Kirchweihtraditionen

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Die Kirchweih – zu deren dialektalen Bezeichnungen siehe dort – ist gespickt mit Traditionen und Ritualen, die oft einen historischen Hintergrund haben. Da aber diese häufig aus schlechteren Zeiten stammen, werden sie heute oft nur noch zur Belustigung der Kirchweihgesellschaft abgehalten. Wie am Beispiel der Kärwasau (Kirchweihschwein), die damals echt war und zur Feier auch tatsächlich geschlachtet wurde, schön zu sehen ist.

Zu den allgemein verbreiteten Bräuchen gehörten bereits im 15. Jahrhundert etwa das Kirchweihmal und der Kirchweihtanz.[1]

Kärwasau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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„Kärwasau“ ist ein fränkischer Ausdruck für Kirchweihschwein. Hauptsächlich gibt es diese Tradition in den ländlichen Gegenden Mittelfrankens. „Kärwasau“ war früher derjenige der „Kärwaburschen“ (Kirchweihbuben), der über die gesamte Kirchweih gesehen am meisten Bier vertragen hatte bzw. am betrunkensten war. Heute wird die „Kärwasau“ oft gewählt, bzw. es melden sich auch Freiwillige unter den Kirchweihbuben, weil es für dieses „Amt“ mancherorts eine Prämie gibt. Die „Kärwasau“ wird traditionell am Kirchweih-Montag im Bierzelt unter den Augen der Dorfbewohner „geschlachtet“. Dabei wird der „Erwählte“ von seinen Kollegen in einem Trog vom Festplatz in das Bierzelt getragen und in die Mitte des Bierzelts durch den Dorfmetzger „geschlachtet“. Der Metzger wirft dabei zur allgemeinen Belustigung echte Schweineohren und Ringelschwänzchen in die Menge, während sich die „Kärwasau“ im mit Wasser gefüllten Trog windet und sich scheinbar gegen das „Schlachten“ wehrt. Wer zu nah am Trog steht, muss damit rechnen, nach der Zeremonie triefend nass nach Hause zu kommen.

Bärentreiben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In vielen Orten der Oberpfalz, insbesondere im Landkreis Amberg-Sulzbach, gibt es in der Regel am Montag des Kirchweih-Wochenendes das Bärentreiben. Während des Kirchweihfestes küren die Kirwaburschen aus ihrer Mitte denjenigen, der sich am Montag als Bär verkleidet und durch das Dorf zieht. Im Gefolge hat der wilde Kirwabär seinen Treiber, der ihn zähmen soll. Dahinter folgen die gesamte Kirchweihgesellschaft und die Musikanten. Der Bär zieht von Haus zu Haus, tanzt mit der Hausherrin und verweilt für diverse leibliche Stärkungen. Besonders beliebt und gefürchtet zugleich ist der Kirwabär bei den Kindern. Sie kommen oft in großer Schar, um das Bärentreiben mitzuerleben.[2]

Weitere Kirchweihtraditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Kärwatüchla“ (hochdeutsch Kirchweihtuch) ist ebenfalls ein fränkischer Ausdruck. Traditionell trägt jeder Kirchweihbub ein weißes Hemd mit einem roten Tuch. Am Kirchweih-Montag um Mitternacht, wenn die Kirchweih offiziell zu Ende geht, nimmt jeder der Buben das Mädchen seines Herzens und bindet unter den Augen der Dorfbewohner dem Mädchen das Tuch um, das dann als Belohnung noch einen Kuss bekommt.[3]

Diese Tradition wird in manchen Gebieten Frankens sehr ernst genommen. So ist es mancherorts den Kirchweihburschen untersagt, sich während der Kirchweih ohne umgebundenes „Kärwatüchla“ in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Kerwasbaamschäln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nacht nach dem Baumaufstellen muss der Baum eine Nacht lang bewacht werden, da er sonst von rivalisierenden Burschen aus anderen Orten geschält werden könnte. Dies ist dann eine der größten Schanden, die über einen Kerwasburschen kommen kann. Die Dauer des Baumbewachens dauerte in der Vergangenheit meist bis Sonnenaufgang; heute hat man sich in den meisten Regionen darauf geeinigt, dass der Baum nach 6 Uhr morgens nicht mehr geschält werden darf.

Die Kerweschlumpel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kurpfalz und den umliegenden Gemeinden erfreut sich der „Kerweschlumpel“-Brauch einer ungebrochenen Beliebtheit. Meist wird die Kerwe (Kirchweih) durch den feierlichen Einzug der Kerweschlumpel, einer Strohpuppe in Frauenkleidern, eröffnet. Die Kerweschlumpel wird meist hofiert durch die jungen Männer der Dorfgemeinschaft, die mit ihr zum Beispiel das Tanzbein schwingen oder „Reitschul“ (Fahrgeschäft) fahren. Auch das ein oder andere Bier wird zu Ehren der Kerweschlumpel getrunken. Die Kerwe findet ihr trauriges Ende durch die Verbrennung der Kerweschlumpel, zu deren Gelegenheit der „Kerwepfarrer“ eine ergreifende Grabrede hält.

Die Kirtahutschn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell in Oberbayern eine große Längsschaukel für bis zu 15 Personen. Als Sitzgelegenheit diente vornehmlich eine Leiter oder ein Baumstamm. Befestigt wurde die Hutschn mittels dicker Seile oder Ketten an den Querbalken eines Bauernstadels.

Kirmesbeerdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besonders im Osten Deutschlands lässt man in der Nacht zum Kirmessonntag vor versammelter Gesellschaft das vergangene Jahr Revue passieren. Dabei hält der Vortragende nach Art der Büttenrede eine satirische Predigt. Im Anschluss wird die Kirmes symbolisch zu Grabe getragen. Entstanden ist dieser Brauch aus der Predigt des Pfarrers am Kirmessonntag.

Ständchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls im Osten Deutschlands verbreitet ist der Brauch, den Familien und Kirmesgästen am Kirmessonntag ein Ständchen zu bringen. Dabei ziehen die Kirmesburschen mit einer Musikkapelle durch den Ort. Entstanden ist dieser Brauch aus dem Läuten der Kirchenglocken, mit welchem früher die Einwohner zum Gottesdienst gerufen wurden.

Knieküchle

Kirchweih-Essen oder Kirchweihmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Altbayern gibt es zur Kirchweih traditionell Gänse- oder Entenbraten, meist mit Kartoffelknödeln und Blaukraut. An Kirchweih, abgesehen von Weihnachten, werden in Bayern die meisten Enten und Gänse konsumiert. In Franken gibt es am Freitag traditionell Krenfleisch mit Klößen (sogenannte „Krefleischkerwa“). Oft braut der einheimische Wirt oder Braumeister auch ein besonders süffiges und gehaltvolles „Kerwabier“. Im Coburger Land gibt es traditionell „Merch mit Klößn“, also Rindfleischbratenscheiben mit Coburger Klößen und Meerrettichsoße.

Käichln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außerdem werden traditionell Kirchweihnudeln gebacken, ein rundes Hefegebäck mit Zucker, das schwimmend in Butterschmalz ausgebacken wird. Diese werden auch als „Auszogne“, „Schtreubla“, „Pfannakung“ (im Hofer Land) oder „Küchla“ bezeichnet, da sie auseinandergezogen werden und einen dicken, weichen Rand und eine knusprige Mitte haben. Es gibt aber auch andere, runde Formen, die an Krapfen erinnern.

Vogelsuppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit im Hersbrucker Land wird ausschließlich am Donnerstag vor einer Kirchweih serviert: die Vogelsuppe. Allerdings befinden sich kein einziger Vogel in der Suppe. Ihre genaue Zusammensetzung (Innereien und gekochtes Rindfleisch) ist ein Geheimnis des jeweiligen Wirts, sie schmeckt auch je nach Gastwirtschaft ein bisschen anders. Meistens sind jedenfalls Innereien ein Bestandteil dieser wohlschmeckenden Spezialität, die häufig mit Semmel- oder Leberknödeln serviert wird. Der Name stammt ursprünglich vom Gasthof Vogel (in Pommelsbrunn), in dem der Gastwirt Vogel an Schlachttagen diese Suppe servierte.[4]

Oberschlesische Dorfmusikanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberschlesien zogen am Kirmesdienstag Musikanten, verkleidet und vermummt, um das Dorf. Jedem von ihnen war eine Rolle zugedacht: der sogenannte Synagogenvorsteher, der Handelsjude, der Bär und der Fantlamacher (Spaßmacher). Während die Dorfbewohner, vor allem die Mädchen, vom Bären verulkt wurden und eine Sammelbüchse herumgereicht wurde, versuchte der Handelsjude wunderliche Altertümer und Raritäten zu verkaufen, wie „Überreste der altägytischen Finsternis in kleinen Fläschchen“, das „Feigenblatt der Eva“, den „letzten Seufzer von Lots Weib“ oder einige „Sprossen von Jakobs Himmelsleiter“. Unterdessen schlichen einige aus der Kapelle hinter den Häusern herum und suchten heimlich nach Lebensmitteln (Speck, Würste, Schinken, Pfannkuchen, Streuselkuchen, Obst u. a.). Nach Beendigung des Umzuges schleppten sie die Beute ins Wirtshaus und übergaben sie der Gastwirtin, die sie zum Verzehr köstlich zubereiten musste. Der Gastwirt erhielt die Sparbüchse und hatte den Inhalt in Bier und Schnaps umzusetzen.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schweizerisches Idiotikon Band XV, Spalten 1051–1086 – umfassende Information zum historischen und gegenwärtigen Brauchtum in der Deutschschweiz (Wortartikel Chilch-Wīhi sowie alle Zusammensetzungen mit diesem Kompositum im Zweitglied).
  • Uli Piehler: Mir hom Kirwa! Kirchweihfreuden in der Oberpfalz. 1. Auflage. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, Amberg 2009, ISBN 978-3-935719-56-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Schneider: Volkskultur und Alltagsleben. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band 1 (2001): Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. ISBN 3-8062-1465-4, S. 491–514 und 661–665, hier: S. 499 und 663.
  2. kirwa.net: Vom Kirwa-Esel zum Kirwa-Bär
  3. Kärwatüchla. wer-hat-kirchweih.de; abgerufen am 22. Oktober 2013.
  4. Bayerischer Rundfunk: Die rätselhafte Vogelsuppe. Abgerufen am 21. Mai 2018.