Lübecker Silberschatz

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Der sogenannte Lübecker Silberschatz ist eine ehemals private Sammlung von 72 silbernen Gebrauchsgegenständen, die von Lübecker Silberschmieden vom 16. bis zum 19. Jahrhundert gefertigt wurden.

Geschichte Lübecker Silbers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lübecker Silberschätze des Mittelalters wurden in der Zeit der Reformation 1531 unter dem Bürgermeister Jürgen Wullenwever konfisziert, in der Trese in der Lübecker Marienkirche in Verwahrung genommen und zur Finanzierung von Kriegslasten insbesondere gegen die Niederlande im Zuge der Grafenfehde eingeschmolzen. Insgesamt 96 Zentner kunsthandwerklich gearbeitetes Silber wurden so eingeschmolzen. Dies erklärt zunächst die wenigen verbliebenen Stücke Lübscher Silberschmiedekunst aus vorreformatorischer Zeit. Aufgrund einer Änderung des Handwerkerrechts der Goldschmiede gibt es in Lübeck seit 1492 Beschauzeichen des Wardeins (Doppeladler) und individuelle Meisterzeichen der einzelnen zünftigen Goldschmiede, die die Identifizierung der Künstler in den meisten Fällen ermöglichten. Die Aufarbeitung erfolgte bereits im 19. Jahrhundert durch Theodor Hach[1] über einen Abgleich mit den alten Lübecker Urkunden und den Kirchenbüchern. Eine weitere, wenn auch nicht so durchgreifende Verknappung der Werkproben des Handwerks der Lübecker Silberschmiede beruht auf den Konfiskationen der Franzosenzeit. Anfang des 19. Jahrhunderts gingen so der Ratsschatz und das Silber der Lübecker Kaufmanns- und Handwerkerkorporationen durch den hohen Geldbedarf der Besatzer weitgehend verloren. Anders als zur Reformationszeit wurde jedoch nicht so sehr eingeschmolzen, sondern vielmehr am internationalen Kunstmarkt versteigert, so dass viele aus Urkunden seit alters her bekannte Objekte nun in Privatbesitz gelangten und sich nicht mehr ohne weiteres verfolgen ließen. Nur so ist letztlich auch die Möglichkeit zum Aufbau größerer privater Sammlungen mit repräsentativem Sammlungsquerschnitt erklärbar.

Sammlungbestandteil „Lübecker Silberschatz“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pokale des Lübecker Silberschatzes
Lübecker Silber037.JPG

Die im Jahr 2000 durch die Stadt Lübeck und ihr wohlgesinnte örtliche Stiftungen angekaufte private Sammlung enthält profanes Silbergerät von der Renaissance bis zum Klassizismus und umfasst insgesamt 72 Krüge, Kannen, Pokale, Humpen, Schalen, Dosen und Prunkteller.[2] Teilweise waren diese Stücke auf der großen Lübecker Silberausstellung 1965 bereits zu sehen. Andere sind zwar im Katalog verzeichnet, wurden aber nicht gezeigt und als „verloren“ bezeichnet. Besondere Stücke sind der Birnenpokal (um 1525),[3] eine Hansekanne vom Lübecker Meister Andreas Henninge (um 1580),[4] der Willkommpokal der Schiffergesellschaft (um 1597), der Deckelhumpen (um 1690), die Prunkschale (um 1719) und die Teekanne (um 1735).[5]

