Landeskulturzentrum Salzau

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Das ehemalige Herrenhaus/Schloss Salzau
Herrenhaus Salzau, erbaut 1881
JazzBaltica auf Gut Salzau

Das schleswig-holsteinische Landeskulturzentrum Salzau auf Gut Salzau in Fargau-Pratjau im Kreis Plön war eine von der Kulturstiftung des Landes Schleswig-Holstein getragene Begegnungsstätte und wichtiger Bestandteil der kulturellen Infrastruktur des Bundeslandes.

Geschichte des Gutes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salzau ist ein alter Rittersitz in Holstein, benannt nach dem Ritter Otto von Salzau, erwähnt erstmals in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, als Königin Mechthild, die Witwe König Abels von Dänemark ihm 30 Mark hinterlässt. Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert stand Salzau im Eigentum der Grafen Blome und ging nach 1945 durch Erbfolge in den Besitz der Grafen von Thun und Hohenstein über. Das Herrenhaus brannte im 19. Jahrhundert ab und wurde 1881 von Otto von Blome neu errichtet. Architekt des Neubaus war Joseph Eduard Mose. 1945 gelangte das Gut in den Besitz der Grafen von Thun-Hohenstein. Sie bewohnten das Herrenhaus für ein Jahr und zogen danach in das benachbarte Kavaliershaus. Das Schloss war bis 1955 vorübergehendes Zuhause für Flüchtlinge aus Pommern, Ostpreußen und Schlesien. 1964 kaufte der Bauunternehmer Wolfgang Maser aus Wuppertal-Barmen den renovierungsbedürftigen Prunkbau von der Mutter des Grafen Romedio von Thun-Hohenstein für 300.000 Mark. Maser war wenige Jahre später zahlungsunfähig. Im Oktober 1971 wurde das Schloß für 800.000 Mark zwangsversteigert.[1] Ein Hamburger Immobilienmakler erwarb das Ensemble, auf dem er ein Sanatorium seinrichten wollte. Der Plan zerschlug sich. Drei Jahre später zogen über Nacht 31 alkoholgefährdete Männer ins Schloss. Heimleiter Pugehl gab aus finanziellen Gründen und wegen behördlicher Einsprüche auf. Mitte der 1970er Jahre erwarb der Hamburger Kaufmann Ottmar Schrayvogel Schloss für 775.000 Mark. 1976 bezog er Salzau mit Frau, Tochter und 18 arabischen Pferden in Salzau ein. Auch Schrayvogel ging bankrott. Salzau stand anschließend für mehrere Jahre leer. 1985 ersteigerte das Land Schleswig-Holstein das Anwesen für 3,2 Millionen Mark und ließ es zum Landeskulturzentrum ausbauen.[2]

Im Zuge der Umbauten entstanden im ehemaligen Herrenhaus neben den prächtigen Sälen zahlreiche Schlafzimmer mit Jugendherbergscharakter für die jungen Musiker, außerdem gibt es im zweiten Obergeschoss einen Ballettsaal. Zu den Gebäuden gehören auch das Torhaus mit Appartements und Gastronomiebereich sowie ein ehemaliger Pferdestall mit schlichten Zimmern - ursprünglich für junge Musiker gedacht.[3]

Im Jahr 2010 beschloss die damalige Landesregierung von CDU und FDP die Veräußerung des Gutes. Der Grund waren die hohen Unterhaltskosten von mehr als 220.000 Euro jährlich.[4] Seit dem 26. Februar 2011 stand das Gut zum Verkauf.[5] Veranstaltungen, z.B. des Schleswig-Holstein Musik Festivals und des Festivals JazzBaltica, fanden hier seither nicht mehr statt. Die Gebäudemanagement-Gesellschaft des Landes hatte einen Verkehrswert von 3,4 Millionen Euro für Salzau ermittelt. Für einen Kaufpreis von zwei Millionen Euro ging Ende 2013 der Zuschlag nach langer Käufersuche an einen Hamburger Kaufmann.[6] 2014 wurde der Verkauf rückgängig gemacht.[2]

Von September 2015 bis März 2016 diente Salzau als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.[7][8] Nach sieben Jahren, in denen das Land erfolglos einen Käufer suchte, gab Finanzministerin im Februar 2017 bekannt, das neobarocke Schloss für insgesamt 1,3 Millionen Euro an eine Firma aus Timmendorfer Strand verkauft zu haben.[9] Allein das Herrenhaus hat 4066 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche. Zum Gebäudeensemble gehören noch fünf Nebengebäude sowie ein 122.313 Quadratmeter großes Grundstück samt Schlossgarten mit See.[3]

Landeskulturzentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Landeskulturzentrum wurden Seminare, Tagungen, Künstlerbegegnungen, Theateraufführungen, Antik- und Kunstmessen sowie Lesungen durchgeführt.

Auch wurde das Landeskulturzentrum als Spielstätte des Schleswig-Holstein Musik Festivals und für das Festival JazzBaltica (letztmals im Jahr 2011) genutzt. Es war Sitz der von Leonard Bernstein 1987 begründeten internationalen Orchesterakademie des Festivals. Eine weitere Aufgabe des Zentrums war die Koordination der Aktivitäten im Ars Baltica-Projekt. Die Probenphasen des Landesjugendorchesters fanden ebenfalls hier statt.

Im Jahre 2011 wurde das Landeskulturzentrum Salzau aufgehoben – die Gründe dafür waren unter anderem, dass es nicht gelungen war, Salzau zu einem Tagungs- und Kulturzentrum mit Hotelbetrieb auszubauen, um damit eine ausreichende Auslastung zu erzielen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schloss Salzau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deert Lafrenz: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, 2015, Michael Imhof Verlag Petersberg, 2. Auflage, ISBN 978-3-86568-971-9, S. 491.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rumohr, Henning von.: Schlösser und Herrenhäuser in Ostholstein; ein Handbuch. Weidlich, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-8035-0352-3, S. 40.
  2. a b Hamburger Abendblatt - Hamburg: Schloss Salzau für 1,3 Millionen Euro verkauft. (abendblatt.de [abgerufen am 29. August 2017]).
  3. a b Kieler Nachrichten, Kiel, Schleswig-Holstein, Germany: Immobilien – Schloss Salzau für 1,3 Millionen Euro verkauft. Abgerufen am 29. August 2017 (deutsch).
  4. NDR: Schloss Salzau für 1,3 Millionen Euro verkauft. Abgerufen am 29. August 2017 (deutsch).
  5. Kleine Anfrage des Abgeordneten Hans Müller (SPD) und Antwort der Landesregierung zum Verkauf von Schloss Salzau (PDF; 85 kB)
  6. Kieler Nachrichten, Kiel, Schleswig-Holstein, Germany: Schleswig-Holstein – Salzau steht wieder zum Verkauf. Abgerufen am 29. August 2017 (deutsch).
  7. Flüchtlinge ziehen ins Schloss Salzau (Memento vom 28. September 2015 im Internet Archive) Abgerufen am 27. September 2015
  8. Claudia Eicke-Diekmann: Die letzten 28 Flüchtlinge verlassen Schloss Salzau. (abendblatt.de [abgerufen am 29. August 2017]).
  9. Kieler Nachrichten, Kiel, Schleswig-Holstein, Germany: Immobilien – Schloss Salzau für 1,3 Millionen Euro verkauft. Abgerufen am 29. August 2017 (deutsch).

Koordinaten: 54° 19′ 46″ N, 10° 22′ 57″ O