Kloster Zella

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Dieser Artikel beschreibt das Kloster Zella in Thüringen, zum Kloster in Sachsen siehe Kloster Altzella.
Kloster Zella (um 1840)

Kloster Zella war eine Benediktinerinnen-Abtei zwischen Lengenfeld unterm Stein und Struth im südlichen Eichsfeld. Seit 1948 wird dort ein evangelisches Alten- und Pflegeheim betrieben. Zum Klosterbesitz gehörte auch der 500 Meter nördlich gelegene und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts von der katholischen Bevölkerung genutzte Wallfahrtsort Annaberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Zella, Außenansicht
Kloster Zella, romanische Klosterkirche "St.Nikolaus"
Kloster Zella, Übergang zum Kückenhaus
Kloster Zella, Torhaus und Verwaltung, rechts die Klosterschänke
Kloster Zella, restauriertes Speicher - heute Betreutes Wohnen - und das sog. "Kückenhaus" mit Pilgerherberge.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gründungsdatum des am Südrand des Eichsfeldes vom Orden der Benediktiner gegründeten Klosters ist unbekannt, da sämtliche Dokumente und Urkunden des Klosters bei einem Großbrand 1649 im Archivraum des Zellschen Freihof in Mühlhausen vernichtet wurden, wohin ein Teil der Nonnen mit dem Klosterschatz und den Archivalien während des Dreißigjährigen Krieges geflüchtet waren. Heute wird eine Gründung um 1100 als Doppelkloster (Männer und Frauen) angenommen. Die ältesten Belegen zur Klostergeschichte aus dem Jahre 1215 erwähnen aber nur noch das Frauenkloster. Das Kloster besaß zahlreichen Güterbesitz und Schenkungen zwischen den Städten Treffurt im Süden, Mühlhausen im Osten und Dingelstädt im Norden. So verkaufte Ritter Heinrich von Treffurt am 15. September 1273 sein Dorf Strut, ein Reichsgut, für 24 Mark Silber an das Benediktinerinnen-Kloster Zella.[1]

Plünderung und Zerstörung im Jahr 1525[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Kloster gehörten die Orte Struth und Effelder unmittelbar. Im Frühjahr 1525 nutzten die leibeigenen Bauern des Klosters die Verwirrung und Schwäche, um mit dem Kloster alte Rechnungen zu begleichen. Am 26. April 1525 wurde das Kloster erstürmt und Wertsachen sowie Vorräte erbeutet. Tage oder Wochen nach der Niederlage in der Schlacht bei Frankenhausen wurde das Kloster erneut überfallen, und die Aufständischen legten in dem umfangreichen Gebäudekomplex Brände. Dadurch wurde das Kloster unbewohnbar. Die Schadenersatzforderungen richteten sich dann in langwierigen Prozessen sowohl gegen die Bewohner der Klosterdörfer, als auch gegen die Reichsstadt Mühlhausen, weil diese durch ihre Unterstützung der aufständischen Bauern zum Ausbruch der Unruhen erst ermutigt haben sollte.[2]

Seit der Reformation bestand eine enge Bindung von Kloster Zella an das im Nordeichsfeld gelegene Kloster Gerode. Dieses stellte auch die Zellaer Pröpste.

Wiederaufbau und nochmalige Zerstörung im 17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zum Eichsfeld gehörigen Orte um das Kloster wurden nach der Reformation mehrheitlich wieder katholisch. Somit fiel der Klosterbesitz nicht an die umliegenden Landesfürsten und konnte bei der Fortsetzung des Klosterlebens im Jahre 1588 weiter genutzt werden. Der Landesherr ordnete an, das Kloster in den Gerichtsbezirk des Amtes Gleichenstein zu überführen, was dessen Unabhängigkeit einschränkte. Der größte Teil der heute noch erhaltenen Gebäude stammt daher aus der ersten Wiederaufbauphase von 1603 und einer zweiten Bauphase, die nach erneuten Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges erforderlich wurde.

Auflösung des Klosters 1810 und nachfolgende Besitzverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde das Ende des Klosters eingeleitet. 1810 wurde das Kloster Zella (22 Nonnen) durch Dekret der preußischen Regierung endgültig aufgelöst und gelangte in Privatbesitz:

  • 1810–1842: Heinrich Wilhelm Röbeling, Mitbesitzer wurden seine Enkel Adam und Wilhelm Lutteroth. Seit 1837 wurde die Wallfahrt auf den Annaberg – dieses war nun ein zum Klostergut gehöriges Vorwerk – durch den Gutsbesitzer unterbunden, was zu großen Unmut in den katholischen Umlandgemeinden führte.
  • 1842–1869: Emil Lutteroth mit Sohn Wilhelm Lutteroth. Die Lutteroths hatten sich in den umliegenden Orten zahlreiche Feinde gemacht, weil sie ihre wirtschaftliche Vorrangstellung unbarmherzig und rabiat ausnutzten. Im März 1848 erhoben sich deshalb zahlreiche Kleinbauern und Tagelöhner, stürmten das Klostergut, um sich ihrer Schulden und Abgabenlasten mit Gewalt zu entledigen. Dies geschah zeitgleich auch an zahlreichen anderen Orten in Westthüringen (vgl. auch Mihla: Graues Schloss). Im Fall des Klosters Zella endet die Erhebung mit Verhaftungen und Aburteilung der Kleinbauern und Tagelöhner.[3]
  • 1869–1888: Kaufmann Rudolf Weiss aus Bad Langensalza.
  • 1888–1932: Generalleutnant Rudolf von Fries aus Saarbrücken, ein Neffe des Vorbesitzers. Er richtete am Waldrand ein Erbbegräbnis ein und ließ 1907 mehrere Gutsgebäude und das Kirchendach erneuern, die 1906 bei einem Brand beschädigt worden waren.
  • 1932–1945: Rittmeister Helmut von Fries. Er war der Sohn des Vorbesitzers und Kunstsammler. Die von ihm erworbenen Antiquitäten wurden in der Klosterkirche als Sammlung präsentiert und von den Amerikanern (?) bei Kriegsende geraubt.[4]
  • 1945–1946: wurde das Gut zunächst beschlagnahmt, 1946 wurden bei der Bodenreform der Klosterwald und die Ländereien an Neubauern verteilt, ebenso das Vorwerk Annaberg.
  • 1947–1948: Übertragung der Klostergebäude an die evangelische Landeskirche der Provinz Sachsen (EKKPS). Vorgesehen war die Einrichtung eines Altersheimes. Dieses wurde durch erste Umbaumaßnahmen vorbereitet.
  • 1948–heute: Evangelisches Altersheim der provinzialsächsischen Landeskirche, seit 2009 Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM).[5]

