Lamprechtsofen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lamprechtsofen
Lage: Leoganger Steinberge (Salzburg)
Höhe: 660 m ü. A.
Geographische
Lage:
47° 31′ 34″ N, 12° 44′ 21″ O47.52611111111112.739166666667660Koordinaten: 47° 31′ 34″ N, 12° 44′ 21″ O
Lamprechtsofen (Land Salzburg)
Lamprechtsofen
Katasternummer: 1324/1
Geologie: Dachsteinkalk
Typ: aktive Wasserhöhle, hochalpine Höhle
Gesamtlänge: 51 km
Niveaudifferenz: 1600 m
Länge des Schau-
höhlenbereiches:
700 m

Der Lamprechtsofen ist eine seit Jahrhunderten bekannte Höhle in den Leoganger Steinbergen im Bundesland Salzburg. (Ofen ist eine Bezeichnung für eine enge Felsformation.) Der Eingang liegt direkt an der Bundesstraße zwischen Lofer und Saalfelden. Die Höhle ist bislang auf 51 km Länge erforscht und gilt als längste Höhle Salzburgs. Rund 700 m sind als Schauhöhle touristisch erschlossen; für Geübte werden auch mehrstündige Führungen abseits des Schauhöhlenbetriebes angeboten.

Das Höhlensystem erstreckt sich über mehr als 1600 Höhenmeter, die größten Teile können nur im Winter bei Frost begangen werden, da viele Gänge bei größeren Niederschlägen oder bei Schneeschmelze komplett unter Wasser stehen können.

Geschichte und Erforschung[Bearbeiten]

Jahrhundertelang war der Lamprechtsofen das Ziel von Schatzsuchern, die dort einen versteckten Schatz des Ritters Lamprecht vermuteten. Dass einige dabei ihr Leben lassen mussten, zeigen frühere Skelettfunde in den eingangsnahen Gängen und Hallen. Die Schatzsuche war sogar Anlass, die erzbischöfliche Obrigkeit zu verständigen. Der Dechant von Saalfelden, Jakob Zäller, wurde 1722 sogar angewiesen: "Ihr habt die weltliche Obrigkheit zu ersuechen, das die Speluncen im so genannten Lamprechts-Ofen Loferer Gerichts mit nechsten gänzlich vermauert werde." Dies geschah 1723. Schatzsuchern gelang es dennoch immer wieder durchzudringen. 1833 machte Forstmeister v. Ferchl eine Höhlenbegehung. Um den Rückweg leichter zu finden, legte er eine Schnur aus und fertigte die erste Skizze an. Mit dem Höhlenforscher Anton von Posselt-Czorich (1854 - 1911) begann 1878 die systematische Erforschung des Lamprechtsofenloches.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Lamprechtsofen erstmals von Mitgliedern des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg systematisch erforscht und vermessen. 700 Meter der Höhle konnten durch die Sektion Passau des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine Sensation in der 1905 eröffneten Höhle war die elektrische Beleuchtung. Der Loferer Bürgermeister Johann Stainer († 1937) förderte die weitere Erforschung, die Stainerhalle ist nach ihm benannt.[1]

Viele Jahre bildete dann der Bocksee, ein Siphonsee, das Ende des begehbaren Bereichs. Erst 1962 gelang es Tauchern des Salzburger Höhlenvereins, dieses Hindernis zu überwinden. Um eine weitere Erkundung der Höhle zu ermöglichen, wurde zunächst die Decke des Bockseesiphons abgesprengt. Da der Eingriff jedoch das Höhlenklima veränderte, wurde der Siphon später wieder verbaut und mit einem kurzen, verschließbaren Stollen umgangen.

In zahlreichen Expeditionen wurden in den folgenden Jahrzehnten viele neue Teile der Höhle entdeckt, erforscht und vermessen. Dies erwies sich als technisch immer anspruchsvoller, da der Eingang des Lamprechtsofens fast der tiefste Punkt der Höhle ist und es von dort aus meist bergauf geht. Zahlreiche Wandstufen, Schlufe und Schächte müssen von unten her bezwungen werden, für die Überquerung einiger Seen und Fließgewässer sind Schlauchboote und für die Überwindung von Siphons Tauchausrüstung notwendig.

Nachdem man im Inneren schon über 1000 Höhenmeter aufgestiegen war, wurde der Lamprechtsofen als höchstgelegene Höhle der Welt betrachtet. Die Endpunkte konnten nur durch mehrtägige Touren erreicht werden, was weitere Untersuchungen insbesondere wegen des mühsamen Materialtransportes schwierig machte. Man beschloss daher, vom Plateau der Leoganger Steinberge aus nach einem zweiten Eingang zu suchen. In den 1990er Jahren bemühten sich vor allem Forschergruppen aus Polen in mehrwöchigen Expeditionen, einen solchen Zugang zu finden; 1998 konnte am Ebersbergkar der Leoganger Steinberge in 2296 m Seehöhe ein zweiter Ausgang gefunden werden. Der Lamprechtsofen war mit über 1600 m Höhenunterschied nun für einige Jahre auch tiefste Höhle der Erde. Der Durchstieg von oben her dauert mehrere Tage und ist trotz eingebauter Seile schwierig und gefährlich. Die Forschungen sind noch nicht abgeschlossen.

Der Lamprechtsofen ist derzeit als längste Höhle Salzburgs bekannt und er zählt zu den schwierigsten Höhlen weltweit. Aufgrund der Vielfalt an Seen, Wasserfällen und Klammen gilt das Höhlensystem in der Fachwelt als außerordentlich attraktiv.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Lamprechtsofenloch. Alois Eder, Salzburger Nachrichten vom 22. Juni 2012

Weblinks[Bearbeiten]