Lamprechtsofen

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Lamprechtsofen
Schauhöhlenbereich

Schauhöhlenbereich

Lage: Leoganger Steinberge (Salzburg)
Höhe: 660 m ü. A.
Geographische
Lage:
47° 31′ 34″ N, 12° 44′ 21″ OKoordinaten: 47° 31′ 34″ N, 12° 44′ 21″ O
Lamprechtsofen (Land Salzburg)
Lamprechtsofen
Katasternummer: 1324/1
Geologie: Dachsteinkalk
Typ: aktive Wasserhöhle, hochalpine Höhle
Gesamtlänge: 51 km
Niveaudifferenz: 1600 m
Länge des Schau-
höhlenbereiches:
700 m – mit 70 Höhenmeter

Der Lamprechtsofen (auch: Lamprechtshöhle) ist eine seit Jahrhunderten bekannte Höhle in den Leoganger Steinbergen im Bundesland Salzburg. (Ofen ist eine Bezeichnung für eine enge Felsformation.) Der Eingang liegt direkt an der Bundesstraße zwischen Lofer und Saalfelden. Die Höhle ist bislang auf 51 km Länge erforscht und gilt als längste Höhle Salzburgs. Rund 700 m sind als Schauhöhle touristisch erschlossen; für Geübte werden auch mehrstündige Führungen abseits des Schauhöhlenbetriebes angeboten.

Das Höhlensystem erstreckt sich über mehr als 1600 Höhenmeter, die größten Teile können nur im Winter bei Frost begangen werden, da viele Gänge bei größeren Niederschlägen oder bei Schneeschmelze komplett unter Wasser stehen können.

Geschichte und Erforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahrhundertelang war der Lamprechtsofen das Ziel von Schatzsuchern, die dort einen versteckten Schatz des Ritters Lamprecht vermuteten. Dass einige dabei ihr Leben lassen mussten, zeigen frühere Skelettfunde in den eingangsnahen Gängen und Hallen. Die Schatzsuche war sogar Anlass, die erzbischöfliche Obrigkeit zu verständigen. Der Dechant von Saalfelden, Jakob Zäller, wurde 1722 sogar angewiesen: "Ihr habt die weltliche Obrigkheit zu ersuechen, das die Speluncen im so genannten Lamprechts-Ofen Loferer Gerichts mit nechsten gänzlich vermauert werde." Dies geschah 1723. Schatzsuchern gelang es dennoch immer wieder durchzudringen. 1833 machte Forstmeister v. Ferchl eine Höhlenbegehung. Um den Rückweg leichter zu finden, legte er eine Schnur aus und fertigte die erste Skizze an. Mit dem Höhlenforscher Anton von Posselt-Czorich (1854–1911) begann 1878 die systematische Erforschung des Lamprechtsofenloches.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Lamprechtsofen erstmals von Mitgliedern des Landesvereins für Höhlenkunde in Salzburg systematisch erforscht und vermessen. 700 Meter der Höhle konnten durch die Sektion Passau des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine Sensation in der 1905 eröffneten Höhle war die elektrische Beleuchtung. Der Loferer Bürgermeister Johann Stainer († 1937) förderte die weitere Erforschung, die Stainerhalle ist nach ihm benannt.[1]

Viele Jahre bildete dann der Bocksee, ein Siphonsee, das Ende des begehbaren Bereichs. Erst 1962 gelang es Tauchern des Salzburger Höhlenvereins, dieses Hindernis zu überwinden. Um eine weitere Erkundung der Höhle zu ermöglichen, wurde zunächst die Decke des Bockseesiphons abgesprengt. Da der Eingriff jedoch das Höhlenklima veränderte, wurde der Siphon später wieder verbaut und mit einem kurzen, verschließbaren Stollen umgangen.

In zahlreichen Expeditionen wurden in den folgenden Jahrzehnten viele neue Teile der Höhle entdeckt, erforscht und vermessen. Dies erwies sich als technisch immer anspruchsvoller, da der Eingang des Lamprechtsofens fast der tiefste Punkt der Höhle ist und es von dort aus meist bergauf geht. Zahlreiche Wandstufen, Schlufe und Schächte müssen von unten her bezwungen werden, für die Überquerung einiger Seen und Fließgewässer sind Schlauchboote und für die Überwindung von Siphons Tauchausrüstung notwendig.

Nachdem man im Inneren schon über 1000 Höhenmeter aufgestiegen war, wurde der Lamprechtsofen als höchstgelegene Höhle der Welt betrachtet. Die Endpunkte konnten nur durch mehrtägige Touren erreicht werden, was weitere Untersuchungen insbesondere wegen des mühsamen Materialtransportes schwierig machte. Man beschloss daher, vom Plateau der Leoganger Steinberge aus nach einem zweiten Eingang zu suchen. In den 1990er Jahren bemühten sich vor allem Forschergruppen aus Polen in mehrwöchigen Expeditionen, einen solchen Zugang zu finden; 1998 konnte am Ebersbergkar der Leoganger Steinberge in 2296 m Seehöhe ein zweiter Ausgang gefunden werden. Der Lamprechtsofen war mit über 1600 m Höhenunterschied nun für einige Jahre auch tiefste Höhle der Erde. Der Durchstieg von oben her dauert mehrere Tage und ist trotz eingebauter Seile schwierig und gefährlich. Die Forschungen sind noch nicht abgeschlossen.

