Psychotherapeut

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Psychotherapeut ist eine Berufsbezeichnung für Ärzte, Psychologen und im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie auch Pädagogen mit einer abgeschlossenen Weiterbildung bzw. -ausbildung in Psychotherapie. In Österreich und Deutschland können auch weitere Berufsgruppen, die eine Zulassung zur Heilkunde besitzen (Approbation), Psychotherapie ausüben. In der Schweiz ist die Psychotherapieausübung auf Ärzte beschränkt. Die Berufsbezeichnung ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz gesetzlich geschützt.

Unterschiedliche Störungen und Krankheiten haben zu verschiedenen wissenschaftlich anerkannten Psychotherapie-Formen geführt. Neben der Psychoanalyse (siehe auch analytische Psychotherapie) gibt es die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie.

Rechtliche Regelung in Deutschland, Österreich und der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland sind die Bezeichnungen "Psychotherapeut", "Psychologischer Psychotherapeut" und "Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut" durch das Strafgesetzbuch (§ 132a StGB) und das Psychotherapeutengesetz (§ 1 PsychThG) geschützt. Wer als ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut tätig werden will, muss zunächst ein Studium der Medizin oder Psychologie abgeschlossen haben. Bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wird auch ein Studium der Pädagogik oder der Sozialpädagogik anerkannt. Im Anschluss an das Studium muss zusätzlich eine Psychotherapieweiterbildung (bei Ärzten) bzw. -ausbildung (bei Psychologen, Pädagogen) absolviert werden.[1] Heilpraktiker dürfen sich nicht „Psychotherapeut“ nennen. Das gilt auch für die Heilpraktiker nur für Psychotherapie.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Recht zur Ausübung der Psychotherapie ist sowohl im österreichischen Ärztegesetz als auch im Psychotherapiegesetz[2] geregelt. Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ ist gesetzlich geschützt. Eine unbefugte Führung bedeutet eine Verwaltungsübertretung.[3] In Österreich besteht, anders als in Deutschland, jedoch keine Beschränkung auf spezifische Studiengänge wie Medizin oder Psychologie. So sind auch Krankenpfleger, Soziologen, Publizisten, Ehe- und Familienberater, Pädagogen, Philosophen, Theologen und Sozialarbeiter zur Ausbildung zugelassen. Wer nicht zu diesen Berufsgruppen zählt, kann einen Antrag auf Zulassung beim Bundesministerium für Gesundheit stellen.

Entscheidend für die Eintragung als Psychotherapeut ist der Abschluss einer zweistufigen Ausbildung, die mindestens fünf Jahre dauert und aus einem allgemeinen Teil, dem Psychotherapeutischen Propädeutikum, und einem Fachspezifikum besteht.[4] Die Grundausbildung, das Propädeutikum, dauert etwa zwei Jahre. Danach kann das Fachspezifikum absolviert werden, das der Ausbildung in einer der anerkannten Methoden dient, und mindestens drei Jahre dauert. Die Ausbildungsdauer kann abhängig von der Psychotherapie-Fachrichtung (Methode) und der Ausbildungsinstitution die Mindestausbildungsdauer um bis zu drei Jahre übersteigen. Die Ausbildungskosten können je nach gewählter Methode und Ausbildungsinstitution rund 15.000 bis 45.000 Euro betragen.

In Österreich sind derzeit 23 wissenschaftliche psychotherapeutische Methoden anerkannt (im Unterschied zu Deutschland werden in Österreich nicht Verfahren – also „Methodenfamilien“ – , sondern einzelne Methoden zugelassen, was manchmal zu Missverständnissen führt).[5][6] Die Krankenkasse kann die Kosten einer psychotherapeutischen Behandlung tragen.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz sind nur Ärzte zur psychotherapeutischen Behandlung zugelassen. Die ärztliche Psychotherapie wird von der obligatorischen Grundversicherung übernommen. Ärztliche Psychotherapeuten dürfen nicht-ärztliche Therapeuten anstellen, z. B. psychotherapeutisch weitergebildete Psychologen.[7]