Die Sammlung war ursprünglich im Besitz des Lübecker Bauunternehmers Erich Trautsch. Trautsch, der im Museumsbeirat der Stadt Lübeck vertreten war, begann im Jahre 1960, seine Sammlung zusammenzutragen. Sein erstes Stück war ein Lübecker-Humpen, den er auf Empfehlung des Museumsleiters Max Hasse erwarb. Einige Jahre später stellte sich heraus, dass es sich jedoch nicht um Lübecker Silber handelte, sondern um eine Moskauer Arbeit. Beide Städte haben einen Doppelkopfadler als Stadtzeichen. Im Wappen der Stadt Lübeck trägt der Adler jedoch noch ein Schild, welches der Moskauer Adler nicht hat. Glücklicherweise hatte Erich Trautsch bis zu diesem Zeitpunkt über 20 Stücke gesammelt und daher störte ihn dieser Umstand nicht. Die „Hansekanne“ von 1575 vom Meister Andreas Henniges wurde ursprünglich dem Lübecker Museum angeboten. Dem Museum war er jedoch zu teuer. Erst zwei Monate später informierte Dr. Hasse Erich Trautsch über diesen Vorfall. Hasse war davon ausgegangen, dass der Preis überzogen war. Trautsch setzte sich umgehend mit dem New Yorker Händler in Verbindung, der ihm das Objekt per Nachnahme – Verkaufspreis 37.000 DM – nach Hamburg schickte.

Erich Trautsch stellte Teile seiner Sammlung im Laufe der Jahre verschiedenen Ausstellungen zur Verfügung, immer nur unter dem Buchstaben „T“ als Leihgeber. Kurz vor seinem Tod im Jahre 1985, übergab er seine Sammlung an seinen Enkel Christoph F. Trautsch. Dieser verwaltete die Sammlung und baute sie weiter aus. Im Jahre 2000 verkaufte er Teile der Sammlung an die Hansestadt Lübeck. Der sog. „Lübecker Silberschatz“ konnte mit der Unterstützung der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein und der Kulturstiftung der Länder im Juni 2000 für 2,5 Millionen Mark erworben werden.[2] Nach der Erstausstellung wurde die erworbene Sammlung zunächst untersucht und ist seit der Eröffnung im Rahmen der neu geordneten Dauerausstellung Goldschmiedekunst im Juni 2001[6] in der oberen Etage des St.-Annen-Museums ausgestellt.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Hach: Zur Geschichte der Lübeckischen Goldschmiedekunst, Nöhring, Lübeck 1893
  • Max Hasse: Lübecker Silber 1480–1800 mit Katalog der Jubiläumsausstellung „Altes Lübecker Silber“ (1965), Heft 5 der Lübecker Museumshefte, Lübeck 1965.
  • Björn R. und Marina Kommer: Lübecker Silber 1781–1871. Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck, herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Lübeck, Reihe B – Band 3 ISBN 3-7950-0049-1.
  • Johannes Warncke: Die Edelschmiedekunst in Lübeck und ihre Meister. Lübeck 1927 mit einem Nachtrag: Lübecker Goldschmiede, Ein Nachtrag zu meinem Buche: „…“ in: Nordelbingen XIII, 1937, S. 109 ff.
  • Friedrich Bruns, Hugo Rahtgens, Lutz Wilde: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Hansestadt Lübeck. Band I, 2. Teil: Rathaus und öffentliche Gebäude der Stadt. Max Schmidt-Römhild, Lübeck 1974, S. 268–273, ISBN 3-7950-0034-3 (zum Lübecker Ratssilber)
  • Hildegard Vogeler: Das Lübecker Ratssilber von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, In: Die neue Pracht. Silber des Historismus in Lübeck, Ausstellungskatalog, Lübeck 1991, S. 69–88.
  • Lothar Lambacher: Goldschmiedekunst in Lübeck um 1500 in: Jan Friedrich Richter (Hrsg.): Lübeck 1500 – Kunstmetropole im Ostseeraum, Katalog, Imhoff, Petersberg 2015, S. 104–112

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hasse, S. 12.
  2. a b Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 22. September 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/stadtzeitung.luebeck.de.
  3. Max Hasse, # 110 (damals noch „verlorener Pokal“).
  4. Max Hasse, # 122 (in der Ausstellung 1965 mit Provenienz „aus Sammlung T“ gezeigt).
  5. http://stadtzeitung.luebeck.de/artikelarchiv/2001/181/1810501.html@1@2Vorlage:Toter Link/stadtzeitung.luebeck.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. .
  6. http://www.luebeck.de/aktuelles/presse/pressedienstarchiv/view/2001/6/010444rk/.
  7. St. Annen-Museum@1@2Vorlage:Toter Link/www.die-luebecker-museen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. .

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]