Burg Gleichenstein (Thüringen)

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Burg Gleichenstein
Tor zur Kernburg

Tor zur Kernburg

Alternativname(n): Velseck, Felseck
Entstehungszeit: 1100 bis 1200
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Klerikale
Ort: Wachstedt
Geographische Lage 51° 17′ 32,6″ N, 10° 12′ 23″ OKoordinaten: 51° 17′ 32,6″ N, 10° 12′ 23″ O
Höhe: 459,7 m ü. NHN
Burg Gleichenstein (Thüringen) (Thüringen)
Burg Gleichenstein (Thüringen)

Die Burg Gleichenstein, früher auch Velseck oder Felseck genannt, ist eine Höhenburg auf dem Schloßberg zwischen der Gemeinde Wachstedt und dem Ortsteil Martinfeld der Gemeinde Schimberg im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Gleichenstein befindet sich auf dem 459,7 m hohen Schloßberg, einem spornartigen Ausläufer des Bornberges (463,4 m) am Rande der obereichsfelder Muschelkalkplatte zwischen Heilbad Heiligenstadt im Nordwesten, Mühlhausen im Südosten und dem hessischen Eschwege im Südwesten. Sie liegt etwa 3 km westlich von Wachstedt und 1,8 km ostnordöstlich von Martinfeld. Verkehrsmäßig zu erreichen ist sie über eine Stichstraße, die zwischen Wachstedt und Flinsberg von der Landesstraße 1006 abzweigt, oder zu Fuß von der Wallfahrtskirche Klüschen Hagis, die nahe der L 2022 (Wachstedt–Martinfeld) steht; nördlich der Straße führt der steile Eselsweg hinauf. Einer der Mittelpunkte Deutschlands befindet sich wenige Kilometer entfernt in Flinsberg.

Von der Terrasse des Burggeländes hat man eine Aussicht (Blaues Wunder) auf Martinfeld im Rosoppetal mit dem Schimberg und Teile des südlichen Eichsfeldes bis zur Gobert (zurzeit nicht öffentlich zugänglich).

Der Schloßberg rechts mit der Burg Gleichenstein

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg, früher Burg Velseck, wurde von den Herren von Gleichen (früher auch von Velseck) im 12. Jahrhundert erbaut und 1234 zerstört. 1241 bis 1246 wurde die Burg neu als Ersatz der alten Burg Velseck unter dem Namen Burg Gleichenstein erbaut und 1287 erwähnt. Ab 1294 war sie bis 1802 im Besitz der Erzbischöfe von Mainz und war 500 Jahre Amts- und Gerichtssitz der Kurmainzischen Verwaltung des Eichsfelds, deren Hauptsitz auf Burg Rusteberg lag. 1632 wurde die Burg von schwedischen Truppen unter Bernhard von Weimar erobert, 1643 geschleift und 1648 gänzlich zerstört. 1650 wurde die Burg wieder aufgebaut, kam 1802 an Preußen, 1816 an den thüringischen Landkreis Mühlhausen und 1952 an den Kreis Worbis. Im 19. Jahrhundert wechselten private Besitzer, zuletzt bis zur Enteignung 1946 Dr. Wolfgang von Schutzbar genannt Milchling zu Hohenhaus. 1967 wurde die Burg renoviert.

Kurmainzisches Amt Gleichenstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Amt Gleichenstein im Jahr 1759

Nach dem die Burg Gleichenstein und die dazugehörigen Dörfer in den Besitz von Kurmainz übergegangen sind, wurde das kurmainzische Amt Gleichenstein geschaffen. Zum Amt zählten insgesamt 16 Dörfer (von Kalteneber in Nordwesten bis nach Beberstedt im Nordosten und Büttstedt im Südosten), die Klöster Zella (mit Struth und Effelder) und Anrode (mit Bickenriede und Bebendorf), Kreuzebra kam später zum Amt Rusteberg. Weiterhin wurden dem Amt Gleichenstein die adligen Orte Bernterode (von Tastungen, später von Ostheim) und Martinfeld (von Bodungen) zugeordnet, sowie eine Vielzahl heute nicht mehr existierender Orte (Werdigeshausen, Wolkramshausen, Kirchberg).[1] Gerichtsort war bereits unter den Grafen von Gleichenstein und noch mindestens bis 1534 in Kurmainzer Zeit Dingelstädt.[2] Die Behörde setzte sich mehrheitlich aus folgenden Personen zusammen: dem Amtsvogt, dem Amtsrichter, dem Amtsaktuar, dem Amtsschreiber und dem Amtspedell. Nach dem Dreißigjähriger Krieg wurde der Gleichenstein Kammergut und wurde danach verpachtet. Der Amtssitz wurde 1739 nach Dingelstädt verlegt.[3] Folgende Burgmänner und Amtsleute sind bekannt:

