Kielkropf

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Kielkropf ist eine unklar bestimmte, sagenhafte Bezeichnung für ein Kind, mitunter auch von Tieren, das aufgrund von Verwachsung oder geistiger Zerrüttung als Missgeburt angesehen und dessen Abstammung auf den Teufel, Zwerge oder Nixen zurückgeführt wird, literarisch auch für ein erdgeisthaftes, zwergenartiges Wesen. Teils gleichmeinend mit Wechselbalg gebraucht.

Vor allem in der germanischen Mythologie wird von den Kielkröpfen als Kinder der unterirdischen Dunkelelben (in der Snorra-Edda heißen diese Nachtalben) berichtet. Diese werden von den Unterirdischen in die Wiege eines Menschenkindes gelegt, das Menschenkind wird daraufhin geraubt und unter die Erde gebracht. Um das eigene Kind zurückzubekommen, muss die Mutter den Kielkropf zuerst zum Sprechen bringen und ihm dann Schläge androhen. Dadurch wird die echte Mutter des Elben zurückkehren und ihr Kind retten wollen.

Entstehung des Mythos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen mittelalterlichen und vormittelalterlichen Berichten und Sagen, die uns überliefert sind, wird der Kielkropf als ausgesprochen hässliches kleinkindliches Wesen mit übergroßem Kopf dargestellt, das in der für Menschenkinder üblichen Zeit weder Sprechen noch Laufen lernt. Ein Erklärungsansatz für die Entstehung der mythologischen Figur könnte die Erkrankung Hydrocephalus (umgangssprachlich „Wasserkopf“) sein, bei dem die Liquorräume des Gehirns sich pathologisch verändern und vergrößern, was zu einem unnatürlichen Wachstum des Schädels führen kann. Mit einigen Formen der Erkrankung gehen wesentliche Verzögerungen in der geistigen und motorischen Entwicklung einher.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände (in 32 Teilbänden). S. Hirzel, Leipzig 1854–1960. Band 11. Spalten 680–681 (Online).
  • Nancy Arrowsmith: Die Welt der Naturgeister. Wilhelm Goldmann GmbH, 1989, ISBN 3442088224
  • Ron van Valkenberg: Atlas der Naturgeister. Ludwig, München, 2002, ISBN 3778750674
  • Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch. Wigand, 1853 S.165 ff E-Book bei Google