Überlieferte Amtsträger und Belegungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Daten basieren auf einem als Totenbuch von Kloster Zella überlieferten Register. Aus der gleichen Unterlage konnte auf eine Standardbelegung dieses Klosters mit 20 bis 25 Nonnen gefolgert werden.[6]

Liste der Äbtissinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (1539–1558) Barbara Jakobs
  • (1563–1571) Anna von Reckerodt
  • (1572–1630) Christina Hug
  • (1630–1636) Katharina Nebeling
  • (1637–1679) Dorothea Schmidt
  • (1679–1724) Maria Hagemann
  • (1725–1757) Martha Franziska Hartmann
  • (1757–1790) Justina Drössler
  • (1790–1810) Justina Wippermann.

Liste der Pröpste, die aus dem Kloster Gerode stammen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (1643–1658) P. Matthias Gries
  • (1682–1704) P. Bonifatius Wachtel
  • (1705–1714) P. Odo Thüne
  • (1722–1744) P. Hieronymus Weiss
  • (1744–1748) P. Antonius Wüstefeld
  • (1748–1762) P. Odo Wegerich
  • (1762–1773) P. Bonifatius Kesting
  • (1777–1804) P. Joseph Klapproth

Evangelische Pfarrer in Kloster Zella ab 1949: Pfr. Rolf Bernhard 1949–1958, Pfr. Siegfried Holzhausen 1958–1990, Sup. Johannes Liesenberg 1990–1994, Pfr. Dr. Thomas Eggert 1995–2000, Pfr. Martin Danz 2001–2005, Pfr. Dirk Vogel 2006–2012, Pfr. Matthias Hemmann 2013-

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Duval: Das Eichsfeld. Sondershausen 1845, S. 210–223.
  • R. Bernhard: Kloster Zella - 20 Jahre Evangelisches Altersheim - Eine Festschrift. Mühlhausen/Thüringen 1969, S. 16.
  • V. Hoppe: Aus der Vergangenheit des Höhendorfes Struth (Klosterdorf von Kl. Zella). In: Mein Eichsfeld. Jahrbuch. Band 12. Duderstadt 1936, S. 81–82.
  • L. Hucke: Kloster Zella und die Gemeinde Effelder nach der Säkularisation. In: Mein Eichsfeld. Jahrbuch. Band 14. Duderstadt 1938, S. 81–82.
  • A. Schulz: Ein vergessener Wallfahrtsort (Annaberg). In: Unser Eichsfeld. Jahrbuch. Band 21. Duderstadt 1926, S. 91–94.
  • Fr. Springmann: Der Annaberg bei Kloster Zella, ein ehemaliger Wallfahrtsort des Obereichsfeldes. In: Eichsfelder Marienkalender. Band 48. Heiligenstadt 1937, S. 29–39.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. N.N.: Struth - Weiterführende Literatur und Bemerkungen. In: Kulturbund der DDR, Kreisleitung Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 3. Eichsfelddruck Heiligenstadt, Heiligenstadt 1984, S. 250.
  2. Klaus Leoplod: Kloster Zella und seine Dörfer im deutschen Bauernkrieg. In: Kulturbund der DDR, Kreisleitung Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 1. Eichsfelddruck Heiligenstadt, Heiligenstadt 1987, S. 15–23.
  3. Rolf Luhn: Ein Gesuch der Gemeinde Struth von 1848 und sein geschichtliches Umfeld. In: Kulturbund der DDR, Kreisleitung Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 3. Eichsfelddruck Heiligenstadt, Heiligenstadt 1987, S. 195–202.
  4. J. Müller: Historische Sammlung in Kloster Zella. In: Unser Eichsfeld. Band 27. Duderstadt 1932, S. 168.
  5. Bernhard Opfermann: Kloster Zella und Annaberg seit 1810. In: Kulturbund der DDR, Kreisleitung Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 2. Eichsfelddruck Heiligenstadt, Heiligenstadt 1979, S. 134–137.
  6. Bernhard Opfermann: Das Totenbuch von Kloster Zella für 1550 –1810. In: Kulturbund der DDR, Kreisleitung Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 3. Eichsfelddruck Heiligenstadt, Heiligenstadt 1979, S. 229 – 238.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Zella – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 13′ 3,4″ N, 10° 16′ 29,6″ O