Corduan

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Der Corduaner aus dem Ständebuch Christoph Weigels d.Ä. von 1698. (Dt. Fotothek)
Heinrich Ernst peutler. Aus den Hausbüchern der Zwölfbrüderstiftungen, Nürnberg 1610.

Corduan oder Corduanleder, auch Cordovan genannt, ist ein mit Gerber-Sumach und Galläpfeln gegerbtes, geschmeidiges, weiches, feinnarbiges Leder aus Bock- Ziegen- oder Schaffellen, ähnlich dem Maroquin oder Saffian, das vorwiegend in der Buchbinderei, Etuismacherei, der Feintäschnerei und Damenschuhmacherei verarbeitet wurde. Graue oder gelbliche Bälge konnten durch eine spezielle Winterbleichung in Farbe und Griff verbessert werden. Dazu wurden sie kräftig durchweicht und längere Zeit Frost und Wind ausgesetzt. Mit Aufkommen der industriellen Chromgerbung ist das Corduanleder zumindest in den Industriestaaten aus den Sortimenten verschwunden. Echtes Corduan ist nicht zu verwechseln mit Korduanleder. Aus dem amerikanischen Raum kommend wird dieser Begriff heute für Pferdeleder benutzt.

Geschichte des Corduans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung taucht ab dem 11./12. Jahrhundert auf; er leitet sich ab von der spanischen Stadt Cordoba, in der sich frühzeitig diese Verarbeitungstechnik verbreitet hatte. Entwickelt hat sie sich jedoch in Afrika und dem Orient und gelangte über Handelswege nach Spanien und Italien. Schon früh hatte sich in etlichen Städten auch die Spezialisierung auf eine Farbe herausgebildet, z.B. blauer Corduan in Tokat in der heutigen Türkei, roter in Diyarbakır und Bagdad, gelber in Mosul und Ninive und schwarzer in Oufra

Im Corduanhandel haben sich im Mittelalter verschiedene Handelswege herausgebildet: a) Im Süden fertige Corduans von Kleinasien (Sadak, Ouchat, Smyrna) nach Venedig sowie Rohleder aus der Levante zur Weiterverarbeitung nach Leipzig, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Metropole des Leder- und Pelzhandels. b) Im Norden Rohleder mit den Schiffen der Hanse aus dem Baltikum nach Danzig und Lübeck, wo sich eine Weiterverarbeitung entwickelte.

Das Handwerk der Corduaner im deutschen Sprachraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Corduanmacher gehören der schon früh sehr differenziert arbeitenden Zunft der Gerber an. Im Gegensatz zum Mittelmeerraum und der arabischen Welt, die schon frühzeitig ein hohes Interesse an feinen, dünnen und farbigen Ledern hatte, setzte sich dieses spezialisierte Handwerk wegen zunächst mangelnder Nachfrage im deutschen Sprachraum erst deutlich später durch.

Zu Hauptorten der Corduanmacherei im ausgehenden Mittelalter entwickelten sich im deutschen Sprachraum Hamburg, Lübeck, Stettin, Danzig und Leipzig.

Die ersten Corduanmacher übten häufig auch das Handwerk der Lederfärberei aus, was dazu führte, dass sich bei ihnen im Gegensatz zu den anderen Gerbern hier wesentlich weitreichendere Fähigkeiten entwickelten. Insofern hatten sie innerhalb der Gerberzünfte einen vergleichsweise hohes Prestige. Andere verarbeiteten ihre Leder selbst weiter zu Kleinlederwaren und Schuhen, sodass im Spätmittelalter vielerorts auch Schuhmacher die Bezeichnung Corduaner oder Kordewaner trugen.

Überliefert ist, dass sie ihr Gewerbe herzhaft einzudämmen versuchten, da die Lehrzeit eine verhältnismäßig lange und demnach teure war. Nach einer vierjährigen Lehrzeit (Meisterssöhne drei Jahre) wurden sie zum Gesellen; um Meister zu werden, waren zwei Wanderjahre sowie zwei weitere Jahre Gesellentätigkeit an dem Ort, an welchem sie sich niederlassen wollten, erforderlich.

Corduaner waren vielfach auch im Handelsstand anzutreffen, da sie ihre Waren auf Vorrat machen konnten. Vielfach übernahmen sie auch Erzeugnisse aus Gewerken, denen sie ihre Leder lieferten, zum Weiterverkauf, wie Etuis, Gürtler- und Täschnerartikel. Mit dem Beginn der Mechanisierung in der Gerberei und der Einführung der Gerbung mit Metallsalzen (Chromgerbung) im 19. Jahrhundert verschwanden die spezialisierten Gerberhandwerke und damit auch der Corduanmacher.

Corduansorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Türkischer oder weißer Corduan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Seraglio genannt; Hauptherstellungszentrum im deutschen Sprachraum war Leipzig. Die immer sehr hellen narbenfreien ungefärbten Bockleder wurden aus Italien bezogen und vor Ort geglättet, fassoniert und gefärbt.

Schwarzer Corduan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haupterzeugungsorte waren Spanien, Flandern, Avignon, Paris, Lyon, Limoges und Rouen. Die Güte des spanischen wurde am höchsten geschätzt, vom Corduan aus Rouen jedoch optisch übertroffen. Von minderer Qualität galten schwarze Corduane aus der Levante. Gehandelt wurde schwarzer Corduan nach Gewicht.

Farbiger Corduan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu schwarzem Corduan wurde dieser nach Stücken gehandelt. Der Herstellungsschwerpunkt lag in der Levante um Smyrna und Aleppo.

Schwarzer oder rauchschwarzer Corduan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung rauchschwarz hat nichts mit Rauch zu tun, sondern leitet sich von rau ab: Im Gegensatz zur üblichen Zurichtung der Narbenseite als Schauseite wird beim rauchschwarzen Corduan die raue Unterseite (Aasseite) des Leders als Schauseite zugerichtet. Er wurde zu Kleinlederwaren vorzugsweise für Trauerausstattungen verarbeitet oder zu Schuhwerk für empfindliche Füße.

Glatter Corduan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meist aus Ziegen- gelegentlich auch Bockleder, sehr leicht und dünn. Er wird nur einseitig zugerichtet und kommt bei der Buchbinderei und Etuismacherei zum Einsatz, da hier die Rückseite auf ein Trägermaterial kaschiert und so uninteressant ist. Die Oberfläche wird eher matt zugerichtet.

Glatter Bock-Corduan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kräftiger als die anderen Corduans und besonders zur Verarbeitung in der Schuhmacherei geeignet. Als beste und dementsprechend teuerste Qualitäten wurden die besonders großen Bock-Corduans aus der Türkei und Ungarn gehandelt.

Qualitätsstufen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurden vier Qualitätsstufen unterschieden:

I. Danziger Die allerfeinste Qualität; sie ist auf der zugerichteten Seite tiefschwarz, auf der Narbenseite fast weiß, dabei sehr weich und mollig im Griff und relativ geruchsfrei.

II. Lübecker Sehr fein, jedoch nicht ganz so tiefschwarz bzw. hell wie der Danziger und auch nicht ganz so mollig und weich im Griff, mit leicht bockigem Geruch. Die Rohleder für Danziger wie auch Lübecker Corduan kamen vorwiegend über die seit den Zeiten der Hanse eingeführten Handelsrouten aus dem Baltikum.

III. Türkische Weniger fein und weich, weniger intensiv gefärbt und mit einem gewissen Geruch. Die Rohleder kamen meist über Handelsrouten von Kleinasien über Italien nach Leipzig und wurden dort weiterverarbeitet.

IV. Leipziger Die einfachste Qualität aus einheimischen Bockfellen, oft mit einem nicht besonders aparten Bocksgeruch.

Sprachliche Relikte dieses alten Handwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beruf des Corduaners hat sich im deutschen Sprachraum erhalten in Familiennamen wie Corduan, Korduan, Kordewang, in Cordebisi (Italien) oder in Frankreich Cordouanier.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 212.
  • Johann Georg Krünitz: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft. 232 Bände. Berlin, Pauli 1773-1858. [1]
  • Harry Kühnel (Hrsg.): Alltag im Spätmittelalter. Graz, Wien, Köln Styria 1986 (3); ISBN 3-222-11528-1
  • Rudi Palla: Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe. Frankfurt am Main, Wien Büchergilde 1995, ISBN 3-7632-4412-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]