Kriminaltechnik

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Unter dem Begriff der Kriminaltechnik sind alle Erkenntnisse und Maßnahmen zusammengefasst, die sich mit der Anwendung und Nutzbarmachung wissenschaftlicher und auf Erfahrung basierender Erkenntnisse im Hinblick auf kriminalistische Spuren (Spurenkunde) beschäftigen. Hierzu gehören:

Formspuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Technische Formspuren

Hierbei handelt es sich um den thematisch größten Bereich der Kriminaltechnik, der in erster Linie für technische Formspuren zuständig ist und bei der Auswertung das umfassendste Fachwissen erfordert. Hierunter fallen Untersuchungsbereiche wie:

  • Schließtechnik (Schloss, Schlüssel, Schließzylinder)
  • Werkzeugspuren
  • Schuhspuren
  • Reifenspuren
  • Handschuhspuren
  • Wiedersichtbarmachung entfernter Prägezeichen
  • Kfz-Delikte (Verfälschung, Überwindung von Wegfahrsperren etc.)
  • Passspuren
  • Glasbruch
  • Bissspuren
  • Bekleidungsidentifizierung

Waffen und Munition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schusswaffen
  • Hieb- und Stichwaffen
  • Rechtliche Einordnung von Waffen und Munition

Urkunden, Pässe, Maschinenschriften und Drucktechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Urkundentechnik ist eine umfassende physikalische und chemische Überprüfung von Urkunden, Druckerzeugnissen, Pässen, Papier und sonstigen Schriftträgern hinsichtlich Merkmalen, die bei einer Echtheitsprüfung fälschungsrelevant sind oder ansonsten, z. B. bei illegalen Dokumenten wie Selbstbezichtigungsschreiben Zusammenhänge belegen und als Fahndungshilfsmittel dienen können.

Biologische Analytik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die forensische Biologie ist das jüngste kriminaltechnische Fachgebiet, aus der Forensik jedoch nicht mehr wegzudenken. Hierzu zählen die Fachgebiete:

  • DNA-Analyse
  • Textiluntersuchungen (inkl. textile Stichspuren)
  • Humanspuren (Lippen-, Ohr- und Hautabrücke)
  • Bodenuntersuchungen

Chemische Analytik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gehört wie die Biologische Analytik zu der so genannten wissenschaftlichen Kriminaltechnik. Dieses Fachgebiet befasst sich hauptsächlich mit Materialanalysen.

Daktyloskopie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Begriff der Daktyloskopie sind alle Erkenntnisse und Maßnahmen zusammengefasst, die sich mit der Anwendung und Nutzbarmachung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Hinblick auf kriminalistische Spuren (Spurenkunde) von Hautleistengebilden (z. B. Fingerabdrücken) beschäftigen.

Handschriftenuntersuchung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forensische Handschriftenuntersuchungen oder Gerichtliche Schriftvergleichung haben das Ziel, im Wege der Vergleichung von Merkmalen zweier oder mehrerer Schreibleistungen Aussagen zur Frage der a) Echtheit oder Unechtheit von Unterschriften oder/und b) Schrifturheberschaft zu treffen. In (seltenen) Ausnahmefällen ist eine zeitliche Einordnung fraglicher Schreibleistungen (relative Altersbestimmung) möglich.Untersuchungsvoraussetzungen: das fragliche Material muss immer im Original vorliegen und es müssen genügend Vergleichs(-unter-)schriften zur Verfügung stehen.

Forensische Information und Kommunikation (IuK)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beweissichernde Speicherung von Computerdaten, vgl. IT-Forensik.

Kriminaltechnische Auskunftsdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur weiteren Bearbeitung sowie Lösung kriminaltechnische Problemfelder, stehen verschiedenste Auskunftssysteme zur Verfügung. Diese entwickelten sich im Laufe der modernen kriminalpolizeilichen Geschichte und werden unter anderem vom Bundeskriminalamt, den Landeskriminalämtern sowie weiteren Polizeidienststellen bereitgestellt.

Zu den meist gebrauchten Auskunftsdiensten gehören:

Kriminaltechnik in den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kriminaltechnik erfreut sich besonders in den letzten Jahren erhöhter Aufmerksamkeit in Fernsehserien. Beispiele sind vor allem amerikanische Serien, wie die CSI-Reihe (CSI: Den Tätern auf der Spur, CSI: Miami, CSI: NY) oder auch Navy CIS. Ein Beispiel aus Deutschland wäre R. I. S. – Die Sprache der Toten.

Die zum Teil übertriebene bis unmögliche Darstellung technischer Möglichkeiten führt zu weiteren Problematiken, wie dem CSI-Effekt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ackermann, Rolf; Clages, Horst; Roll Holger; Handbuch Kriminalistik, 4. Auflage, 2011, Boorberg Verlag, ISBN 978-3415044814.
  • Raoul Kirmes, Private IT-Forensik und private Ermittlungen, zwei Seiten einer Medaille? Eine Analyse der Begriffe, Rollen und legalen Betätigungsfelder für private IT-Forensik, zugleich Grundlegung für ein Berufsrecht der privaten IT-Forensik; Josef EUL Verlag, Lohmar, 2012, ISBN 978-3844102048.
  • Horst Clages, (Hrsg), Der Rote Faden: Grundsätze der Kriminalpraxis (Grundlagen der Kriminalistik),Verlag Kriminalistik, ISBN 978-3783208078.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]