Lauftherapie

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In der Lauftherapie wird das „sanfte“ aerobische Laufen individuell dosiert und vom Lauftherapeuten über eine festgelegte Zeit (beispielsweise etwa sechs Wochen) kontrolliert.

Lauftherapie bedeutet, dass der langsame Dauerlauf als Mittel einer zielgerechten Therapie eingesetzt wird, um insgesamt neue Kräfte zu schöpfen und auf diesem Wege den einzelnen Menschen zu befähigen, selbst an der Herstellung seiner gewünschten Ausgeglichenheit zu arbeiten. Lauftherapie wurde Anfang der 1970er Jahre im Rahmen der Integrativen Bewegungstherapie[1] in die Psychotherapie von depressiven Patienten und in die Behandlung von Suchtkranken eingeführt[2] als „Integrative Lauf- und Ausdauertherapie“[3] und an der Freien Universität Amsterdam in den „Amsterdamer Laufstudien“ empirisch untersucht mit guten Ergebnissen den psychotherapeutischen Kontrollgruppen gegenüber[4]. Dabei wird im integrativen Lauftraining nicht nur auf den cardio-vasculo-pulmonären Trainingseffekt gesetzt, sondern auch auf psychologische Faktoren wie „eigenleibliches Spüren“, „interpersonelle Kommunikation“ und kreative, spielerische Momente (creative running)[5], die auch in der Ausbildung von integrativen Lauftherapeutinnen vermittelt werden[6]. Sie wird von professionell ausgebildeten Lauftherapeuten praktiziert und je nach Indikation unter therapeutischer oder pädagogischer Zielsetzung angewandt - einer der Unterschiede zu anderen Formen des Laufens.

Auch wenn die Lauftherapie eher zur Alternativmedizin gehört, so sind die Verfahren im Hinblick auf die Herz-Kreislaufkomponenten und die psychischen Wirkungen seit langem[7] auch evidenzbasiert belegt.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. G. Petzold, J. Sieper: „Leiblichkeit“ als „Informierter Leib“ embodied and embedded – Körper-Seele-Geist-Welt-Verhältnisse in der Integrativen Therapie. Quellen und Konzepte zum „psychophysischen Problem“ und zur leibtherapeutischen Praxis. In: H.G. Petzold (Hrsg.): Die Menschenbilder in der Psychotherapie. Interdisziplinäre Perspektiven und die Modelle der Therapieschulen. Wien 2012, S. 243–321.
  2. H. G. Petzold: Psychotherapie und Körperdynamik. Junfermann, Paderborn 1977, S. 351 f.
  3. M. Waibel, H. G. Petzold: Integrative Ausdauertherapie bei depressiven Erkrankungen. In: M. Waibel, C. Jakob-Krieger (Hrsg.): Integrative Bewegungstherapie. 2009, S. 81–97.
  4. S. van der Mei, H.G. Petzold, R. Bosscher: Runningtherapie, Streß, Depression – ein übungszentrierter Ansatz in der Integrativen leib- und bewegungsorientierten Psychotherapie. Integrative Therapie 3, 1997, S. 374–428.
  5. P. Schay, H.G. Petzold, C. Jakob-Krieger, M. Wagner: Laufen streichelt die Seele. Lauftherapie mit Drogenabhängigen – eine übungs- und erlebniszentrierte Behandlungsmethode der Integrativen Therapie. Integrative Therapie 1–2, 2004, S. 150–175.
  6. Europäische Akademie für bio-psycho-soziale Gesundheit. Abgerufen am 6. Mai 2016.
  7. Arnd Krüger: Geschichte der Bewegungstherapie. In: Präventivmedizin. Springer Loseblatt Sammlung, Heidelberg 1999, 07.06, S. 1–22.
  8. Michael L. Sachs, Gary W. Buffone: Running as therapy. An integrated approach. Aronson, Northvale, New Jersey 1997, ISBN 0-7657-0093-X.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich Bartmann: Joggen und Laufen für die Psyche. dgvt-Verlag, Tuebingen 2005, ISBN 3-87159-056-8.
  • A. Bonnemann, J. Grell, K. Richter (Hrsg.): Laufen und Lauftherapie. Ein Lesebuch. LAS Verlag, 2006, ISBN 3-89787-160-2.
  • Alexander Weber (Hrsg.): Hilf dir selbst, Laufe! Das Paderborner Modell der Lauftherapie und andere Modelle des Laufens. Junfermann Verlag, 1999, ISBN 3-87387-408-3.
  • Alexander Weber (Hrsg.): Bewegung braucht der Mensch. Spiridon, Erkrath 1990, ISBN 3-922011-19-5.
  • Alexander Weber, Wolfgang Schüler: Warum Cooper Aerobics erfand. 11 große Theoretiker der Lauf-Gesundheit. LAS Verlag, 2005, ISBN 3-89787-169-6.
  • M. Waibel, H. G. Petzold: Integrative Ausdauertherapie bei depressiven Erkrankungen. In: M. Waibel, C. Jakob-Krieger: Integrative Bewegungstherapie. Schattauer, Stuttgart 2009, S. 81–97.