Der Lamprechtsofen ist derzeit als längste Höhle Salzburgs bekannt und er zählt zu den schwierigsten Höhlen weltweit. Aufgrund der Vielfalt an Seen, Wasserfällen und Klammen gilt das Höhlensystem in der Fachwelt als außerordentlich attraktiv.

Einrichtungen, Organisatorisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1899 pachtete die Alpenvereinssektion Passau die Höhle, errichtete 1904 eine Forscherhütte vor der Höhle und eröffnete am 30. Juli 1905 einen Schauteil für die Allgemeinheit. Eine Sensation war die elektrische Beleuchtung mit 280 bunten Glühbirnen. Der elektrische Strom dafür kam aus einem Kleinkraftwerk mit Druckrohrleitung 52 m unter einem kleinen Stauwerk am Höhlenbach am oberen Ende der Stainerhalle. 1974/75 wurde die Höhle jedoch ans öffentlichen Stromnetz angeschlossen.

Schon in der Kanzlerhöhle, im Mittelteil der Schauhöhle führt ein Gittertor zum Forscherteil. Ein verschlossenes Gitter am Ende des Besucherteils erlaubt den Blick in die Tiefe der Höhle.

Die Lufttemperatur in der Höhle beträgt das ganze Jahr etwa 4–6°C.

Im Sommerhalbjahr (Mai bis Oktober) ist die Höhle täglich tagsüber (08:30 bis 19:00 Uhr) gegen Eintritt (6 € / Erwachsener, Stand August 2016) geöffnet. Zusätzlich werden Führungen angeboten, nach Vereinbarung auch in den Schließmonaten. Der Forscherteil wird typisch im Winter begangen, da dann niedrigerer Wasserstand besseres Fortkommen ermöglicht.

Der Höhleneingang liegt nahe der Pinzgauer Straße (B 311) zwischen Lofer und Saalfelden. Die Adresse von Gasthaus (und damit der Höhle) lautet: Lamprechtshöhle, Obsthurn 28, 5092 St. Martin bei Lofer.

Vorfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tiefpunkt (Siphon) ein Stück innerhalb des Eingangs kann sich bei starken Regenfällen durch Anstieg des Wasserstands verschließen und hat wiederholt Menschen den Ausgang aus der Höhle versperrt. Für solche Fälle ist innerhalb dieser Stelle seit einiger Zeit ein Notlager mit Decken, etwas Proviant und einem Nottelefon angelegt.

Am 5. August 2016 kamen bei Wasseranstieg noch zahlreiche Höhlenbesucher heraus, ein 7-jähriger Bub wurde irgendwie herausgeschwemmt. 7 Personen harrten bis zu 4 Stunden in der Höhle aus. Erst etwa 2 Stunden nach Alarmierung der Höhlenrettung um 15 Uhr 22 war das Wasser so weit gefallen, dass die ausgerüsteten Retter einsteigen konnten. Weitere 2 Stunden kamen die durchnässten, unterkühlten Personen durch das nur mehr knapp knietiefe Wasser heraus, Kinder wurden dabei getragen. Die Gastronomin beim Eingang der Höhle hatte schon vor Alarmierung eine Zeit lang keine Besucher mehr in die Höhle gelassen.[2]

  • Ein ähnlicher Fall betraf am 28. August 2013 sogar 26 Gäste.
  • Am 29. Juni 2002 zog sich eine 62-Jährige ein Bruch zu, als sie versuchte trotz hohen Wassers noch den Ausgang zu erreichen.
  • Am 5. September 1998 wurden 16 Personen - darunter 6 Kinder - eingeschlossen.
  • Am 4. Jänner 1991 wurde eine gut ausgerüstete Höhlenforscherexpedition vom Wasser in der Höhle festgesetzt. Eine 17-köpfige Rettungsmannschaft mit zwei Tauchern brachten die 3 Männer und 1 Frau in Sicherheit.
  • Im 18. Jahrhundert wurden 14 Skelette von Menschen gefunden und die Stellen mit Kreuzen markiert.
  • 1723 wurde nach dem Bekanntwerden von tödlichen Unfällen der Eingang vermauert, Schatzsucher und Abenteurer gelangten trotzdem in die Höhle.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alois Eder: Das Lamprechtsofenloch, Salzburger Nachrichten, 22. Juni 2012, zuletzt abgerufen 11. August 2016.
  2. Sieben Eingeschlossene aus Höhle befreit orf.at, 5. August 2016, abgerufen 11. August 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]