirche liegt unmittelbar nördlich von Burgh Castle. Sie stammt wahrscheinlich ebenfalls aus der späteren angelsächsischen Zeitperiode. In ihren Wänden sind einige wiederverwendete römische Ziegelsteine verbaut.[8]

Normannische Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im späten 11. Jahrhundert wurde in der südwestlichen Ecke des Lagers von den Normannen eine kleine Burg errichtet. Von ihr ist nur noch eine flache Erhebung zu sehen, der Rest eines künstlich aufgeschütteten Hügels, auf der einst ein massiver Holzturm (Motte) stand. Ein kleiner Hof befand sich nördlich und östlich der Motte. In die Festung wurde auch ein Teil der Südmauer des Kastells integriert. Die Bautrupps schlugen zur Anlage des Wehrgrabens eine Bresche in die römische Südmauer und legten eine Holzbrücke über den Graben auf der man in die Motte gelangen konnte. Die Anlage der Burg verursachte ein Absacken des Erdreiches, was diesen Abschnitt der römischen Mauer im Laufe der Zeit in eine gefährliche Schieflage brachte. In den letzten Jahren wurde die Fundamente dieser Mauerabschnitte stabilisiert, um ihr Umkippen zu verhindern. An der Westseite wurde ein Erdwall mit einer Holzpalisade als Brustwehr angelegt. Man kann heute noch sehen, wo der Graben die Südwand durchbrochen hat. Im Jahre 1770 wurde der Hügel teilweise entfernt. 1839 wurde der Hügel planiert und der Graben wieder aufgefüllt. Nur am südlichen Ende der Festung ist er noch deutlich sichtbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henry Swinden: The history and antiquities of the ancient burgh of Great Yarmouth in the County of Norfolk, 1772.
  • H. Harrod: Norfolk and Norwich Archaeological Society Norfolk archaeology: a journal of archaeology and local history. Nr. 5, 1859.
  • Nic Fields: Rome’s Saxon Shore Coastal Defences of Roman Britain AD 250–500. (Fortress 56), Osprey, Oxford 2006, ISBN 978-1-84603-094-9.
  • Jürgen Oldenstein: Kastell Alzey. Archäologische Untersuchungen im spätrömischen Lager und Studien zur Grenzverteidigung im Mainzer Dukat. 2009, S. 261 (hbz-nrw.de [PDF; 14,9 MB] Habilitationsschrift Universität Mainz 1992).
  • David Gurney: Outposts of the Roman Empire, A guide to Norfolk’s Roman forts at Burgh Castle, Caister-on-Sea and Brancaster, Norfolk Archaeological Trust, 2002.
  • David Gurney: Roman Norfolk, in T. Ashwin/A. Davison (Hrsgb.), An Historical Atlas of Norfolk, 3. Ausgabe, Phillimore, Chichester 2005, S. 28–29.
  • David Gurney: The Saxon Shore in Norfolk. A Festival of Norfolk Archaeology, Norwich, 1996.
  • Stephen Johnson: Burgh Castle: Excavations by Charles Green 1958–61, East Anglian Archaeology 20, 1983.
  • Stephen Johnson: The Roman Forts of the Saxon Shore. Elek, London 1976.
  • D.E. Johnston: The Saxon Shore. CBA research reports Vol.1 (1955), Nr.18, 1977.
  • Paul Bidwell: Roman Forts in Britain, English Heritage, London 1997.
  • J.A. Davies: The Land of Boudica: prehistoric and Roman Norfolk. English Heritage und Norfolk Museums & Archaeology Service, Norwich 2009.
  • Andrew F. Pearson: The Roman Shore Forts. Stroud-Tempus, 2002.
  • Andrew F. Pearson: The construction of the Saxon Shore Forts. Archaeopress, 2003.
  • Jacek Fisiak, Peter Trudgill: East Anglian English, Boydell & Brewer, 2001.
  • Roger Wilson: A Guide to the Roman Remains in Britain. Constable, 2002.
  • A.J. Morris: The Saxon Shore Fort at Burgh Castle. Proceedings o.t. Suffolk Institute of Archaeology, Nr. 24, 1948.
  • Anon: Outposts of the Roman Empire: A Guide to Norfolk's Roman Forts at Burgh Castle, Caister-on-Sea and Brancaster, Norwich, 2002.
  • Society for Promotion of Roman Studies The journal of Roman studies. Nr. 51, 1961, S. 183 und Nr. 52, 1962, S. 178.
  • D. B. Harden (Hrsgb.): Dark-Age Britain: studies presented to E.T. Leeds, with a bibliography of his works. 1956.
  • David M. Wilson (Hrsgb.): The archaeology of Anglo-Saxon England. 1976.
  • A.L.F. Rivet, Colin Smith: The place-names of Roman Britain. 1979.
  • Tom Williamson: The origins of Norfolk. The origins of the shire. 1993.
  • David Knowles, R. Neville Hadcock : Medieval religious houses in England and Wales. 1971.
  • List of Buildings of Special Architectural or Historic Interest. Great Yarmouth, 15. Juli 1988, S. 10.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gariannonum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Henry Swinden 1772, S. 2, Fisiak/Trudgill 2001, S. 40, Roger Wilson 2002, S. 245–246, A.L.F. Rivet/Colin Smith 1979, S. 366.
  2. A.J. Morris 1948, S. 100–120.
  3. Stephen Johnson 1983
  4. A. J. Morris 1947, S. 100–120.
  5. List of Buildings of Special Architectural or Historic Interest. Great Yarmouth, 1988, S. 10
  6. Jürgen Oldenstein, 2009, S. 261, A. J. Morris 1947, S. 100–120.
  7. Notitia Dignitatum Occ. XXVIII, 8: Praepositus equitum stablesianorum Gariannonensium, Gariannonor und ein Ziegelstempel von 395, Stephen Johnson: The Roman Forts of the Saxon Shore. 2. Auflage. Elek, London 1979, ISBN 0-236-40165-3, S. 68–69; Stephen Johnson: Late Roman fortifications. Batsford, London 1983, ISBN 0-7134-3476-7, S. 211–213.
  8. D.E. Johnston 1977, Seiten 1, 3, 25, 29, 63 und 72.
Die Mauern von Gariannonum in ihrem heutigen Zustand, Ansicht Innenbereich