  • 1193 Bertold von Velsecke[4] (für die Vorgängerburg)
  • 1288 Bruno von Berlingerode
  • 1288 Dietrich, Steben und Henrich von Tastungen, Henrich von Kirchberg[5]
  • 1294 Ritter Ludwig von Pöllwitz
  • 1299 Friedrich von Rosdorf zusammen mit Dietrich von Hardenberg
  • Conrad von Siemerode, Vogt[6]
  • 1330 Lutolf von Schlotheim (Slatheym) und Rodegere von dem Hagen (deme Hayne)[7]
  • 1330 Ritter Johannes von Hardenberg, Ernst von Uslar, Bertold von Worbis und der Edelknecht Johannes von Wintzingerode[8]
  • 1336 Frederich von Wangenheim[9]
  • 1337 Bertold von Worbis[10]
  • 1338 Johann von Wintzingerode
  • 1339 Otto von Kirchberg[11]
  • 1347 Konrad von Ammern und 1368 Heinrich von Ammern[12]
  • 1358 Dietrich und Walther (1358), die Söhnen Apels von Tastungen, erhalten das Burglehen in Gleichenstein[13]
  • 1386 Wezel von Lengefeld[14]
  • 1446 Henrich von Kirchberg mit 3 Burglehen[15]
  • 1464 Henrich von Bodungen[16]
  • 1469 Werner von Hanstein
  • 1522 Heinrich Heinefetter [17]
  • 1524–1532 Matthäus Hundborn[17]
  • 1536–1575 Marcus Keulen[17]
  • 1574–1583 Johannes Pein[17]
  • 1598 Johann Elgot[18]
  • 1607–1630 Adam Hartung[17]
  • 1630–1632 Klemenz Freitag[17]
  • 1635–1661 Matthias Jordans[17]
  • 1661–1672 Johannes Jordans[17]
  • 1674–1711 Johann Joachim Jordans[17]
  • 1712–1715 Johann Gerhard Jordans[17]
  • 1715–1722 Johann Michael Strecker[17]
  • 1722–1763 Christoph Matthias Jordans[17]
  • 1736–1784 Peter Anton Jordans[17]
  • 1784–1793 Franz Christoph Kellner[17]
  • 1793–1802 Franz Wilhelm Hentrich[17]

Bauliche Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burganlage verfügt über eine Kernburg um einen dreieckigen Burghof mit einem Palas im Süden, ein spätgotisches Spitzbogenportal im Westen und Mauerreste der Vorburg. Früher war die Burg von drei Wallgräben umgeben. Bis 2005 beherbergte sie eine Burggaststätte und eine Falknerei. Ein Investor hat die Burg im Frühjahr 2015 erworben und will das Anwesen sanieren.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Krumbholz: Burgen, Schlösser, Parks und Gärten. 3. Aufl. Tourist-Verlag, Berlin 1988, ISBN 3-350-00285-4 (EA Berlin 1984).
  • Eduard Fritze: Burg Gleichenstein 1246–1996. Selbstverlag Wachstedt 1996, 48 Seiten, mehrere Schwarz-Weiß-Abbildungen
  • Helmut Godehardt: Landsteuerzahler aus den Dörfern des Amtes Gleichenstein und den Duderstädter Kespeldörfern in den Jahren 1547/48. In: Eichsfeld-Jahrbuch (EJb) 15 (2007), S. 29–41

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Gleichenstein (Thüringen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1792, Band 1, S. 135-139
  2. Johann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harzdepartement, District Heiligenstadt. Göttingen 1812, §2 Seiten 7–9
  3. Burg Gleichenstein Auf der Internetseite von Dingelstädt
  4. Zeitung für den Deutschen Adel. 3. Jahrgang 1842, Nr. 76
  5. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte. Seiten 37–45)
  6. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte. S. 37-45)
  7. RIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 3109, in: Regesta Imperii Online, URI: [1] (Abgerufen am 22.08.2017)
  8. RIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 3328, in: Regesta Imperii Online, URI: [2] (Abgerufen am 22.08.2017)
  9. RIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 3681, in: Regesta Imperii Online, URI: [3] (Abgerufen am 22.08.2017)
  10. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte. S. 37-45)
  11. Johann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. Göttingen 1912, Seiten 13–14
  12. Johann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. Göttingen 1912, Seiten 13–14
  13. Regesten der Mainzer Erzbischöfe (Abgerufen am 12. Juni 2017)
  14. Johann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. Göttingen 1912, Seiten 13–14
  15. Johann Wolf: Denkwürdigkeiten des Marktfleckens Dingelstädt im Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt. Göttingen 1912, Seiten 13–14
  16. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte. S. 37-45)
  17. a b c d e f g h i j k l m n o Bernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. St. Benno-Verlag Leipzig und Verlag F.W. Cordier Heiligenstadt 1968
  18. Josef Keppler in: Wallfahrtsland Eichsfeld. Thüringer Allgemeine 02.06.2011
  19. Mitteilung des MDR vom 24. April 2015