Dachstein-Rieseneishöhle

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Dachstein-Rieseneishöhle

Dachstein-Rieseneishöhle Parzivaldom

Dachstein-Rieseneishöhle Parzivaldom

Lage: Dachsteingebirge bei Obertraun, Österreich
Höhe: 1455 m ü. A.
Geographische
Lage:
47° 32′ 5,4″ N, 13° 43′ 7″ OKoordinaten: 47° 32′ 5,4″ N, 13° 43′ 7″ O
Dachstein-Rieseneishöhle (Oberösterreich)
Dachstein-Rieseneishöhle
Katasternummer: 1547/17
Geologie: Dachsteinkalk
Typ: Eishöhle
Entdeckung: 1897
Schauhöhle seit: 1912
Beleuchtung: elektrisch (seit 1928)
Gesamtlänge: 2700 m
Niveaudifferenz: 70 m (Saar 1914)
Länge des Schau-
höhlenbereiches:
ca. 800 m
Besonderheiten: seit 1928 Naturdenkmal
Website: www.dachstein-salzkammergut.com

Die Dachstein-Rieseneishöhle ist eine Eishöhle im Dachsteinmassiv im Gemeindegebiet von Obertraun im oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes. Die bisher bekannte Gesamtlänge der Höhle beträgt 2700 m, wovon 800 m als Schauhöhle touristisch erschlossen sind. Die Dachstein-Rieseneishöhle ist ein bedeutendes Tourismusziel in Oberösterreich, das jährlich rund 150.000 Besuche verzeichnet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dachstein-Rieseneishöhle befindet sich im Nordteil des Dachsteinmassivs in der Nähe von Obertraun. Sie befindet sich 100 m oberhalb der Schönbergalm in der Schönbergwand. Die Höhle ist seit 1951 mit der Dachstein Krippenstein-Seilbahn erreichbar. Ein asphaltierter Fußweg führt von der Schönbergalm zum Ein- und Ausgang der touristisch erschlossenen Bereiche. Die Höhle befindet sich im UNESCO-Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gut verkarstungsfähige Dachsteinkalk bietet im Zusammenwirken mit dem übrigen Trennflächengefüge besonders günstige Voraussetzungen für die Höhlenbildung. Vor etwa 10 Millionen Jahren begann eine Periode, in der die mittleren und östlichen Kalkalpen starker Hebung bis zum heutigen Hochgebirge ausgesetzt waren. Die Hebung erfolgte nicht kontinuierlich, wie sich aus den Höhlensystemen ableiten lässt. Im Dachsteinmassiv existiert eine deutliche Höhenzonierung der Höhlengänge, die sich in drei Niveaus einteilen lassen, die mit der Lage des damaligen Karstwasserspiegels zusammenhängen. Das Ruinenhöhlen-Niveau im Bereich der Dachstein-Hochfläche ist im frühen Oligozän entstanden, das darunter liegende Riesenhöhlen-Niveau mit Hirlatzhöhle, Dachstein-Mammuthöhle und -Rieseneishöhle im Obermiozän. Die letzten beiden waren mit hoher Wahrscheinlichkeit vor der Bildung der Verebnung der Schönbergalm verbunden. Das plio- bis pleistozäne Quellhöhlenniveau mit der nahe gelegenen Koppenbrüllerhöhle zeigt den heutigen Karstwasserspiegel an. Die horizontalen Höhlen-Gangsysteme bildeten sich zu Zeiten tektonischer Ruhe, weil sie lange Zeit zur Bildung beanspruchen. Dazwischen lagen Zeiten rascher Hebung, in denen vor allem vertikal Höhlenstrecken entstanden.[1][2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dachstein-Rieseneishöhle besitzt drei begehbare Öffnungen zur Oberfläche. Der für die Höhlenführung genutzte Eingang befindet sich auf 1421 m ü. A.. Das Portal des Großen Windlochs bildet den heutigen Ausgang und liegt auf 1459 m ü. A.. Ein dritter Eingang auf 1436 m ü. A. führt zu nicht öffentlich zugänglichen Bereichen der Höhle. Die Benennungen der Höhlenteile erfolgte durch die Entdecker. Es sind dies vorwiegend Begriffe und Namen aus dem keltisch-germanischen Sagenkreis. Der Führungsweg beginnt im eisfreien Teil der Höhle und führt durch den Bachlauf Korsa zum Lehmhallenlabyrinth, einer Halle mit Tropfsteinen. Über den alten Flusslauf Plimisoel gelangt man zum König-Artus-Dom, mit 1384 m ü. A. der tiefste Punkt der Höhle. Dieser ist mit gewaltigen Versturzblöcken übersät, die sich im Laufe geologischer Zeiträume von der Decke lösten. Bereits die ersten Höhlenforscher fanden dort Knochen von Höhlenbären, wodurch dieser Bereich auch Bärenfriedhof genannt wird. Über Stiegen erreicht man den Keyeschluff. Hinter einer Wettertür beginnt mit dem Parsivaldom der Eisteil der Höhle. Nach dem Kristallogletscher beginnt mit den Tristandom die letzte große Halle des Schauteils der Höhle. Dort führt eine Hängebrücke über den Eisabgrund. Alternativ kann ein Weg entlang der Höhlenwand gewählt werden. Nach dem Tristandom endet der Führungsteil beim Ausgang.

Bewetterung und Eisbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hängebrücke im Tristandom

Die Dachstein-Rieseneishöhle ist nach dem Typ der dynamischen Eishöhlen aufgebaut. Das Höhlensystem hat mindestens zwei in verschiedener Höhe liegende Verbindungen mit der Außenwelt. Im Winter steigt die wärmere Höhlenluft durch Gesteinsklüfte aufwärts und verlässt die Höhle durch die oberen Öffnungen, die zwar als solche nicht direkt bekannt sind, aber auf der Hochfläche zwischen 1600 und 1900 m liegen dürften. Gleichzeitig wird durch die unteren Eingänge kalte Außenluft nachgesogen. Im Sommer fließt umgekehrt die kältere Höhlenluft bei den unteren Öffnungen ab, während von oben her Warmluft nachströmt. Im Winter folgt die Temperatur in der Höhle der Außentemperatur. Sie steigt vom Eingang bis zum Versturz ziemlich linear an, ohne jedoch 0 °C zu erreichen. Im Sommer tritt die eingesaugte Warmluft, die sich im Berginnern bereits erheblich abgekühlt hat, durch den Versturz in die Eisräume ein und kühlt sich dort auf Werte um 0 °C ab. Im Allgemeinen erfolgt die Strömung in den Monaten Dezember bis März höhlenauswärts, von Juli bis September höhleneinwärts, in den Übergangsmonaten wechselt sie häufig, die mittlere Geschwindigkeit beträgt 4 m/Sek. Das Eiswachstum hängt stark von der Sickerwasserzufuhr ab, es erfolgt hauptsächlich zur Zeit der Schneeschmelze am Plateau in den Monaten April bis Juni. Während des Sommers, aber auch im Winter, kommt es zu einem erheblichen Eisschwund. Nur im südöstlichen, 340 m langen, von Südwest nach Nordost verlaufenden Höhlenast herrschen Bedingungen, die eine Eisbildung ermöglichen. Die Masse des Höhleneises beträgt schätzungsweise 13.000 m³ mit rund 5.000 m² Oberfläche. Da schon relativ geringe Klimaschwankungen zu einer Vermehrung bzw. zum Abschmelzen des Eises führen können, ist anzunehmen, dass während der nacheiszeitlichen Klimaschwankungen die Höhle schon mehrmals ver- und enteist ist. Pollenanalysen lassen auf ein Alter des Eises von etwa 500 Jahren schließen.[3]

2007 wurden Messungen der Eismächtigkeit mittels Bodenradar durchgeführt. Sie betragen im Tristandom maximal 15 m und im Parsivaldom zwischen 2 und 6 m.[4] Belegt ist ein aktueller Eisrückgang seit 2002 um durchschnittlich 6 cm pro Jahr.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer vermutlich nicht zutreffenden Legende nach entdeckte der Obertrauner Peter Gamsjäger 1897 die Eishöhle auf der Suche nach abgängigem Vieh. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Höhle den Einheimischen schon lange vorher bekannt war. Am 17. Juli 1910 gelang es den Höhlenforschern Hanna und Hermann Bock aus Brünn sowie Georg Lahner aus Linz durch Überwindung des Großen Eisabgrunds erstmals tiefer in die Höhle einzudringen, dieser Tag gilt daher als offizieller Entdeckungszeitpunkt.[6]

