Kommandørgården

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Kommandørgården

Der 1749 erbaute Kommandørgården (deutsch: „der Kommandeurhof“) ist einer der alten, reichen Erbhöfe auf der dänischen Nordseeinsel Rømø und Außenstelle des dänischen Nationalmuseums.

Der Name weist auf die Kommandeure (Kapitäne) hin, die im 18. und 19. Jahrhundert das Kommando auf großen Walfangbooten führten. Die meiste Zeit des Jahres verbrachten die Kommandeure auf See, wo sie im Nordatlantik Wale jagten oder lange Handelsreisen unternahmen. Der vollmöblierte Hof zeugt von dem Wohlstand, den der Walfang oder die Handelsschifffahrt den Kapitänen einbrachte.

Zum Museum gehört auch die in unmittelbarer Nähe liegende Toftum Skole, ebenfalls ein reetdachgedecktes Haus, das als die kleinste und älteste Schule Dänemarks gilt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tafel von 1770 über dem Haupteingang

Ab etwa 1600 wurde der Kommandørgården über zwölf Generationen der gleichen Familie weitervererbt, darunter sieben Mal an weibliche Nachkommen. Wie bei den meisten südjütländischen Pachthöfen gehörten die Ländereien zum Gut. Das Gebäude wurde stets von den Eignern bewohnt.

Das jetzige Gebäude wurde 1749 von Karen Pedersdatter und ihrem Schwiegersohn, dem Seemann Harcke Thadens, errichtet. Harcke Thadens war mit der Tochter von Karen Pedersdatter, Margaretha, verheiratet.

Das Haus bestand ursprünglich aus zwei Etagen, doch wurde es 1770 von Margaretha und ihrem zweiten Mann, Hans Peter Hansen, in seine heutige Gestalt umgebaut. Im gleichen Jahr wurde eine Tafel über dem Haupteingang angebracht, um an den Umbau zu erinnern. Als Inschrift enthält die Tafel die Namen von Margaretha und ihrem Sohn aus erster Ehe, Thade Harckens, sowie von ihrem zweiten Mann, Hans Peter Hansen.

In den 1830er Jahren wurden außen und innen mehrere Änderungen vorgenommen. So wurden größere Räume geteilt, um mit der Oldefars Kammer einen Altenteil einzurichten.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam die Familie des Hofes zu größerem Reichtum. Die Erträge stammten hauptsächlich aus der Seefahrt. Die Männer und Jungen arbeiteten auf Walfangbooten oder Handelsschiffen als Kommandeur, Matrose, Steuermann oder Kapitän. Auch die Fischerei in Küstennähe der Insel war lukrativ. Während der Zeit auf See war der Hof kaum besetzt; die Landwirtschaft spielte nur eine zweitrangige Rolle. In einem Kommissionsbericht von 1708 wurden lediglich drei Pferde, zwei Jungtiere und sechs Schafe gezählt, die im Gegensatz zur Seefahrt kaum Erträge einbrachten.

Nach der Teilnahme des Staatenbundes Dänemark-Norwegen in den Kriegen Napoleons, im Dänischen als Englandskrigene (1801–1814) bekannt, begann die Bedeutung der Seefahrt auf Rømø zu schwinden und die Landwirtschaft entwickelte sich zum Haupterwerb der Inselbewohner, was für die Familie des Kommandørgårdens schwerere Zeiten bedeutete.

Anfang des 20. Jahrhunderts waren nur noch ein Knecht und ein Dienstmädchen durchgängig auf dem Hof beschäftigt. Nach 1940 verzichtete man ganz auf Gehilfen. Nur zu besonderen Anlässen wurde noch eine Haushaltshilfe eingestellt.

Der Kommandørgården wurde 1998 umfassend instand gesetzt.

Einrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skelett eines 1996 gestrandeten Pottwals

Die Räume im Wohnbereich enthalten bemalte Paneelen und Decken aus dem 18. Jahrhundert, Tischlerarbeiten und Schnitzereien sowie Hunderte holländischer blau-weißer Fliesen. Am östlichen Ende des Hofes befindet sich der Pesel (pisel). Die gute Stube des Hauses wurde vor allem für Hochzeiten und andere Feste genutzt. Der Sønderdørns („Süderdörns“) ist das größte Wohnzimmer. Dørns bzw. Dörns ist ein südjütländischer und niederdeutscher Ausdruck für einen Raum, der beheizt werden kann. Mehrere Zimmer und Kammern sowie das Altenteil sind mit diesem Raum verbunden. In der Scheune wird das Skelett eines Pottwals aufbewahrt. Das aufgehängte Skelett stammt von einem 1996 auf Rømø gestrandeten Wal und soll den Zusammenhang zwischen dem Hof und den lukrativen Walfang im Eismeer dokumentieren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Svend Jespersen, Inger Tolstrup: Nationalmuseets Kommandørgården på Rømø. Hrsg.: Nationalmuseet. 2001, ISBN 87-89384-74-1 (dänisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kommandørgård Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 55° 9′ 59″ N, 8° 33′ 20″ O