Psychologische Psychotherapeuten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtsbasis und Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychologische Psychotherapeuten behandeln psychische Störungen von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten behandeln nur Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres. Neben dem Psychotherapeutengesetz unterliegen die Psychologischen Psychotherapeuten den Heilberufsgesetzen der Länder.[8]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzung für eine Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten ist ein erfolgreich absolviertes Universitätsstudium der Psychologie mit Diplom- oder Master-Abschluss.[9] Im Anschluss erfolgt eine mindestens dreijährige Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG). Danach kann die Zulassung zur eigenständigen Durchführung von Psychotherapie (Approbation) beantragt werden. Die Mindestausbildungszeit zum psychologischen Psychotherapeuten beträgt laut Psychotherapeutengesetz 3 Jahre in Vollzeit (§ 5 PsychThG). Davon abweichend veröffentlichen die Interessenverbände der psychologischen Psychotherapeuten jedoch, dass in der Praxis die Zeit für ein Psychologiestudium sowie die nachfolgende Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten durchschnittlich 12 Jahre dauere.[9][10] Psychologische Psychotherapeuten arbeiten in Kliniken oder in eigener Praxis. Sie können an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen.[11] Die Ausbildung erstreckt sich auf die Vermittlung von eingehenden Grundkenntnissen in wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren sowie auf eine vertiefte Ausbildung in einem der folgenden Verfahren:

Die Ausbildung umfasst mindestens:

  • 600 Behandlungsstunden praktische Ausbildung mit mindestens sechs Patientenbehandlungen unter mindestens 150 Stunden Supervision,
  • 600 Stunden theoretische Ausbildung,
  • 1.800 Stunden praktische Tätigkeit, davon 1.200 an einer psychiatrischen klinischen Einrichtung und 600 Stunden an einer von einem Sozialversicherungsträger anerkannten Einrichtung der psychotherapeutischen oder psychosomatischen Versorgung,
  • 120 Stunden Selbsterfahrung (§5 Abs. 2 PsychTh-APrV).

Während der Psychotherapie-Ausbildung führt der Auszubildende die Bezeichnung „Psychotherapeut in Ausbildung“ (PiA). Die Mindestanforderungen an die Ausbildungen und das Nähere über die staatlichen Prüfungen sind auf Basis des Psychotherapeutengesetzes in der „Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten“ geregelt.[12] Die Ausbildung kann an universitär angebundenen Einrichtungen sowie an staatlich anerkannten privaten Ausbildungsinstituten absolviert werden. In der Regel bieten die Ausbildungsinstitute die Ausbildung in nur einem Verfahren an. Lediglich zwei Institute bieten die Ausbildung in allen zugelassenen Psychotherapieverfahren an.[13][14] Die Ausbildungskosten, die von den Psychotherapeuten in Ausbildung selber zu tragen sind, betragen rund 20.000 bis 40.000 Euro.[15][16][17][18]

Während der vorgeschrieben praktischen Tätigkeit in einer psychiatrischen klinischen Einrichtung werden die Ausbildungsteilnehmer für ihre Tätigkeit meist nur gering vergütet. Dies wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass Psychologen während der praktischen Tätigkeit in der Ausbildung mangels Approbation nicht selbstständig psychotherapeutisch handeln dürfen.[19] Inzwischen ergingen mehrere Gerichtsurteile gegen Kliniken, die Psychologen in Psychotherapie-Ausbildung während ihrer praktischen Tätigkeit eine Bezahlung verweigert hatten.[20][21][22]

Befugnisbeschränkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tätigkeit von psychologischen Psychotherapeuten beschränkt sich nach dem Psychotherapeutengesetz auf die Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist.[23] Dies bedeutet unter anderem, dass psychologische Psychotherapeuten aufgrund des fehlenden Medizinstudiums keine ärztlichen Tätigkeiten durchführen dürfen. Sie dürfen daher keine Medikamente verordnen und keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.[24]

Ärztliche Psychotherapeuten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Ärztlicher Psychotherapeut

