Kind und Kegel

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Mit Kind und Kegel“ ist eine Redewendung in der Bedeutung „mit der gesamten Familie“ oder umfassend „mit Kindern, Haustieren und Gepäck“.[1] Sie bedeutet eigentlich „mit ehelichem und unehelichem Kind“, weil der frühmittelalterliche Ausdruck kekel das Kind aus einer Kebsehe bezeichnete (Ehe zwischen einem Freien und einer Leibeigenen);[2] diese ursprüngliche Bedeutung ging jedoch weitgehend verloren. Die Redewendung vereint zwei Stilmittel: Alliteration und Hendiadyoin.

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Kegel“ stammt ab vom althochdeutschen kegil, „Knüppel, Pflock“,[3] und hatte im Mittelalter die zusätzliche Bedeutung „uneheliches oder lediges Kind“, „Bastard“ oder „Kind einer Kebse/aus einer Kebsehe“. Vermutlich entspricht der Begriff ähnlich gewendeten und gleichfalls geringschätzigen Bezeichnungen wie „Bengel, Prügel, Stift“.[3] Durch die hohe Sterbensrate vor allem bei den Frauen (Geburten), kam es vor, dass nicht nur Kinder aus mehreren Ehen des Mannes in einem Haushalt lebten, sondern beim Tod des Mannes und der wirtschaftlich nötigen Wiederverehelichung der Witwe dann Kinder im Haushalt waren, die keine Eltern mehr hatten. Auch diese Waisen wurden der Einfachheit halber als Kegel bezeichnet, obwohl sie ehelich geboren waren, nun aber als außereheliche Kinder neben den ehelichen lebten.

Ein Kegel hatte weniger Rechte als ein eheliches Kind und wurde deshalb auch anders bezeichnet. Der Begriff „Kind“ bezeichnete damals keinen Lebensabschnitt, sondern einen Ehrenstatus, ähnlich dem Begriff „Herr“. Nach dem Ende des Mittelalters ging die soziale Bedeutung der Ehrenhaftigkeit im deutschen Kulturraum allgemein zurück, wobei sich auch der Begriff „Kind“ generalisierte und der Begriff „Kegel“ fast völlig aus der Sprache verschwand. Lediglich das Thüringische kennt den Begriff noch; dort wird ein ungezogenes, flegelhaftes Kind „Keschel“ genannt. Im Hochdeutschen ist nur noch die Redewendung „Kind und Kegel“ erhalten.

Im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm heißt es dazu:[4]

„diesz zeugnis reicht übrigens wol ins 13. jh. zurück. doch auch hier erscheint es nicht mehr selbstständig, sondern schon in der verbindung mit kind; diese verbindung, meist ‚kind und kegel‘, ist eine jener formeln, in denen ein sonst erstorbenes wort sich noch lange mit fortschleppt, und diese gerade, die noch heute lebendig ist, wird mit ihrem stabreim bis in die zeit der ältesten alliterierenden dichtung zurückreichen.“

Es folgt ein Beispiel zur Redewendung aus einer vor oder um die Lutherzeit stammenden scherzhaften Ansprache an die versammelten Universitätsmitglieder:[5]

„Nun hört, ir herren, alle gemain,
Payde grosse und auch klain,
Alt, jung, kegel und kind,
Alle, die hye gesamlet sind.“

Ähnliche Redewendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „mit Sack und Pack“: bezieht sich allerdings nicht auf Personen, sondern auf alles, was sich in Säcken und Packen[6] verstauen lässt.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: mit Kind und Kegel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Duden Online: Kind, das: Bedeutungen (3). Abgerufen am 16. Juli 2019; Zitat: „[…] – mit Kind und Kegel (mit der gesamten Familie; mittelhochdeutsch kegel, kekel = uneheliches Kind, wohl identisch mit kegel = Knüppel, Stock, Kegel)“.
  2. Lexikoneintrag: der Kêgel. In: Johann Christoph Adelung: Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Leipzig 1793–1801, Band 2, Spalte 1530; Zitat: „ein uneheliges Kind; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, welche nur in der im gemeinen Leben üblichen R. A. Kind und Kegel vorkommt, d. i. eheliche und uneheliche Kinder, oder die ganze Familie. Mit Kind und Kegel davon gehen, mit seiner ganzen Familie. Er hat weder Kind noch Kegel, keine nahen Erben.“
  3. a b Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 18. Auflage, S. ??.
  4. Kegel im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm.
  5. Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart. XLVI. Fastnachtspiele aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Nachlese. Von Adelbert von Keller. Stuttgart, 1858, S. 216 (i/j und u/v stellenweise dem Lautwert entsprechend angepasst)
  6. Duden Online: Packen, der. Abgerufen am 16. Juli 2019; Zitat: „Bedeutung: Ganzes von fest aufeinandergelegten, aufeinandergeschichteten [und zusammengebundenen, -gehaltenen] Dingen“.
  7. Duden Online: Sack, der: Bedeutungen (4). Abgerufen am 16. Juli 2019; Zitat: „[…] – mit Sack und Pack (mit aller Habe; eigentlich = alles das, was man in Säcken oder Packen verstaut)“.