Kraftwerk Fortuna (1912–1988)

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Kraftwerk Fortuna (I bis III)
Lage
Kraftwerk Fortuna (1912–1988) (Nordrhein-Westfalen)
Kraftwerk Fortuna (1912–1988)
Koordinaten 50° 57′ 35″ N, 6° 40′ 58″ OKoordinaten: 50° 57′ 35″ N, 6° 40′ 58″ O
Land Deutschland
Gewässer keines (Kühltürme gespeist durch abgepumptes Grundwasser der nahegelegenen Tagebaue)
Daten
Typ Dampfkraftwerk
(Kohlekraftwerk)
Brennstoff Braunkohle (Rheinisches Braunkohlerevier)
Leistung max. 1120 MW (elektrisch) installiert[1]
Effektive Leistung der Blöcke:[2]
  • Werk I (1912 - 195x): ca. 8 MW
  • Werk II (ab 1923): ca. 6 × 80 MW = 480 MW
  • Werk III: 2 × 100 MW (ab 1956) + 2 × 150 MW (Erweiterung 1965) = ca. 500 MW
Betreiber Fortuna AG → REW → RAG, → Rheinbraun, → RWE
Betriebsaufnahme 1911/1912
Stilllegung 1988
Turbine Dampfturbine
f2

Das Kraftwerk Fortuna mit seinen Blöcken I bis III war ein Braunkohlekraftwerk im ehemaligen Bergheimer Ortsteil Fortuna (nahe Oberaußem) im Rheinischen Revier.

Versorgt wurde es bis Mitte der 1950er-Jahre mit Kohle aus der direkt angrenzenden Grube Fortuna, später vor allem aus dem Tagebau Fortuna-Garsdorf, aber auch aus anderen Tagebauen des Reviers (Bergheim, Hambach über die Hambachbahn, Garzweiler über die Nord-Süd-Bahn, …).

Da sich das Kraftwerk auf einem für den Abbau vorgesehenen Gebiet mit großen Braunkohlevorkommen befand und da ein weiterer Betrieb wegen anstehenden Modernisierungsmaßnahmen unwirtschaftlich gewesen wäre, wurde der Standort 1988 für die Erweiterung des Tagebaus Bergheim geschlossen und zusammen mit dem gesamten Ortsteil Fortuna abgebaggert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau und Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kraftwerk Fortuna wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auf Initiative von Paul Silverberg von der Fortuna AG (Fortuna Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation) gebaut, um die Kohle aus der unternehmenseigenen Grube Fortuna zu verwerten und die Stadt Köln und den Kreis Bergheim mit Drehstrom zu versorgen. Betrieben wurde das Werk von der Tochtergesellschaft REW (Rheinische Elektrizitätswerke im Braunkohlenrevier AG – nicht zu verwechseln mit RWE).[1]

Werk I ging 1912 mit einer elektrischen Leistung von etwa 4 MW ans Netz (25 kV) und war damit (zusammen mit den Vorgängern des Kraftwerks Goldenberg) das erste Kohlekraftwerk im Rheinischen Revier. 1914 lieferte das Kraftwerk rund die Hälfte des Strombedarfes der Stadt Köln.[1]

Werk II ging 1923 in Betrieb. In zehn staubgefeuerten Kesseln wurde der Hochdruckdampf (80 bar) für die sechs Dampfturbinen mit je ca. 78 MW elektrischer Leistung erzeugt.

Werk III wurde 1956/57 mit zwei Blöcken à 100 MW in Betrieb genommen und 1965 nochmals um zwei Blöcke mit je 150 MW erweitert. Damit erreichte das Kraftwerk seine maximale Leistung von etwas mehr als 1 Gigawatt elektrisch.

Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk I war bereits in den 1950er-Jahren stillgelegt worden, da die Technik veraltet und das Werk mit der geringen Leistung nicht mehr wirtschaftlich war.

Für Werk II und III kam das Aus Ende der 1980er-Jahre, hauptsächlich aus drei Gründen:

  1. Aufgrund der in Kraft getretenden Großfeuerungsanlagenverordnung wäre es ab 1993 notwendig geworden, eine moderne Rauchgasreinigungsanlage zu errichten; die Höhe der dafür notwendigen Investitionen wären mit einem zu geringen Kapitalrückfluß verbunden und somit unwirtschaftlich gewesen.
  2. Es gab insgesamt Überkapazitäten im Kraftwerkspark der RWE; die verlorengehende Leistung konnte mit geringem Aufwand durch andere Standorte kompensiert werden (z. B. durch die Erweiterung des anfangs als Fortuna IV bezeichneten Kraftwerk Niederaußem[3]).
  3. Unter dem Kraftwerksgelände lagen wertvolle Braunkohlevorkommen, die erschlossen werden sollten

Ab 1987 wurde die Leistung stufenweise zurückgefahren. Am 22. Dezember 1988 ging die letzte Turbine vom Netz. Anschließend wurde das gesamte Kraftwerk abgerissen und das Gelände abgebaggert. Die meisten der 400 Beschäftigten wurden ins Nachbarkraftwerk Niederaußem versetzt, der Rest in den Ruhestand versetzt.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Detlef Witt: Die Kraftwerke Fortuna. Hrsg.: RWE Betriebsverwaltung Fortuna. Greven & Bechtold, Köln 1988, DNB 870683950.
  • Albert Schreiber: Das Kraftwerk Fortuna II. Monographie eines Dampfkraftwerks in systematischer Darstellung. In: Siemens-Handbücher. Band 5. Walter de Gruyter, Berlin/Leipzig 1925, DNB 36265462X (XVI, 175 S. Mit 141 Abb. im Text u. a. 7 Taf.).
  • Volker Schüler, Helmut Schrön: Fortuna - Klütten, Kloster, Kolonie, Gruben, Brikettfabriken, Kraftwerke 1857-1945. In: Documenta Berchemensis historica. Band 10. DBH Schüler, Frechen 2008, DNB 990529916.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Oberaußem – Fortuna und die Braunkohle auf www.stadtteilforum-oberaussem.de (Memento des Originals vom 30. Juni 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stadtteilforum-oberaussem.de
  2. Sonderausgabe Kölnische Rundschau vom 27. März 1956: Elektrische Energie aus Braunkohle auf www.wisoveg.de
  3. Kraftwerk Niederaußem auf www.rwe.com

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]