Kaunitz-Wohnheim

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Kaunitz-Wohnheim

Das Kaunitz-Wohnheim (tschechisch: Kounicovy koleje) in Brno (Brünn), Tschechien, ist ein Studentenwohnheim der Veterinärmedizinischen und Pharmazeutischen Universität Brno. Während der deutschen Besetzung des Landes (verschleiernder NS-Begriff: Protektorat Böhmen und Mähren, 1939–1945) hat hier die dt. Gestapo ein Internierungs- und Straflager errichtet (Gestapogefängnis).[1][2]

Das Studentenwohnheim gehört davor und später wieder zur Masaryk-Universität Brünn und steht im Brünner Stadtbezirk Žabovřesky. Das Gebäude besteht aus zwei Wohnblöcken.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wurde in den Jahren 1922—1923 nach den Plänen des Architekten Karel Hugo Kepka gebaut. Das Bauwerk wurde von Graf Wenzel Robert von Kaunitz finanziert und ihm zu Ehren Kounic Studentenwohnheim genannt.[2]

Als die Nationalsozialisten im November 1939 in der Sonderaktion Prag alle tschechische Hochschulen im besetzten Landesteil schlossen, wurden 173 der im Kounic Studentenwohnheim untergebrachten Studenten festgenommen und in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Alle anderen Studenten mussten wegziehen. Seit Januar 1940 diente das Gebäude als Gefängnis der Brünner Gestapo-Stelle. Bis zum April 1945 durchliefen Zehntausende von Gefangenen das „Kounic-Wohnheim“, insbesondere aus dem politischen Widerstand, bevor sie in andere deutsche Konzentrationslager nach Österreich oder Deutschland abtransportiert wurden.

Mindestens 800 Personen wurden auf dem Innenhof durch Erhängen oder Erschießen ermordet. Die letzte Pseudo-Hinrichtung fand am 18 April 1945 statt. Am 26 April wurde Brünn durch die Rote Armee befreit.[3][2]

Nach Kriegsende, von April bis Juni 1945, wurden hier Deutsche von Tschechen inhaftiert und gefoltert. Nach einigen deutschen Zeugen sind dabei mindestens 2000 Menschen ums Leben gekommen.[4] Nach dem tschechischen Historiker Tomáš Staněk lag die Zahl der Nachkriegs-Todesopfer bei mindestens 300 Menschen.[5]

Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1976 wurde ein Denkmal "Der Sieg über den Faschismus" auf dem Innenhof enthüllt und seit 1978 wurden das Gebäude und das Denkmal zum Nationalen Kulturdenkmal erklärt.[6][2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gestapogefängnis Brünn. In: Das Bundesarchiv. 27. März 2001, abgerufen am 14. Juni 2017.
  2. a b c d NÁRODNÍ KULTURNÍ PAMÁTKA KOUNICOVY STUDENTSKÉ KOLEJE. In: GOtoBRNO. Abgerufen am 14. Juni 2017.
  3. Vojtěch Šír: Popraviště v protektorátu Čechy a Morava. In: Fronta.cz. 10. März 2010, abgerufen am 14. Juni 2017.
  4. Kriegsverbrechen – Dinge, die niemand begreift. In: Der Spiegel. 11. April 1951, abgerufen am 24. April 2016.
  5. Tomáš Staněk: Internierung und Zwangsarbeit: das Lagersystem in den böhmischen Ländern 1945 - 1948, R. Oldenbourg Verlag, München 2007, ISBN 978-3-944396-29-3.
  6. Miroslava Menšíková: Vítězství nad fašismem. In: Internetová Encyklopedie dějin Brna. 10. März 2010, abgerufen am 12. April 2014.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Spiegel (Hrsg.): Kriegsverbrechen – Dinge, die niemand begreift. 11. April 1951.

Koordinaten: 49° 12′ 29,4″ N, 16° 34′ 56,3″ O