Blomenburg

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Hofansicht der Blomenburg
Die Gartenfassade der Blomenburg

Die Blomenburg in Selent im Kreis Plön ist ein Jagdschloss aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Schloss – nach der regionalen Definition eher ein Herrenhaus – wurde für Graf Otto von Blome errichtet, dessen Namen es auch trägt. Das Bauwerk gilt als eines der Hauptwerke des Historismus im Land Schleswig-Holstein. Die Anlage ist für Besucher von außen zugänglich.

Geschichtlicher Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bauplatz der Blomenburg auf dem sogenannten Heidberg bei Selent gehörte ursprünglich zu den Ländereien des Guts Lammershagen, das Graf Otto von Blome 1829 erworben hatte. Die Blomenburg wurde als Jagdsitz in der Nähe seines Guts Salzau von 1844 bis 1848 errichtet, sie war ein vollständiger Neubau, ein Vorgängergebäude gab es an dieser Stelle nicht. Das Jagdschloss entstand in freundschaftlicher Rivalität als Gegenstück zum Hessenstein genannten Aussichtsturm, den der Landgraf Friedrich von Hessen wenige Jahre zuvor auf der anderen Seite des Selenter Sees bei Gut Panker errichten ließ. Von 1878 bis zu ihrem Tod 1908 wohnte Adeline Gräfin von Hardenberg, die einzige Tochter von Otto Graf Blome, als Witwe auf der Blomenburg. Danach diente die Blomenburg den Mitgliedern der Familie Blome bis 1927 als gelegentlicher Wohnsitz, dann wurde sie unter Johannes Blome an den Provinzialverband Schleswig-Holstein verkauft. Das Bauwerk diente in den folgenden Jahrzehnten als Jugend- und Erziehungsheim, die nichtfeste Ausstattung ging in dieser Zeit weitgehend verloren.

Das Jugendheim wurde 1992 geschlossen und die Blomenburg zum Verkauf angeboten. Bis 1993 diente sie der Unterbringung von Flüchtlingen aus dem vom Bürgerkrieg erschütterten Jugoslawien. Das Gebäude ging schließlich an eine Investorengesellschaft, die dort ab 1997 das sogenannte Technologiezentrum Blomenburg einrichten ließ. 2004 bis 2006 erfolgten Sanierung der historischen Anlagen und Errichtung des angeschlossenen Neubaus, die zusammen den „Blomenburg Venturepark“ bildeten. Nach Kontroversen um die Nutzung des mit öffentlichen Mitteln sanierten und geförderten Technologiezentrums durch den Betreiber meldete dieser 2009 Insolvenz an. 2010 übernahm der Kreis Plön den Betrieb des Technologiezentrums. Nach der Insolvenz des Gesellschafters „Blomenburg Holding“ im Januar 2011[1] und dem Beschluss des Kreises Plön, das Technologiezentrum zukünftig nicht mehr zu finanzieren, meldete die Blomenburg Venture Park Trägergesellschaft mbH am 25. Februar 2011 Insolvenz an. Daraufhin kam es dann zu einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Schleswig, bei dem zu klären war, ob der Insolvenzverwalter gegenüber dem Kreis Plön, als einem der Gesellschafter, zurückgezahlte Fördermittel in Höhe von ca. 7,3 Mio. Euro zzgl. Zinsen wieder zurückfordern kann. Dies lehnte das OLG ab.[2] Im Jahre 2015 erwarb eine private Investorengruppe die Blomenburg. Ziel der Investoren ist, die Burg künftig als eine Art Burn-Out-Zentrum und Sanatorium für neurologische und psychosomatische Patienten zu entwickeln.[3]

Gebäudebestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blomenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtansicht der Anlage mit Kavaliershaus und Jagdschloss

Die Blomenburg ist eines der Hauptwerke des Historismus in Schleswig-Holstein. Die durch den Berliner Architekten Eduard Knoblauch errichtete Anlage besteht aus dem eigentlichen Jagdschloss, dass nach Art einer Vorburg von einem mehrflügeligen Nebengebäude umschlossen ist. Als Vorbild wird das bei Potsdam gelegene Schloss Babelsberg genannt. Die Blomenburg ist ein zweigeschossiges Gebäude in Anlehnung an den englischen Tudorstil. Der Baukörper über einem Kellersockel ist nahezu würfelförmig, mehrere Türme und Anbauten ragen aus ihm hervor. Das Gebäude ist aus Backstein errichtet und sollte ursprünglich unverputzt bleiben, noch vor Abschluss der Bauarbeiten erhielt es jedoch zuerst einen rötlichen, später den heutigen weißen Anstrich. Das Haus ist sparsam mit Gesimsbändern dekoriert, das flache Dach hinter einem umlaufenden Zinnenkranz verborgen.