Seit 1912 werden auch Führungen durchgeführt. Bereits im Jahr 1928 wurde die Höhle mit einer elektrischen Beleuchtung versehen, 1952 wurde ein neuer Eingang geöffnet.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle kann in den Sommermonaten besucht werden. Höhepunkte der knapp einstündigen Führung sind die Eiskapelle und die Gralsburg. Warme Bekleidung und feste Schuhe mit rutschfester Sohle werden empfohlen. Außerdem befindet sich auf der Schönbergalm auch die Dachstein-Mammuthöhle und im Tal die Koppenbrüllerhöhle, die ebenfalls besucht werden können.

Naturschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höhlen stehen in Österreich prinzipiell (ex-lege) unter strengem Naturschutz. Diese Höhle wurde 1973 auch zum Naturdenkmal (nd597, Naturschutzbuch: OÖ-63/Obertraun) erklärt.[7] Das Gebiet liegt in der Kernzone des UNESCO-Welterbegebiets Kulturlandschaft Hallstatt–Dachstein/Salzkammergut (WHS 806) und im Europa- und Naturschutzgebiet Dachstein (Vogelschutz- und FFH-Gebiet, AT3101000/EU02; n098).[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Lobitzer: Geologische Spaziergänge: Rund um den Hallstätter See – Salzkammergut. Hrsg.: Verlag der Geologischen Bundesanstalt in Wien. Wien 2013, ISBN 978-3-85316-068-8.
  • Gerhard W. Mandl, Dirk van Husen, Harald Lobitzer: Erläuterungen zu Blatt 69 Bad Ischl. Hrsg.: Geologische Bundesanstalt. Wien 2012 (geologie.ac.at [PDF; abgerufen am 24. November 2020]).
  • Robert Bouchal, Josef Wirth: Höhlenführer Österreich – Über 100 Höhlen mit Skizzen, Plänen, Zugangsbeschreibungen und 150 Fotos. Pichler Verlag, Wien 2001, ISBN 3-85431-234-2, S. 125–127.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dachstein-Rieseneishöhle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard W. Mandl, Dirk van Husen, Harald Lobitzer: Erläuterungen zu Blatt 69 Bad Ischl. S. 163.
  2. Harald Lobitzer: Geologische Spaziergänge: Rund um den Hallstätter See – Salzkammergut. S. 15–16.
  3. Hans Schmeidl: Zur pollenanalytischen Altersbestimmung der Eisbildungen In der Schellenberger Eishöhle und in der Dachstein-Rieseneishöhle. In: Jahrbuch des Vereins zum Schutze der Alpenpflanzen und -Tiere. Band 34. München 1969, S. 67–84 (online (PDF) auf ZOBODAT [abgerufen am 21. September 2021]).
  4. Michael Behm, Helmut Hausmann: Eisdickenmessungen in alpinen Höhlen mit Georadar. In: Verband Österreichischer Höhlenforscher (Hrsg.): Die Höhle. Band 58. Wien 2007, S. 3–11 (online (PDF) auf ZOBODAT [abgerufen am 21. September 2021]).
  5. Harald Lobitzer: Geologische Spaziergänge: Rund um den Hallstätter See – Salzkammergut. S. 109–110.
  6. ORF: Dachstein Rieseneishöhle wird 100; abgerufen am 13. Juni 2010.
  7. Dachstein Rieseneishöhle. In: Naturschutz-Datenbank und Naturschutzbuch (GENISYS). Land Oberösterreich, abgerufen am 21. November 2021.
  8. Europaschutzgebiet Dachstein (Vogelschutzgebiet und FFH-Gebiet, AT3101000), Naturschutzgebiet Dachstein in den Gemeinden Gosau, Hallstatt und Obertraun, Genisys.