Kongruenz (Psychotherapie)

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Kongruenz (von lat. congruens „übereinstimmend“, „passend“), bedeutet allgemein Übereinstimmung. Im Bereich der Psychotherapie beschreibt Kongruenz die authentische Kommunikation des Therapeuten gegenüber seinem Patienten, bei der der Therapeut in seiner Selbstmitteilung echt ist, also mit sich übereinstimmt. Die Übereinstimmung bezieht sich auf das, was der Therapeut fühlt und erlebt, was ihm davon bewusst wird und was er davon mitteilt.

Historisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff wurde von Carl Rogers im Rahmen seiner Klientenzentrierten Psychotherapie geprägt. Hier benennt Rogers die Kongruenz als eine der erforderlichen Grundhaltungen des Therapeuten in der Beziehung zu seinem Patienten, um eine psychotherapeutische Veränderung im Selbstkonzept des Patienten bewirken zu können.

Kongruenz als Bestandteil der Therapeutischen Beziehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kongruenz ist in der Psychotherapie, neben Akzeptanz und Empathie, eines der tragenden Elemente einer therapeutischen Beziehung und bedeutet, dass sich der Psychotherapeut als echte und transparente Person in die Therapie einbringt und seine eigenen Gefühle bezüglich des therapeutischen Prozesses sichtbar macht. Dazu muss der Therapeut seine positiven und negativen Merkmale in sein Selbstbild integrieren und sich gleichzeitig vom Patienten abgrenzen können.

Dem Therapeuten ist sein eigenes Erleben bewusst und er kann es davon trennen, was er beim Gegenüber wahrnimmt. Er begegnet dem anderen Menschen als Person und versteckt sich nicht hinter einer professionellen Maske. Das erfordert, dass er seine Gefühle, Impulse und Eindrücke zulässt und akzeptiert, aber nicht, dass er sie dem anderen Menschen in jedem Fall ungefiltert mitteilt. Er muss einschätzen können, wann es im Rahmen seiner Aufgabe sinnvoll ist, seine Gefühle mitzuteilen, und wann nicht. Zur Kongruenz gehört auch, dass die Rahmenbedingungen der jeweiligen Situation klar und für alle Beteiligten durchschaubar sind.[1]

Das Konzept der Klientenzentrierten Psychotherapie und das darauf zurückgehende beziehungsorientierte Verständnis von Psychotherapie geht davon aus, dass die therapeutische Beziehung selbst mithilfe ihrer drei Variablen Kongruenz, Akzeptanz und Empathie Veränderungen auslöst. Die Therapeut-Klient-Beziehung wird inzwischen auch in den meisten anderen Psychotherapiemethoden als wichtiger Wirkfaktor erachtet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Marlis Pörtner: Ernstnehmen – Zutrauen – Verstehen. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Reimer, Jochen Eckert, Martin Hautzinger, Eberhard Wilke: Psychotherapie: Ein Lehrbuch für Ärzte und Psychologen. 3. Auflage. Springer, Berlin 2008, ISBN 3-540-29987-4, S. 832 (vollst. neu bearb. u. aktualisierte Aufl.). Seite 250ff Kapitel 10.3.1 Beitrag des Therapeuten
  • Virginia Satir: Kommunikation. Selbstwert. Kongruenz: Konzepte und Perspektiven familientherapeutischer Praxis. 7. Auflage. Junfermann, 2004, ISBN 3-87387-018-5.
  • Jobst Finke: Gesprächspsychotherapie. Grundlagen und spezifische Anwendungen. 3. Auflage. Thieme, Stuttgart 2004, ISBN 3-13-129603-8.