Zu unterscheiden sind die psychotherapeutischen Fachärzte (Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie) von Fachärzten anderer Fachgebiete (z. B. Allgemeinmediziner, Internisten, Gynäkologen usw.) mit einer Zusatzbezeichnung „fachgebundene Psychotherapie“ oder „Psychoanalyse“. Ärzte mit „fachgebundener Psychotherapie“ dürfen in der gesetzlichen Krankenversicherung nur bei Erkrankungen psychotherapeutisch tätig werden, die in ihrem Fachgebiet liegen (ein Gynäkologe z. B. bei Vaginismus oder postpartaler Depression), sie haben im Anschluss an ihre Facharztweiterbildung eine zusätzliche Weiterbildung in Psychotherapie abgeschlossen. [25] Um Leistungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erbringen zu dürfen, müssen Ärzte eine Gebietsbezeichnung (Facharzt) erworben haben. Da die Weiterbildung zum Facharzt mindestens fünf Jahre dauert, umfasst die gesamte Aus- und Weiterbildungszeit zum vertragsärztlichen Psychotherapeuten mindestens 12 Jahre (6 Jahre Medizinstudium und 5 Jahre Facharztweiterbildung).[26] Aufgrund des Medizinstudiums dürfen ärztliche Psychotherapeuten (anders als psychologische Psychotherapeuten) zudem ärztliche Tätigkeiten wie Krankschreibungen, Verordnungen von Medikamenten, Krankenhauseinweisungen etc. durchführen.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten werden außer Diplom-/Master-Psychologen auch Diplom-/Master-Pädagogen, Diplom-/Master-Musiktherapeuten und Diplom-/Master-Sozialpädagogen zugelassen. Seit 1999 müssen sich Psychologen zwischen der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten und zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten entscheiden (im Rahmen der Übergangsregelungen des PsychThG war noch eine Doppelapprobation möglich), wobei grundsätzlich Psychologische Psychotherapeuten auch die Erlaubnis zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen ihrer Approbation besitzen, diese aber, ohne zusätzliche Fachkunde, sozialrechtlich nicht als Kassenleistung erbringen können. Für Psychologische Psychotherapeuten besteht aber die Möglichkeit, die Zusatzfachkunde (und damit die Abrechnungsgenehmigung) in Kinder- und Jugendlichentherapie zu erwerben.

Unterschiede Psychiater – Psychosomatiker - Psychologe – Psychotherapeut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oft werden die Berufsbezeichnungen Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut fälschlich synonym verwendet. Die Berufe sind jedoch sehr verschieden:

  • Psychiater sind Ärzte mit der Gebietsbezeichnung Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Psychotherapie ist in Deutschland seit 1994 fester Bestandteil in der Weiterbildung zum Psychiater. Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist abzugrenzen von den beiden anderen psychotherapeutischen Fachärzten; dem Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.
  • Psychosomatiker sind Ärzte mit der Gebietsbezeichnung Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Sie beschäftigen sich insbesondere mit den Wechselwirkungen zwischen Psyche und Körper und haben eine umfassende psychotherapeutische Weiterbildung. Die frühere Bezeichnung des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie war deshalb auch Facharzt für psychotherapeutische Medizin.
  • Psychologen haben ein abgeschlossenes Studium der Psychologie. Diplom- bzw. Master-Psychologe darf sich nur nennen, wer ein Hochschulstudium der Psychologie mit Diplom oder Master abgeschlossen hat. Sie müssen eine Ausbildung zum Psychotherapeuten an ihr Studium anschließen, um mauf dem Gebiet der Psychotherapie tätig werden zu dürfen. Sie können aber auch in Beratungsstellen arbeiten.[27]
  • Psychotherapeuten sind Ärzte, Psychologen oder in manchen Fällen Pädagogen, die eine Zulassung zur Heilkunde besitzen (Approbation) und Psychotherapie im Sinne der ärztlichen Berufsordnung bzw. des Psychotherapeutengesetzes ausüben. Dies umfasst die Diagnose und Behandlung psychischer Beschwerden mit Krankheitswert mit wissenschaftlich anerkannten Methoden.[28][29]

Frühere bzw. auslaufende Berufsbezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Inkrafttreten der Weiterbildungsordnungen für Ärzte 1989 galten folgende Übergangsbestimmungen:[30] Wer die Bezeichnung „Psychiater“ oder „Arzt für Psychiatrie“ oder „Arzt für Neurologie und Psychiatrie“ führte, konnte sie beibehalten. Auf Antrag erhielt er das Recht, die Facharztbezeichnung „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“ zu führen, wenn er die Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ führen durfte, die eine entsprechende Weiterbildung vorausgesetzt hat.

Wer die Facharztbezeichnung für „Kinder- und Jugendpsychiatrie“ und die Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ führte, erhielt auf Antrag das Recht, die Facharztbezeichnung „Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie“ zu führen. Wer die Subspezialisierungsbezeichnung Kinderneuropsychiatrie in Verbindung mit der Facharztbezeichnung Neurologie und Psychiatrie oder der Facharztbezeichnung Kinderheilkunde und außerdem die Bezeichnung Facharzt für Psychotherapie führte, erhielt auf Antrag das Recht, die Bezeichnung „Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie“ zu führen.

