Kristallin

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Dieser Artikel behandelt die Bedeutung in der Geologie. In der Polymerphysik wird neben dem Begriff kristallin meist der Begriff teilkristallin verwendet. Kristallin ist auch der Name eines Proteins, das in der Augenlinse vorkommt.

Als kristallin bezeichnet man Substanzen, die aus kristallisiertem Material bestehen. Das Gegenteil dazu ist amorph.[1] In der Mineralogie und der Geologie unterscheidet man zwischen makrokristallinen (grobkristallinen), mikrokristallinen (feinkristallinen) und kryptokristallinen (dichten) Mineralen bzw. Gesteinen. Makrokristalline Gesteine zeigen die Kristalle schon auf den ersten Blick (z.B. gelbe oder rötliche Feldspäte im Granit), während man bei mikrokristallinen wie Marmor dafür manchmal eine Lupe benötigt.

Bezeichnung für geologische Komplexe[Bearbeiten]

Das Substantiv Kristallin dient als Überbegriff für geologische Komplexe, die aus Plutoniten und metamorphen Gesteinen bestehen. Die metamorphen Gesteine, die erdgeschichtlich relativ alt sein können, sind im Laufe ihrer Geschichte tief in die Erdkruste versenkt (teilweise deutlich mehr als 10 Kilometer Tiefe) und durch eine Gebirgsbildung wieder relativ nahe an die Erdoberfläche (einige wenige Kilometer Tiefe) gebracht (exhumiert) worden. Die unmetamorphen, meist granitoiden Plutonite sind das Ergebnis großer Mengen sauren Magmas, die in der Spätphase der Gebirgsbildung in die exhumierten metamorphen Gesteinskomplexe aufdrangen und dort auskristallisierten. Infolge von Erosion können solche gemischt plutonisch-metamorphen Komplexe heute an der Erdoberfläche ausbeißen.

Größere und kleinere Kristallinkomplexe, die aus der Variszischen Orogenese hervorgegangen sind und daher zum variszischen Grundgebirge zählen, kennzeichnen die Geologie Mitteleuropas. Ein besonders großer Kristallinkomplex ist hierbei die Böhmische Masse. In kleinerem Umfang beißt kristallines Grundgebirge u. a. im Schwarzwald, Odenwald und Spessart sowie im Thüringer Wald aus, wobei diese Kristallingesteine zu einer anderen Struktureinheit des Varistikums gehören als der überwiegende Teil der Böhmische Masse, zur sogenannten Mitteldeutschen Kristallinzone (auch Mitteldeutsche Kristallinschwelle genannt).

Auch in erdgeschichtlich jungen Faltengebirgen, wie den Alpen, tritt Kristallin zutage. Teilweise ist dies auf die Einverleibung variszischer Kristallinkomplexe in das Alpenorogen zurückzuführen (z. B. das Mont-Blanc-Massiv), teilweise sind diese Kristallinkomplexe aber auch erst im Zuge der Alpenentstehung gebildet worden (z. B. das Tauernmassiv).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Murawski, H., Meyer, W. (2004): Geologisches Wörterbuch. Spektrum Akademischer Verlag, 11. Auflage, 262 S. ISBN 3-8274-1445-8