Als Hauptstockwerk mit den repräsentativen Wohnräumen war das zweite Obergeschoss gedacht, das in seiner Höhe das untere Wohngeschoss nahezu um das Doppelte übertrifft. Die Innenausstattung der Blomenburg galt als erlesen, die Möblierung ging im Laufe der Fremdnutzung des Gebäudes jedoch nahezu vollständig verloren. Erhalten haben sich nur die zum Teil ausgemalten Wand- und Deckenfelder.

Die Nebengebäude und der Garten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jagdschloss wird von mehreren Nebengebäuden umgeben, die gemeinsam eine Art Vorburg bilden. Die Anlage wird durch ein Torhaus betreten – ein weiteres, äußeres Tor mit Zugbrücke wurde später wieder abgebrochen –, das direkt in den Hof der Blomenburg führt. Der Hof wird hufeisenförmig von den Wirtschaftsflügeln und dem zweigeschossigen Kavaliershaus gebildet, die wie die Blomenburg den Castle-Style der englischen Tudorgotik aufgreifen. Unterhalb der Anlage wurde von 2004 bis 2006 ein moderner, vierflügeliger Anbau für das Technologiezentrum errichtet, der mit der Blomenburg durch eine gläserne Brückenkonstruktion verbunden ist. Ausführender Architekt des Bürogebäudes war Bernhard Winking, die Baukosten beliefen sich auf 10 Millionen Euro.[4] Zeitgleich mit dem Neubau des Verwaltungsgebäudes wurden diverse Anbauten aus der Zeit des Erziehungsheims, wie ein Küchentrakt, ein Waschhaus und eine Schwimmhalle, abgebrochen und der zwischenzeitlich begrünte Innenhof neu gepflastert.

Die auf dem Gipfel einer Anhöhe gelegene Blomenburg wird von einem 67 Hektar großen Landschaftsgarten im Englischen Stil umgeben, der durch Rundwege erschlossen wird und zum Teil mit exotischen Solitärbäumen versehen ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning v. Rumohr: Schlösser und Herrenhäuser in Ostholstein, neu bearbeitet von Cai Asmus v. Rumohr 1989, 3. Auflage, Verlag Weidlich/Flechsig Würzburg, ISBN 3-8035-1303-0, S. 191.
  • Adrian von Buttlar, Margita Marion Meyer (Hrsg.): Historische Gärten in Schleswig-Holstein. 2. Auflage. Boyens & Co., Heide 1998, ISBN 3-8042-0790-1, S. 168–172.
  • Karen David-Sirocko: Die Blomenburg. Ein Jagdschloß der Romantik in Schleswig-Holstein. Edition Pechstein, Tökendorf 1992, ISBN 3-926483-10-5.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2009, ISBN 978-3-422-03120-3, S. 899–901.
  • Eva von Engelberg-Dočkal: Kulturkarte Schleswig-Holstein. 1000mal Kultur entdecken., 2. Auflage, Wachholtz-Verlag, Neumünster 2005, ISBN 3-5290-8006-3.
  • Berthold Köster: Die Blomenburg in Selent. In: Denkmal. Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. 14/2007, ISSN 0946-4549, S. 149.
  • Hans und Doris Maresch: Schleswig-Holsteins Schlösser, Herrenhäuser und Palais. Husum Verlag, Husum 2006, ISBN 3-89876-278-5.
  • C. H. Seebach: 800 Jahre Burgen, Schlösser und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Wachholtz, 2., verbesserte Auflage, Neumünster 1988, ISBN 3-529-02675-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Blomenburg – Sammlung von Bildern
  • Eintrag zu Blomenburg in der privaten Datenbank „Alle Burgen“

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Blomenburg Holding hat Insolvenz angemeldet. (Memento vom 7. Februar 2011 im Internet Archive) Kieler Nachrichten, 28. Januar 2011.
  2. Stellungnahme des Kreises Plön zum OLG Urteil in der Sache Blomenburg. Abgerufen am 1. Mai 2015 (deutsch).
  3. mik: Selent: Neue Zukunft für die Blomenburg | shz.de. In: shz. (shz.de [abgerufen am 24. Oktober 2016]).
  4. Vorstellung des Anbaus auf der Homepage des Architekten

Koordinaten: 54° 17′ 8″ N, 10° 25′ 53″ O