Wer die Zusatzbezeichnungen „Psychoanalyse“ oder „Psychotherapie“ führte, konnte sie beibehalten. Er erhielt auf Antrag das Recht, die Bezeichnung „Facharzt für Psychotherapeutische Medizin“ zu führen, wenn er nach Erwerb der Zusatzbezeichnung über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren überwiegend Psychotherapie ausgeübt hat.

Kostenübernahme in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Behandlungen von psychischen Störungen mit Krankheitswert durch einen Psychotherapeuten ist in der Regel ein Leistungsfall für die Krankenversicherung. Die Gebühren der Ärzte sind in der Gebührenordnung für Ärzte geregelt, die der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind in der Gebührenordnung für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (GOP).[31]

Gesetzliche Krankenkassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychotherapeuten, die in eigener Praxis arbeiten, haben oftmals auch eine Kassenzulassung, d. h. eine Behandlung durch sie wird (ggf. nach entsprechender Antragsstellung zur Kostenübernahme) von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Diese Zulassung kann nach der Approbation und einem Eintrag ins Arztregister durch die Kassenärztliche Vereinigung erteilt werden. Für die Psychologischen Psychotherapeuten gibt es - ähnlich wie bei Ärzten - eine Bedarfsplanung, die festlegt, wie viele Therapeuten sich in einem Bezirk niederlassen dürfen. Daher ist in vielen Bereichen eine Kassenzulassung nicht mehr möglich. Es ist aber möglich, zum Beispiel bei der Übernahme einer Praxis von Kollegen, die in den Ruhestand gehen, auch die Kassenzulassung zu erwerben.

Ein Psychotherapeut kann zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung im Regelfall bei vorliegender Genehmigung für die Personengruppe

  • Erwachsene: ab dem vollendeten 18. Lebensjahr Patienten behandeln,
  • Kinder- und Jugendliche: bis zum vollendeten 21. Lebensjahr Patienten behandeln, jedoch sollte vor Beginn einer Therapie absehbar sein, dass die Altersgrenze während der Therapie nicht überschritten wird.

Bei vorliegenden beiden Genehmigungen kann er Kinder- und Jugendliche und Erwachsene durchgängig behandeln.

Im Durchschnitt warten Patienten in Deutschland drei Monate auf ein Erstgespräch mit einem Therapeuten und drei weitere Monate auf den Beginn ihrer Behandlung.[32] Dies ist aber im Einzelfall von der Situation der zu behandelnden Person abhängig, da sich - ähnlich wie bei Fachärzten - auch Psychotherapeuten auf bestimmte Gebiete spezialisieren (z.B. Drogensucht, Gewalterfahrung, sexueller Missbrauch). Daher ist es manchmal schwierig, einen Termin bei dem entsprechenden Spezialisten zu bekommen. Auch kommt es in manchen Städten zu einem Überangebot an Therapeuten, während einige ländliche Gebiete unterversorgt sind. Alternativ bieten die Krankenkassen auch stationäre Therapien in entsprechenden Kliniken an.

Bei den gesetzlichen Krankenkassen gilt die Kostenübernahme nur für Behandlungen, die der Psychotherapierichtlinie entsprechen.[33] Diese umfassen Behandlungs- und Antragsmodalitäten und die Einschränkung auf bislang drei zugelassenen Therapieverfahren. Nicht dazu zählen u. a. die Gesprächspsychotherapie und die Systemische Therapie. Sie werden dementsprechend von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.

Privatbehandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Private Krankenversicherungen übernehmen psychotherapeutische Behandlungen im Rahmen des individuellen Versicherungsvertrags. Der Bundesgerichtshof[34] verneint eine Deckungspflicht, wenn die Allgemeinen Versicherungsbedingungen keine Regelung dazu enthalten.

Berufsgruppen in der ambulanten Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt für das Jahr 2011, wie viele Angehörige der jeweiligen Berufsgruppen an der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung gesetzlich Versicherter beteiligt waren (Leistungen aus Kapitel 35 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs - psychosomatische Leistungen, psychotherapeutische Leistungen und Psychodiagnostik).[35] Zu beachten ist, dass bei einigen Berufsgruppen - Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzte für Neurologie und Fachärzte für Nervenheilkunde, sowie die Hausärzte - die einzelnen Angehörigen in nur geringem Maße psychotherapeutische Leistungen erbringen, während psychologische und ärztliche Psychotherapeuten, Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Kinder‐ und Jugendlichenpsychotherapeuten fast ausschließlich psychotherapeutische Leistungen erbringen.

