Kradepohlsmühle

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Briefkopf der Firma C. F. Wachendorf mit einer Zeichnung der Kradepohlsmühle 1895

Die Kradepohlsmühle war eine Papiermühle im Stadtteil Gronau von Bergisch Gladbach an der Strunde.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Kradepohl setzt sich aus den zwei mundartlichen Wörtern Krad (gesprochen Kraat) = Kröte (im erweiterten Sinne auch Frosch) und Pohl = Teich zusammen. Es handelt sich demzufolge um einen geographischen Ort, an dem die Frösche in einem Teich quaken.[1]

Die erste Mühle, die hier gestanden hat, war eine Schleif- und Pleißmühle.[2] 1602 wurde sie als „Volmühl“ (Vollmühle) bezeichnet und 1615 als „Schlyf Müll“ (Schleifmühle), während sie bald danach im Dreißigjährigen Krieg in eine Pulvermühle umgebaut wurde. So findet sich denn auch in der Kellnereirechnung von 1744/45 folgender Text: „Noch eine pulvermühl zu Duiderath am Kradenpohl ist denen Erbgenahmen Schonenberg zuständig fundiren sich gleichfalß auff vorgenanntes altes privilegium, da aber diese mühl im Jahr 1740 zur Vollmühlen aptiret (umgewandelt) worden, alß nehme darob zum Empfang 56 (Albus).“ Nachdem die Pulvermühle nicht mehr lukrativ genug war, griff man also wieder auf die Nutzung als Vollmühle zurück. 1773 wurde die Vollmühle als Öl- und Fell-Follmühle (Lederwalkmühle) bezeichnet, verfügte über ein unterschlächtiges Wasserrad, ein Wassergefälle von einem Fuß und sechs Zoll.[1]

Seit 1740 gehörte die Mühle Heinrich Schnabel von der nach ihm benannten Schnabelsmühle. Er wollte die Mühle zur Bereitung von Lumpenhalbstoff gebrauchen und damit die Kapazität der Schnabelsmühle vergrößern, doch erst sein Enkel Franz Heinrich Fauth führte den Plan zu Ende. Karl Friedrich Wachendorff erwarb die Kradepohlsmühle in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Er stellte eine alte Pappenmaschine auf und produzierte mit bis zu sechs Arbeitern aus Lumpen und Papierabfällen täglich 300 bis 400 kg Pappen. Um das Geschäft lohnender zu machen, erwarb er eine neue Zylinder-Pappen- und Papiermaschine, die er zuerst mit einer Lokomobile, später mit einer 30 PS starken stationären Dampfmaschine antrieb. Nun wurden neben Pappen auch Schrenz und andere billige Packpapiere hergestellt. Trotz einiger Rückschläge wuchs der Betrieb zu einem modernen mittelständischen Unternehmen für Pappen und Packpapier.[1]

Nach dem Tod des Firmengründers 1915 übernahmen seine Söhne Fritz und Max die Geschäftsleitung. Nun wurden zusätzlich wasserdichte Packpapiere und Krepppapiere hergestellt. Ein stetig wachsender Erfolg stellte sich ein. 1939 hatte das Unternehmen 150 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 2,5 Mio. Reichsmark. Da man von Schäden im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieb, begann schon bald nach Kriegsende wieder die Produktion. Um für den Wettbewerb gerüstet zu sein, wurden die Betriebsanlagen frühzeitig nach und nach modernisiert. 1989 hatte das Unternehmen rund 240 Mitarbeiter, die ca. 6.000 Tonnen Spezialpapiere mit einem Wert von über 40 Mio. DM herstellten. Auf der anderen Seite gab es aber Nachfolgerprobleme, so dass man das Werk zum 1. April 1990 an die börsennotierte Wanderer-Werke verkaufte. Die 1989 beabsichtigte Sicherung des Standorts und der Arbeitsplätze hielt nicht lange vor. Nach dem parzellenweisen Verkauf großer, unbebauter Teile des Werksgeländes wurde Ende 2003 die Papierfabrik Wachendorff geschlossen, deren Gebäude und der restliche Grundbesitz an der Kradepohlsmühle seitdem als Industriegelände von vielen kleineren Firmen genutzt werden.[1]

Straßenbezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Bergisch Gladbach hat nach dieser Mühle schon vor 1918 den Kradepohlsmühlenweg benannt.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Hans Leonhard Brenner: Die Strunde und ihre Bergisch Gladbacher Mühlen. Hrsg.: Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e. V. in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bergisch Gladbach. Bergisch Gladbach 2012, ISBN 3-932326-67-9, S. 143 ff.
  2. Pleiß von pleistern = verputzen, glätten, polieren mit Kalk (Rüstungen mussten poliert werden, um glänzend und rostabweisend zu sein), siehe Jakob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854–1961, Band 13, bearbeitet von Matthias von Lexer, Leipzig 1889, Reprint München 1991, Spalte 1931
  3. Andree Schulte: Bergisch Gladbach Stadtgeschichte in Straßennamen. Hrsg.: Stadtarchiv Bergisch Gladbach und Bergischer Geschichtsverein Rhein-Berg e. V. Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-9804448-0-5, S. 114 f.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferdinand Schmitz: Die Papiermühlen und Papiermacher des bergischen Strundertals. Bergisch Gladbach 1921.
  • Feststellung und Ordnung für den Strunderbach, gedruckt bei Chr. Illinger, Bergisch Gladbach o. J., (es handelt sich um die Bachordnung und das Bachprotokoll von 1823 nach einer Kopie von 1854)
  • Frank Schulte: Die Mühlen an der Strunde. Bergisch Gladbach 1979, ISBN 3-932326-02-4.
  • Herbert Nicke: Bergische Mühlen, Auf den Spuren der Wasserkraftnutzung im Land der tausend Mühlen zwischen Wupper und Sieg. Wiehl 1998, ISBN 3-931251-36-5, S. 246.
  • Herbert Stahl (Redaktion) und andere: Gronau. Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-932326-51-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 58′ 52,4″ N, 7° 6′ 15″ O