Krenal

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Das Krenal (altgr. κρήνη krḗnē, „Quelle“) ist die Quellregion als limnologischer Fließgewässertyp. Seine Lebensraumgemeinschaft ist das Krenon. Unterschieden wird gelegentlich zwischen der eigentlichen Quellregion, dem Eukrenal, und dem Quellbach, dem Hypokrenal. Mündungwärts schließt sich das Rhithral (Bachregion) an, gefolgt vom Potamal (Flussregion).

Kennzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist charakterisiert durch:

  • eine im Tages- wie im Jahresverlauf nur wenig schwankende Wassertemperatur. Quellen mit Speisung aus dem tieferen Grundwasser weisen eine konstante Temperatur auf, die der Jahresdurchschnittstemperatur dieses Orts entspricht. In großen Teilen Mitteleuropas sind das Temperaturen um 10 °C oder knapp darüber.
  • einen geringen Nährstoffgehalt. Dies gilt heute meist nur noch für Quellen mit bewaldetem Einzugsgebiet. Die meisten Quellen mit viel Ackerland im Einzugsgebiet weisen erhöhte Nitratgehalte auf.
  • eine auf kleinstem Raum wechselnde Fließgeschwindigkeit
  • eine niedrige Sauerstoffsättigung, da Quellwasser zu Tage tretendes Grundwasser ist. Im Verlauf des Baches kann der Sauerstoffgehalt jedoch aufgrund starker Turbulenz und schießendem Abfluss deutlich ansteigen. In der Regel sind bereits Quellbäche sauerstoffgesättigt.

Da die Erosion im Krenal stärker ist als die Sedimentation, verläuft das Gewässer meist innerhalb eines schmalen Kerbtales. Auch Quellen sind an Steilhängen meist in den Hang eingesenkt; möglicherweise durch Kammeisbildung. Der Einfluss des Gewässers auf seine Umgebung ist gering, eine Aue hat sich noch nicht ausgebildet. An den Ufern des Krenal finden sich einzelne Erlen oder Eschen, ansonsten durchfließt das Gewässer in Mitteleuropa den zonalen Buchenwald.

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flora der Quellgewässer ist aufgrund der niedrigen Sommertemperaturen meist artenärmer als die anderer Gewässertypen, umfasst aber eine Reihe hoch spezialisierter Arten, die beinahe ausschließlich hier wachsen. Viele Quellen im Wald sind stark beschattet und weisen beinahe gar keinen Pflanzenwuchs auf. Eigentliche Wasserpflanzen fehlen ihnen ganz. Typische Arten an Waldquellen und Quellbächen sind z. B. Gegenblättriges Milzkraut, Wechselblättriges Milzkraut, Bach-Quellkraut (Montia fontana). Besonnte Sickerquellen im Grünland weisen eine artenreiche Flora mit zahlreichen bemerkenswerten Pflanzenarten auf, wenn sie nicht durch Intensivnutzung, z. B.übermäßige Düngung entwertet worden sind. Die Quellfluren bilden die Klasse „Montio-Cardaminetea“ im pflanzensoziologischen System. Typische und charakteristische Arten sind z. B. Bitteres Schaumkraut, Bach-Sternmiere. Kalkquellen mit Quelltuffbildung sind besonders reich an Moosen, vor allem Palustriella commutata und Cratoneuron filicinum. Weitere typische Quellmoose gehören etwa zu den Gattungen Philonotis (z. B. Philonotis fontana) und Pellia.

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Fauna des Krenal ist artenärmer als die des Rhithral, aber ebenso durch charakteristische Arten geprägt. Manche der hier vorkommenden Arten sind besonders an die geringen Sommertemperaturen angepasst. Teilweise handelt es sich um Arten mit Hauptverbreitungsgebiet im hohen Norden oder in den Alpen, sog. boreoalpine Arten. Teilweise deutet man ihr mitteleuropäisches Vorkommen als Reliktvorkommen seit dem Eiszeitalter. Besonders reich an Quellarten ist die Familie der Köcherfliegen. Typische Krenalarten sind z. B.

Das Krenal weist in der Regel keine Fische auf. Einzige typische Wirbeltierart ist der Feuersalamander.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Blab: Grundlagen des Biotopschutzes für Tiere (= Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz. Heft 24). Herausgegeben von der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie. 2. Auflage, erweiterte Neubearbeitung. Kilda-Verlag, Greven 1986, ISBN 3-88949-115-4, S. 1–250.
  • Leonie Jedicke, Eckhard Jedicke: Farbatlas Landschaften und Biotope Deutschlands. Ulmer, Stuttgart 1992, ISBN 3-8001-3320-2, S. 1–320.
  • Jürgen Schwoerbel: Einführung in die Limnologie (= Uni-Taschenbücher. Band 31). 6., überarbeitete Auflage. Fischer, Stuttgart 1987, ISBN 3-437-20395-9, S. 1–269.
  • Dietrich Uhlmann, Wolfgang Horn: Hydrobiologie der Binnengewässer. Ein Grundriss für Ingenieure und Naturwissenschaftler (= UTB für Wissenschaft. Biologie, Geologie, Geographie. Band 2206). Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8252-2206-3, S. 1–528.