Erbringer psychotherapeutischer Leistungen, nach Berufsgruppen
Fachbezeichnung Anzahl
Psychologische Psychotherapeuten 13.740
Kinder‐ und Jugendlichenpsychotherapeuten 2.364
Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 2.316
Fachärzte für Nervenheilkunde 1.226
Ärztliche Psychotherapeuten 2.316
Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie 1.557
Fachärzte für Neurologie 515
Fachärzte für Kinder‐ und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 696
Hausärzte 35.331

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.zpid.de/help/faqs_antworten.php?faq=f01
  2. Österreichisches Psychotherapiegesetz von 1990
  3. Österreichisches Psychotherapiegesetz
  4. Beruf Psychotherapeutin, Psychotherapeut
  5. In Österreich anerkannte Psychotherapiemethoden
  6. Bescheid des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen vom 10. Januar 2007, Geschäftszahl BMGF-93500/0002–1/7/2007.
  7. Psychotherapie#Schweiz
  8. Z. B. Heilberufgesetz Nordrhein-Westfalen
  9. a b http://www.bdp-verband.org/psychologie/faq_titelanerkennung.shtml
  10. http://www2.psychotherapeutenkammer-berlin.de/uploads/nauapprobierte_langfassung.pdf
  11. § 95 Abs. 2, § 95c SGB V
  12. Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapeuten
  13. Akademie für angewandte Psychologie und Psychotherapie, Köln
  14. Rhein-Eifel-Institut, Andernach
  15. FAZ, Psychotherapeuten: Lange Durststrecke
  16. FAZ, Psychotherapeuten zum Billigtarif
  17. SPIEGEL, Junge Psychotherapeuten, Voller Einsatz - kein Gehalt
  18. SPIEGEL, Psychotherapeuten Hängepartie in der Ausbildung
  19. Wann und unter welchen Umständen haftet ein PIA in Gerlach Berufsrecht und Berufsethik in der Psychotherapie, S.38 http://ra-gerlach.de/publikationen/Berufsrecht_fuer_Psychotherapeuten.pdf
  20. LAG Hamm, Urteil vom 29. November 2012, Az. 11 Sa 74/12
  21. http://www.vpp-pia.de/doku/Zusammenfassung_Urteilsbegruendung_LAG_NRW.pdf
  22. http://www.hensche.de/Diplom_Psychologe_bei_Ausbildung_zum_psychologischen_Psychotherapeuten_ist_Arbeitnehmer_und_kein_Praktikant_Arbeitsgericht_Hamburg_21Ca43-12.html
  23. http://www.gesetze-im-internet.de/psychthg/BJNR131110998.html
  24. http://www.presseportal.de/pm/32838/2612435/gfb-warnt-grosse-koalition-vor-substitution-aerztlicher-leistungen
  25. Bundesärztekammer, Musterweiterbildungsordnung (Memento vom 21. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF; 759 kB)
  26. http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/20130628-MWBO_V6.pdf
  27. Berufs-Chancen-Check Psychologe, Psychologin. Bildung und Wissen, Nürnberg 1999, ISBN 3-8214-8244-3.
  28. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Durchführung der Psychotherapie (Psychotherapie-Richtlinie) [1] Abgerufen am 31. März 2014
  29. Psychotherapeutengesetz der Bundesrepublik Deutschland [2] Abgerufen am 31. März 2014
  30. Paragraphenwerk der Weiterbildungsordnung hier der Ärztekammer Berlin
  31. Gebührenordnung für Psychologische Psychotherapeuten (GOP)
  32. BPtK, Wartezeiten in der ambulanten Psychotherapie (PDF; 68 kB)
  33. Psychotherapierichtlinie, eingesehen am 18. März 2013
  34. Urteil des Bundesgerichtshofs vom 15. Februar 2006 zur Frage der Deckungspflicht von Psychotherapieleistungen von Krankenkassen
  35. Sabine Herpertz u. a.: Studie zur Versorgungsforschung. Vorläufiger Abschlussbericht Dezember 2011 (pdf; 357 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Psychotherapeut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen